PREISVERGLEICH: Das Skifahren wird familienfreundlich

Zentralschweizer Bergbahnen versuchen mit neuen Angeboten, Schweizer Familien auf die heimischen Pisten zu holen. Diese Investitionen haben allerdings ihren Preis.

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Die Zentralschweizer Skigebiete sind gerüstet für die Saison. Im Bild Skifahrer im Gebiet Nätschen/Gütsch bei Andermatt. (Bild: Keystone/Martin Rütschi)

Die Zentralschweizer Skigebiete sind gerüstet für die Saison. Im Bild Skifahrer im Gebiet Nätschen/Gütsch bei Andermatt. (Bild: Keystone/Martin Rütschi)

Vasilije Mustur

Die Österreicher haben es vorgemacht: Mit günstigen Kombi-Angeboten für Familien, mit Stundenkarten sowie ausgebauten Funparks für Kinder abseits der Skipisten konnte unser östlicher Nachbar in den letzten Jahren punkten und Tausende von Schweizer Familien über die Weihnachtsfeiertage auf seine Pisten locken. Kein Wunder also, dass allein der Wintersportort Serfaus-Fiss-Ladis in der Wintersaison 2013/14 insgesamt 214 928 Übernachtungen aus der Schweiz registrierte 14,5 Prozent der Gesamtlogierenden während dieser Periode.

Diesen Trend haben Zentralschweizer Bergbahnen registriert und wollen deshalb auf diese Skisaison hin Schweizer Mittelstandsfamilien stärker in den Fokus rücken: So bieten beispielsweise die Bergbahnen Brunni-Alpthal nachmittags 2-Stunden-Karten für Kinder zum Preis von 18 Franken an. Darüber hinaus führen die Schwyzer Mehrfahrtenkarten, welche 365 Tage Gültigkeit haben und «somit nach Bedarf auch nur für 30 oder 60 Minuten pro Tag genutzt werden können», sagt Raphael Auf der Maur vom Skilift Brunni. Ausserdem könnten Eltern mit ihren zwei Kindern auf dem Brunni-Lift einen ganzen Tag für 68 Franken am Berg verbringen.

Neben Brunni-Alpthal baut auch der Stoos sein Familienangebot aus: Demnach sind dort für Eltern mit ihren Kindern bis und mit 15 Jahren Familientageskarten für 126 Franken erhältlich. Zudem können Kunden des Skigebiets Sattel-Hochstuckli zwischen 11 Uhr vormittags bis 14 Uhr nachmittags auf «gestufte» Tageskarten zurückgreifen. Andermatt-Sedrun geht denselben Weg und offeriert solche Tageskarten zwischen 11 und 15 Uhr.

Marbachegg mit Vorreiterrolle

Eine Vorreiterrolle in Sachen Stundenkarten hat jedoch die Marbachegg eingenommen: Erwachsene können bei den Luzerner Bergbahnen seit vier Jahren mit ihren Kindern zwei Stunden lang Spuren in den Schnee legen. Kostenpunkt: 11 Franken für den Nachwuchs, 25 Franken für einen Elternteil. Den Ausbau des Familien- und Kinderangebots liess sich Brunni-Alpthal indes laut eigenen Angaben in den vergangenen Jahren über 100 000 Franken kosten. «Dazu zählt der Bau eines Schneetöff-Parks für Kinder, der Bau eines Winterspielplatzes, die Investitionen in Picknick-Plätze, der Bau eines Zauberteppichs und auf diese Saison hin eine neue Erlebnispiste für Familien mit Kindern», sagt Raphael Auf der Maur.

Kinderwelt hoch im Kurs

Gemeinsam mit Brunni-Alpthal hat aber auch Hoch-Ybrig einiges für seine jüngsten Gästen getan: «Im Skigebiet haben wir ein Förderband und einen Kinderskilift mit betreutem Kindergarten», sagt Yvonne Ziegler-Keller vom Hoch-Ybrig. Überdies gebe es in Oberiberg ein grosses Kinderland für die «ganz kleinen Gäste», welches von der Schweizer Ski- und Snowboardschule Ybrig betreut werde. Sattel-Hochstuckli gab Finanzmittel für die «Rondos-Kinderwelt» aus. Dessen Herzstück ist ein Förderband-Tunnel mit einem 120 Meter langen Zauberteppich. Hinzu kommt ein neues Kinderland.

«Heute startet in Engelberg die Wintersaison mit einer «Weltneuheit», wie Peter Reinle, Leiter Marketing der Titlis-Bergbahnen, sagt (siehe Regionalteil in dieser Ausgabe). Vom Stand auf den Titlis auf 3200 Metern über Meer gehts ab sofort mit zwei neuen Rotair-Gondeln. Rund 3 Millionen Franken hat das ganze Projekt gekostet. Die neue Kabine dreht sich als Ganzes – «an die Kabinenwand angelehnte Ski werden nicht mehr umfallen», sagt Reinle. Bei den Vorgängergondeln drehte sich nur die Bodenplattform.

Millioneninvestitionen in der Region

Unter dem Strich zeigt die Umfrage unserer Zeitung, dass Zentralschweizer Bergbahnen Millionen in ihre Infrastruktur gesteckt haben. Sattel-Hoch­stuckli beispielsweise gab diesen Sommer für eine weitere Etappe der Beschneiung Engelstock 2,3 Millionen Franken aus. Das Skigebiet Hoch-Ybrig investierte in die neue 4er-Sesselbahn Laucheren­stöckli rund 6,5 Millionen Franken. Sie soll den in die Jahre gekommenen Skilift gleichen Namens ablösen. Denn: «Der Skilift Laucheren­stöckli war für Familien oft ein Hindernis. Zudem haben viele Stammgäste den Wunsch geäussert, dass der Skilift durch eine Sesselbahn ersetzt wird. Den Komfort konnten wir damit stark erhöhen», erklärt Ziegler-Keller vom Hoch-Ybrig.

Neu wird auch wieder eine Bahn auf die Rotenfluh in der Mythenregion führen. Diese Bahn befindet sich im Endausbau. In die Bahn hat die Rotenfluebahn Mythenregion AG rund 16 Millionen Franken investiert. Dies nachdem die alte Bahn auf die Rotenfluh ob Rickenbach SZ während mittlerweile zehn Jahren stillstand. Weitere rund acht Millionen Franken gehen in den Bau von Parkplätzen und eines Bergrestaurants. Gesamthaft werden so über 23 Millionen Franken in das Bahnprojekt investiert. Die Eröffnung der neuen Bahn soll am 12. Dezember erfolgen.

Preise werden erhöht

Diese Ausgaben haben allerdings ihren Preis in Form von Preiserhöhungen für die Kundschaft. Hoch-Ybrig erhöhte die Tarife für Tageskarten um 2 Franken. Sattel-Hochstuckli hob die Bahnpreise um durchschnittlich 1 Franken an (siehe Tabelle). Hoch-Ybrig und Sattel-Hochstuckli stehen mit den Preisanpassungen aber nicht alleine da: Vielmehr erhöhte der Stoos seine Preise, ohne auf diese Saison hin Investitionen getätigt zu haben. «Ausser im Kinderland haben wir in den letzten Jahren in keine zusätzlichen Anlagen investiert, sondern alte Anlagen ersetzt oder aufgewertet. Oftmals ist das unumgänglich, da die Konzessionen von alten Bahnen teilweise nicht verlängert werden und sie durch neue ersetzt werden müssen, welche den heutigen Sicherheitsstandards gerecht werden», sagt der Stoos-Marketing-Leiter Ivan Steiner.

Die Ticketpreise der Zentralschweizer Bergbahnen (Bild: red)

Die Ticketpreise der Zentralschweizer Bergbahnen (Bild: red)