Polizisten besuchen Panzerabwehrkurs

Die Neue SZ berichtet in einer Serie über die soeben erschienene Schwyzer Kantonsgeschichte. Dort drin steht auch Skurriles und Bemerkenswertes.

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Eigentlich besteht sie aus lauter grossen und umfassenden Kapiteln, die «Geschichte des Kantons Schwyz». Beim genauen Durchlesen allerdings stösst man auf allerhand interessante Details, wovon hier einige geschildert werden sollen.

Die erste Schreibmaschine

Da wäre zunächst die Sache mit der Büroeinrichtung: Regierungsrat und Kantonsverwaltung erhielten erst 1893 ein erstes Telefon, 1896 eine erste Schreibmaschine und erst 1899 elektrisches Licht. Weil in der Verwaltung Sparsamkeit oberstes Gebot blieb, brauchte das Kantonspersonal auch noch 1947 private Schreibmaschinen.

Der Kanton Schwyz war 1939 durch sein Mittragen der Elektrifizierungskosten der Südostbahn (SOB) zum Miteigentümer dieser Privatbahn geworden. «Da der grösste Teil des damaligen Streckennetzes auf Schwyzer Boden lag, gab der Kanton Schwyz bei der Subventionierung von Investitionen den Takt an», schreibt der Historiker Paul Schneeberger in der Kantonsgeschichte. «Mit seiner Politik der knappen Kasse und weil Investitionen bis 1988 vom Volk abgesegnet werden mussten, zwang er die Bahn stets zu günstigen Lösungen. Ohne Schaden für Passagiere und Betrieb sanierte die SOB ihre Anlagen mit einem Aufwand, der nur halb so gross war wie derjenige der SBB, wie 1994 ein Vergleich zwischen Ausbauten in Schindellegi (SOB) und Zollikon (SBB) zeigte.»

In einem Kapitel über die innere und äussere Sicherheit berichtet die Kantonsgeschichte auch über die Fünfzigerjahre. «Der Regierungsrat zeigte sich besorgt über wachsende internationale Spannungen», steht da. «Unter dem Eindruck der Ereignisse in Ungarn 1956 absolvierte die Kantonspolizei einen Panzerabwehrkurs.» Dies in einer Zeit, als sich die Schwyzer Landjäger noch schwergewichtig mit Beizen-Überhöcklern, Opferstock-Mardern und Velofahrern ohne Licht auseinanderzusetzen hatten.

Mörder geköpft

Das Schwyzer Volk stimmte 1879 auf Bundes- und 1880 auf Kantonsebene für die Wiedereinführung der Todesstrafe, die von der Bundesverfassung 1874 verboten worden war. Eine darauf folgende Revision des kantonalen Kriminalstrafgesetzes beseitigte 1881 zwar die Körperstrafe, ermöglichte aber 1894 die Enthauptung des Dominik Abegg aus Rothenthurm wegen Mordes. Dazu schreibt der Historiker Meinrad Suter in der Kantonsgeschichte: «Es war die erste Todesstrafe seit 1839, die im Kanton Schwyz vollzogen wurde und gleichzeitig die letzte.» Zwei später zum Tode verurteilte Mörder wurden begnadigt.

Die Verfasser der Kantonsgeschichte beschreiben auch, wie die Schwyzer Naturlandschaft vor Jahrmillionen entstand, und wie das Schwyzerland für seine ersten Bewohner in der Steinzeit ausgesehen haben mag. Dazu hält der Geologe Peter Zwahlen fest: «Die steinzeitlichen Siedler würden unsere heutige Landschaft kaum wiedererkennen, weil die Vegetation tundrenartig karg, die Seebecken viel ausgedehnter und die Berge höher und stärker vereist waren.

Die Kantonsgeschichte schildert auch die ersten Spuren des Menschen im Kantonsgebiet: «Die Gegend des heutigen Kantons Schwyz wurde archäologisch gesichert seit der ausgehenden Altsteinzeit vor mehr als 12'000 Jahren von Menschengruppen durchstreift. Diese wildbeuterisch lebenden Jäger und Sammler haben allerdings nur spärliche Spuren hinterlassen.

Bert Schnüriger