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PORTRÄT: In seiner «Holzschachtel» lebt der Jazz

Zuerst spielte Lukas Traxel Blockflöte, später Trompete. Dann wollte er von Musik nichts mehr wissen – bis ihn ein Freund zum Bass überredete. Das passte.
Roger Rüegger
Jazzmusiker Lukas Traxel posiert mit seinem Kontrabass im Löwengraben in Luzern. (Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ)

Jazzmusiker Lukas Traxel posiert mit seinem Kontrabass im Löwengraben in Luzern. (Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ)

Lukas Traxel hat mit 21 Jahren das erreicht, wovon viele Musiker ein Leben lang träumen: Der Altdorfer kann von der Jazzmusik leben. Für Schweizer Verhältnisse ist das eine kleine Sensation. Dessen ist er sich bewusst. Wer sich mit ihm unterhält, spürt die Lebensfreude des jungen Mannes, der im Mai den Master Performance Jazz an der Hochschule Luzern gemacht hat, denn sein Lachen ist ansteckend.

Dies zeigte sich bei den Fotoaufnahmen. Mit seinem Kontrabass, einigen Takten Jazz und seiner fröhlichen Art entlockte er beim Fotoshooting am letzten Donnerstag praktisch jedem Fussgänger in der Altstadt ein Lächeln oder liess sich auf ein kurzes Gespräch mit einer Spaziergängerin ein. «Ich geniesse den Moment, es ist herrlich, zu wissen, dass man von dem, was man gerne tut, Geld verdienen kann», sagt Traxel, der tags zuvor von einem siebenwöchigen Aufenthalt aus New York heimgekehrt ist.

Üben wie ein Angefressener

Natürlich gibt es zahlreiche Berufsmusiker in der Schweiz. Aber dass ein junger Jazzer bereits nach wenigen Monaten im Studium regelmässig Anfragen für Auftritte im ganzen Land erhält, ist nicht selbstverständlich. Zwar sind Bassisten gesuchte Musiker, aber ein Selbstläufer war es für Traxel nicht, wie er sagt: «Zu Beginn war es schwer für mich. Aber ich übte und übte wie ein Angefressener. Einfach weil ich etwas erreichen wollte.» Inzwischen spielt er 100 bis 120 Konzerte jährlich.

Dabei hatte der Primarschüler Lukas nach rund fünf Jahren Musikunterricht die Nase voll. «Ich spielte in der zweiten und der dritten Klasse Blockflöte, danach wählte ich Trompete. Aber ich hatte nie richtig Spass und wollte mit der Musik allgemein aufhören.» Zu Traxels Glück hatte ihn ein guter Freund hartnäckig überredet, E-Bass zu spielen. Dieser hatte eine Band – aber keinen Bassisten. «So lernte ich E-Bass zu spielen. Zuerst wollte ich mir das Spiel selber beibringen, doch meine Eltern stellten die Bedingung, dass ich die Musikschule besuchte. Das war ein guter Entscheid, denn mein Musiklehrer konnte mich begeistern. Er hatte selber in Luzern abgeschlossen.»

Der erste Kontakt zum Jazz

Traxel machte schnell Fortschritte, und nach einem Jahr meldete ihn sein Musiklehrer bei der Bigband der Musikschule Uri an. Dort hatte der junge Schüler zum ersten Mal Kontakt zur Jazzmusik. «Sie spielten Musik von Weather Report, Mel Lewis und ähnlichen Künstlern. Ich begann auch zu Hause Jazz zu hören und spielte bald in einer weiteren Formation. Jazz hat meinen Horizont erweitert. Dieses Unbekannte und Neue hat in mir die Neugier und den Ehrgeiz geweckt, es zu entdecken», sagt er. Diese Musik begeisterte ihn mehr und mehr, und bald musste er unbedingt selber Kontrabass spielen. Das Problem: In Uri gab es keinen Lehrer, der ihm dies beibringen konnte.

So schmiss er das Gymnasium hin und machte die Aufnahmeprüfung für den Vorkurs an der Hochschule Luzern – Musik. Während des Vorkurses suchte er sich einen Lehrer, bei dem er Kontrabassunterricht nehmen konnte. «Es faszinierte mich damals schon, welche Töne man einer ‹Holzschachtel› entlocken kann», sagt er.

Die Prüfung bestand er, jedoch liess man ihn nicht zur angestrebten Vollzeitklasse zu, sondern bot ihm den zwei Jahre dauernden Teilzeitkurs an. «Dieses Angebot nahm ich zähneknirschend an, dadurch wurde mein Ehrgeiz aber nur noch mehr angestachelt.» Der fleissige Traxel setzte sich auch diesmal durch und meldete sich nach einem Jahr zur Prüfung an. Diese legte er sowohl mit dem E-Bass wie auch mit dem Kontrabass ab. Man liess ihm die Entscheidung zwischen E-Bass und Kontrabass, wobei er sich für letzteren entschied.

Spitzname Junior

Lukas Traxel fand in Luzern schnell sein Umfeld. Weil er so jung war, verpasste man ihm den Spitznamen Junior, was sich über Jahre hielt. Noch heute sprechen ihn einige Leute so an. Dadurch redeten die Leute auch von ihm, was in seiner Branche sehr von Vorteil ist. Und weil Bassisten rar sind, kam Lukas Traxler häufig zum Spielen. «Ich war mit vielen Formationen unterwegs und erhielt Gagen für die Auftritte. Und auch die Hochschule zeigte ihr Wohlwollen. Ich erhielt ein Stipendium der Friedl-Wald-Stiftung für Weiterbildung und konnte nach Südafrika zu Workshops reisen», erzählt Traxler.

Kontakte zu mehreren Kontinenten

Solche Treffen mit Musikern aus aller Welt seien enorm wichtig, um ein Kontaktnetz aufzubauen. Durch diese Reise lerne er Musiker aus New York kennen, die er alsbald besuchte. «Ich, mein Bass und mein Zimmer in der Hochburg des Jazz, das war eine tolle Erfahrung», sagt er. Erst letzte Woche ist Traxel aus den USA heimgekehrt. Hier wird er als aktiver Musiker weitermachen. «Die nächsten zwei Monate sind total ausgefüllt, und dann hab ich bis Ende Jahr genug zu tun, um mir finanziell keine Sorgen machen zu müssen. Aber ein bisschen Platz gibts da noch, vor allem Ende November», sagt Traxel, der in den meisten Fällen als «Sideman» in verschiedenen Bands unterwegs ist.

Sein Ziel ist, wieder nach New York zu ziehen, um auch dort Fuss zu fassen. «Dieses Projekt wird in ein bis zwei Jahren aktuell. Bis dahin geniesse ich jede Minute. Musiker sein zu dürfen, ist, wie in einer Parallelwelt zu leben. Weit weg vom Bünzlitum, ich liebe es.»

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