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PORTRÄT: Eine grosse Liebe und eine Familie, die Hilfe braucht

Ein Mann steht zu einer Frau, sogar als er erfährt, dass sie ein schwerbehindertes Kind hat. Es ist der Beginn einer grossen Liebe und einer neuen Familie. Gemeinsam bewältigen sie die Betreuung des Kindes, die finanziellen Mehrbelastungen. Dann verliert Armin Küttel seinen Job. Die Familie gerät in Not.
Armin und Janett Küttel mit ihren Söhnen Dennis (9) und Lukas (6) beim Spazieren an der Reuss in Erstfeld. (Bild Roger Grütter)

Armin und Janett Küttel mit ihren Söhnen Dennis (9) und Lukas (6) beim Spazieren an der Reuss in Erstfeld. (Bild Roger Grütter)

Es ist der Tag des ersten Schnees in diesem Jahr. In Erstfeld pfeift ein eisiger Wind, doch die imposante Szenerie mit Reuss und Gebirge lässt erahnen, wie schön es hier sein kann. Was erwartet mich bei der Familie Küttel? Einer Familie, die ein schwerbehindertes Kind aufzieht?

Armin Küttel hält Lukas in den Armen. Der 6-jährige hat eine schwere cerebrale Behinderung, verursacht durch Sauerstoffmangel bei der Geburt. Sanft legt ihn Armin Küttel auf den Boden. Lukas kann sitzen, er kann sich mit Hilfe der Arme etwas vorwärtsbewegen. Er kann sich an einer Kommode hochziehen, doch die gekrümmten Beine tragen ihn nicht für lange. Er sinkt zu Boden. Gehen wird er sein Leben lang nie können. Und geistig wird er ein Kind bleiben. In der Sonderschule, die er besucht, arbeitet man derzeit daran, dass er auf seinen Namen reagiert. Armin Küttel liebt seinen Sohn, der nicht sein leiblicher ist.

Ein Schock?

Vor rund vier Jahren lernt der damals 48-jährige seine Janett im Internet kennen. Sie lebt in Berlin, mit ihren zwei Söhnen Dennis und Lukas. Das Interesse wird immer grösser, via Skype kommt es auch zu ersten persönlichen Kontakten. Beide spüren, dass sich da was Ernstes anbahnt. Armin Küttel weiss, dass Janett zwei Kinder hat. Dann reist er nach Berlin. Und sieht die beiden Kinder zum ersten Mal. Sieht auch, dass Lukas schwer behindert ist.

«Ein Schock? Überhaupt nicht!», sagt Armin Küttel rückblickend. «Es war kein Thema, dass dies zwischen uns stehen könnte.» Nicht zuletzt, weil er selber mit einem jüngeren Bruder aufwuchs, der durch das Down-Syndrom behindert ist. Er findet den Draht zu den beiden Kindern sofort. Und umgekehrt, wie Janett Küttel erzählt: «Beide waren hin und weg von ihm.» Eine neue Familie entsteht, die beiden heiraten, die Frage nach dem gemeinsamen Wohnort beantwortet sich aus beruflichen Gründen. Armin Küttel hat seinen Beruf hier in der Schweiz, Janett als ausgebildete Pflegerin überall gute Jobchancen.

Zwischen Stuhl und Bank

Denn arbeiten müssen sie beide. Das Geld ist von Anfang an knapp, die aufwendige Betreuung von Lukas kostet, genauso wie spezielle Einrichtungen, etwa ein höhenverstellbares Bett. Die Schweizer Krankenkasse stellt sich auf den Standpunkt, Deutschland sei zuständig. Die Deutsche Pflegeversicherung will jedoch nicht zahlen und verlangte auch alle Hilfsmittel zurück. Lukas bräuchte nun einen Rollstuhl, doch den kann sich die Familie nicht leisten. Vor allem auch, weil Armin Küttel als Logistiker wegen starker Rückenprobleme dieses Jahr seine Anstellung verloren hat. Er sucht einen neuen Job, wo er weniger schwer tragen muss.

Auch Janett kann noch nicht arbeiten, weil sie trotz jahrzehntelanger Berufserfahrung ein Schweizer Pflegerinnendiplom braucht. Ihre Zusatzausbildung, zu der die LZ-Weihnachtsaktion einen Beitrag leistet, ist im Januar abgeschlossen. Bereits hat sie zwei Jobangebote. So wirkungsvoll können wir dank Spenden unserer Leserinnen und Leser helfen.

Gedanken an die Zukunft

Nicht, dass das Leben der Familie Küttel nun einfach wird. Lukas braucht weiter umfassende Betreuung. «Manchmal machen wir uns Gedanken, was sein wird, wenn es uns beide mal nicht mehr gibt», sagt Janett Küttel. Doch dann schmunzelt sie, weil Lukas’ Bruder, der neunjährige Dennis, sich einschaltet: «Wenn ich gross bin, kümmere ich mich um Lukas. Ich kaufe eine grosse Wohnung und ein grosses Auto, wir leben zusammen, und es geht uns gut.»

Janett Küttel ist froh, in der Schweiz zu leben. «In Deutschland ist das Verständnis für Behinderte viel kleiner. Oft musste ich hören, warum ich der Gesellschaft ein solches Kind zumute. In der Schweiz habe ich nur positive Erfahrungen gemacht. Die Kinder in Erstfeld kennen Lukas, viele haben ihn ins Herz geschlossen, auch die Erwachsenen kommen ohne Scheu auf uns zu.»

Und Lukas gibt viel zurück, ist meistens fröhlich, weint selten, und aus seinen lebhaften Gesichtszügen kann man viel ablesen. «Er merkt schon, dass er manches nicht kann, was andere Kinder können», sagt Janett Küttel. «Sieht er etwa seinen Bruder laufen, möchte er das auch, zieht sich hoch, und realisiert dann, dass es nicht geht. Aber er scheint nicht frustriert zu sein.»

Weder Janett noch Armin Küttel bereuen etwas: sie nicht, dass sie damals Ja sagte zum behinderten Sohn. Er nicht, dass er Ja sagte zu einer ganzen Familie.

Arno Renggli

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