PFÄFFIKON: Neuer Besitzer greift bei Charles Vögele durch

Die OVS-Gruppe streicht am Hauptsitz des Schwyzer Modekonzerns 100 Stellen. Die Gewerkschaften befürchten, dass das erst der Anfang war.

Drucken
Teilen
Der Hauptsitz von Charles Vögele beim Seedamm-Center. (Bild: Sigi Tischler/Keystone (Pfäffikon, 6. März 2012))

Der Hauptsitz von Charles Vögele beim Seedamm-Center. (Bild: Sigi Tischler/Keystone (Pfäffikon, 6. März 2012))

Roman Schenkel

roman.schenkel@luzernerzeitung.ch

Das hohe Tempo war von Anfang an geplant: Als im vergangenen September die italienische OVS-Gruppe die Übernahme des kriselnden Schweizer Modehändlers Charles Vögele bekannt gab, legte sie auch gleich einen konkreten Zeitplan für die Zukunft von Vögele bei. Sofort nach dem Zustandekommen des Angebots von 56 Millionen Franken sollten das Deutschlandgeschäft und die Immobilien des Schweizer Modekonzerns verkauft werden. Die Verträge dazu waren bereits unterschrieben. Ein Grossteil der 163 Charles-Vögele-Filialen sollen schon im Sommer 2017 umbenannt und umgestaltet sein. Der Name und die Marke Charles Vögele wird Anfang 2018 definitiv verschwunden sein.

Am Hauptsitz in Pfäffikon wollte OVS-Chef Stefano ­Beraldo zwar festhalten, er machte aber an der Pressekonferenz vom 19. September in Zürich klar, dass der Personalbestand am Hauptsitz eine Reduktion erfahren werde. Wie gross diese sein wird, darüber haben die Angestellten nun Gewissheit. Der Modekonzern bestätigte Recherchen des Fernsehsenders Tele Züri, dass 100 von 320 Stellen in Pfäffikon gestrichen werden. Die Angestellten wurden gestern Morgen informiert. Wie Tele Züri berichtet, sind bereits am Nachmittag erste Kündigungen ausgesprochen worden.

Abteilungen Einkauf und Design betroffen

Es seien primär die Bereiche Einkauf und Design betroffen, sagte eine Vögele-Sprecherin. Das Unternehmen befinde sich derzeit in einem Transformationsprozess. Durch den Verkauf der Firma an das italienische Modehaus OVS werde mittelfristig auf deren Kleiderkollektionen umgestellt. Charles Vögele entwerfe und verkaufe künftig keine Kleider mehr, da der neue Inhaber diese Aufgaben im Bereich Verkauf und Design übernehme.

Schlecht kommt der Stellenabbau bei den Gewerkschaften an. Die Unia kritisiert die Kommunikation der Firma stark. Das Konsultationsverfahren sei sehr kurzfristig anberaumt gewesen, und die Vorschläge der Mitarbeitenden habe man nicht wirklich analysiert, sagt Giuseppe Reo von der Unia. «Das war mehr für die Galerie als ernst gemeint», sagt Reo.

Die Firma habe der Unia gar das Gespräch verweigert, erzählt Reo. Obwohl von 63 betroffenen Mitarbeitenden für die Verhandlung mit Charles Vögele mandatiert, hat die Geschäftsleitung des Modekonzerns am Montag die Gewerkschafter nicht für eine Besprechung zugelassen. «Das ist unerhört und alles andere als seriös», ärgert sich Reo.

Auch der Sozialplan sei unbefriedigend. «Es gab keinen Einbezug der Arbeitnehmenden, obwohl das eigentlich vom Gesetz vorgeschrieben ist», so Reo. Die Firma habe es vorgezogen, selber zu bestimmen. «Es wurde nie verhandelt; die Abgangsentschädigung wurde von oben herab diktiert.» Reo befürchtet, dass der momentane Stellenabbau erst der Anfang sei. «Die 100 gestrichenen Jobs waren kaum alles.»

Hansjörg Wyss kauft Filialen

Gestern wurde ausserdem bekannt, dass sich der Käufer von Vögele von zahlreichen Immobilien trennt. Abnehmer ist der milliardenschwere Berner Industrielle Hansjörg Wyss. Gemäss Eintragungen in den Grundbuchämtern hat er über sein Family Office Loreda 15 Immobilien in Zentrumslagen gekauft, berichtet die «Handelszeitung». Der Transaktionspreis betrage 169 Millionen Franken. Verkäufer sind die ­neuen Besitzer des Modehauses Charles Vögele.

In den von Wyss gekauften Immobilien sind Vögele-Filialen einquartiert, darunter sind aber auch Gewerbehäuser oder das Casino Theater Locarno. Im Portfolio ist auch der Standort des Flagship-Store von Vögele an der Zürcher Sihlstrasse.