PFÄFFIKON/ZÜRICH: Wirtschaftskrise bringt OC Oerlikon in die Klemme

OC Oerlikon trimmt nach dem schlechten Abschneiden im vergangenen Jahr die Kosten. Dies nach der vorab angekündigten Rekordverlust von 422 Millionen Franken.

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OC-Oerlikon-Fahnen flattern im Wind. (Bild EQ)

OC-Oerlikon-Fahnen flattern im Wind. (Bild EQ)

Die beschleunigte Restrukturierung, die in den kommenden zwei Jahren rund 100 Millionen Franken kosten wird, trifft praktisch alle Bereiche des Technologie- und Textilmaschinenkonzern, wie Konzernchef Uwe Krüger am Donnerstag vor in Zürich vor den Medien sagte. 2010 soll die Unternehmung wieder Gewinn abwerfen, 2009 aber nochmals einen Verlust und einen weiteren Umsatzrückgang ausweisen.

Mit der Restrukturierung verbunden ist, nach dem Abbau von 1000 Stellen seit vergangenem Juli, die Streichung von weiteren 310 Arbeitsplätzen bei Oerlikon Balzers und Oerlikon Solar. Rund 3800 Beschäftigte oder 20 Prozent der Belegschaft leisten bereits Kurzarbeit. Geplant sind vorübergehende Werkschliessungen, Lohnstopps und allgemeine Kostensenkungen. 

Einbruch im Textilbereich
Besonders betroffen ist der Textilmaschinenbereich, dessen Bestellungseingang um fast die Hälfte einbrach. Die Strategie von Oerlikon Textile, der ehemaligen Saurer, wurde geändert: Sie tritt nicht mehr als lösungsorientierte Komplettanbieterin auf, sondern deckt nur noch rentable Marktsegmente ab. Oerlikon-Textile-Chef Carsten Voigtländer wird Ende März nach 15-jähriger Tätigkeit verabschiedet, «in gegenseitigem Respekt und Einverständnis», wie es hiess. Restrukturiert wird auch der Bereich Oerlikon Drive Systems.

Belastet ist auch die Finanzlage von OC Oerlikon. Das Eigenkapital schrumpfte um rund 42 Prozent auf 1,1 Milliarden Franken oder 20,4 Prozent der Bilanzsumme. Schuld daran waren vor allem Wertberichtigungen auf Goodwill-Positionen und Wechselkurseinflüsse. Die Nettoverschuldung stieg um knapp 30 Prozent auf 1,681 Milliarden Franken. Die Auflagen eines Konsortialkredits von 2,5 Milliarden Franken wurden jedoch eingehalten. 

Beschaffung von neuem Kapital
Zur Sicherung der finanziellen Stabilität will OC Oerlikon neues Kapital beschaffen. Laut Krüger sind viel versprechende Gespräche im Gang. Der Konsortialkredit soll neu ausgehandelt werden. Kapitalmarkttransaktionen werden nicht ausgeschlossen. Laut Krüger könnten einzelne Konzernteile verkauft werden. Krüger und Verwaltungsratspräsident Vladimir Kuznetsov von der Renova-Gruppe des Grossaktionärs Viktor Vekselberg zeigten sich überzeugt, dass OC Oerlikon die aktuellen Herausforderungen meistern kann.

Für 2008 wurden die bereits bekannten Eckdaten mit einem Konzernverlust von 422 Millionen Franken und einem Umsatzrückgang um 12,1 Prozent auf 4,750 Milliarden Franken bestätigt. Es gab einen Betriebsverlust von 37 Millionen Franken. Der Personalbestand sank um 1,7 Prozent auf 18.385 Beschäftigte.

An der Schweizer Börse fiel der OC-Oerlikon-Kurs im frühen Geschäft um bis zu 7,36 Prozent auf 37,50 Franken, schnellte anschliessend auf 41,30 Franken hoch und damit um 2,03 Prozent über den Vorabendwert. Später pendelte er sich etwa auf Vorabendniveau ein.

ap