Pfarrer Thurnheers letzte Bartlipredigt

Ein bisschen Wehmut kam auf an der traditionellen Bartlimesse am Donnerstagmorgen in der Dorfkapelle in Brunnen. Zum 19. und gleichzeitig zum letzten Mal gab Pfarrer Jürg Thurnheer dabei sein dichterisches Talent zum Besten.

Drucken
Teilen
Pfarrer Jürg Turnheer als heiliger Benedikt. Er wird auch nach der Pension in der Nacht ruhig sein - sagt er. (Bild: PD)

Pfarrer Jürg Turnheer als heiliger Benedikt. Er wird auch nach der Pension in der Nacht ruhig sein - sagt er. (Bild: PD)

Er geht im Sommer in Pension. Wie immer sorgte der Brunner Pfarrer mit seinen Reimen bei den Bartlileuten und den Fasnächtlern für zahlreiche Lacher. Als heiliger Benedikt verkleidet, gab er auf humorvolle Art und Weise aber auch Anstoss zum Nachdenken. Hier ein paar Müsterchen:

Für mich ist es zum letzten Mal, denn ihr wisst in meinem Fall, ich werd im Sommer pensioniert und lebe dann ganz ungeniert.

Im Ruhestand und weg vom Schuss, dankbar, wenn ich nicht mehr muss, doch diesen Tag werd ich vermissen, wer redet dann euch ins Gewissen?

(An die Verse zu der Geiselbefreiung in Libyen und anderen politischen Machenschaften in unserem Lande, hängte er an:)

Gott sei Dank gibt es auch Sachen, wo wir alle wieder lachen. Der Zollverwaltung grösster Scherz, das Bündnerfleisch von Rudolf Merz.

Zur Timpelbahn:

Viele sind zu Recht entsetzt, die Timpelbahn wird nicht ersetzt. Sie wird, ich finde das beschissen, einfach gänzlich abgerissen.

Es ist wie immer in der Welt, man sagt, es fehle halt das Geld. Andrerseits, das ist der Frust, wird renoviert die Alte Sust.

Hier hätte ich ja nichts dagegen, würde man die Bahn verlegen. Die Lösung wäre dazu simpel: als Station am Fuss zum Timpel.

Zur Toleranz:

Im «Blick» da stehen öfters Sachen, wärs nicht zum Heulen, wärs zum

Lachen. In Brunnen hats, so stands geschrieben, ein Paar beim Sex zu laut getrieben.

Es hat sich dabei nicht geniert, die Nachbarn haben reklamiert. Sie waren darob nicht erbaut, denn es sei beim Sex zu laut.

Mein Gott, sind diese Leute kleinlich, sich zu lieben, ist nicht peinlich. Sorge würde mehr bereiten, wenn sich die Leute lauthals streiten.

Im Mietvertrag wird künftig stehn: lieben darf man nur bis zehn. Egal wie oft, auf welche Weise du es tust, nur tu es leise.

Bald ist alles gleich verboten mit Gesetzen und Geboten. Keine Tiere und nicht rauchen, das WC nachts nicht mehr gebrauchen.

Ich verstehe das nicht ganz, wo ist denn da die Toleranz? Ich hoffe sehr trotz diesen Gründen, eine Wohnung noch zu finden.

Ich rauche zwar und hab ne Meise, doch beim Sex da bin ich leise. Ich werde zur Nacht, das kann ich

beschwören, in dieser Beziehung niemanden stören.

Zum Feuer im Dorf:

Alle hasten, alles rennt weil es in der Holzim brennt. Und dies bereits zum sechsten Mal, das ist doch sicher nicht normal.

Ich sage euch, wenns wieder brennt und wieder alles hastet, rennt, dann lasst sie alle hasten, rennen und lasst die Holzim endlich brennen.

Zum Fussball:

Vom Fussball ist auch hier die Rede, es besteht die alte Fehde zwischen Brunnen und Ingenbohl, man schiesst damit ein Eigengoal.

Ingenbohl, das weiss man jetzt, hat sich schliesslich durchgesetzt. Darf den Brunner Platz gebrauchen, die Spieler dort im Training schlauchen.

Dem FC Brunnen sei gesagt, wenn er sich darob beklagt: Der andre Club, das müsst ihr fühlen, der tut euch nix, der will nur spielen.

Die Schlussworte:

So ist jetzt die Pflicht erledigt, mit dieser letzten Fasnachtspredigt. Alles geht einmal zu Ende, und immer gibt es eine Wende.

Ein neuer Anfang, Neubeginn, ist manchmal Chance und Gewinn. Eines schlage ich euch vor, verpackt im Schrank nicht den Humor.

Denn wenn euch das Leben

schlaucht, wird er am dringendsten gebraucht. Und für den, der ehrlich glaubt, ist Lachen jederzeit erlaubt.

Das wünsch ich euch, das wünsch ich

mir, dem ganzen Dorf und allen hier. Ich segne euch in Gottes Namen, alles Gute, Glück und Amen.

Pfarrer Jürg Thurnheer, Daniela Bellandi