Primarschüler werden zu Reportern

28 Klassen haben für die Neue Zeitung Zeitung und ihre Regionalausgaben in die Tasten gehauen – und Schwierig­keiten zum Trotz packende Artikel abgeliefert.

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Klasse 5a aus Dagmersellen von Lehrerin Jennifer Banz. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Klasse 5a aus Dagmersellen von Lehrerin Jennifer Banz. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

«Jetzt können wir den Leuten endlich einmal zeigen, wozu wir in die Schule gehen», sagt die 10-jährige Patricia Hager aus Zug. Gemeinsam mit ihren Klassengspänli hat sie in den letzten Wochen Spielplätze auf ihre Sicherheit überprüft, Spielplatzexperten befragt, nach geeigneten Bildsujets gesucht und das alles in einem druckreifen Zeitungsartikel zusammengefasst.

Projekt dieser Zeitung

Das Projekt «Zeitung in der Primarschule» (ZIP) der «Neuen Luzerner Zeitung» und ihren Regionalausgaben wird dieses Jahr bereits zum sechsten Mal durchgeführt. Das Ziel: bei den Primarschülern in der Zentralschweiz das Interesse für Lesen und Schreiben, aber auch für das Medium Zeitung wecken. 75 Klassen und über 1300 Schüler haben während mehrerer Wochen täglich Zeitung gelesen, verschiedene Textformen untersucht, News diskutiert und selber Texte verfasst. Lehrer berichten vom «Zeitungsfieber», das ausgebrochen ist. Dass Zeitungstexte zu Diskussionen über das Weltgeschehen führen und selbst leseschwache Schüler in der Zeitung schmökern – und sei es nur für die Sportresultate und den Comic Rabenau. Fast 30 Klassen haben sich sogar selber als Journalisten betätigt. Ihre Texte sind auf den folgenden Seiten abgedruckt. Zur Vorbereitung erhielten die Klassen Besuch von einem Journalisten unserer Zeitung. Ein paar Tricks und Kniffs für ein kritisches Interview oder einen stimmungsvollen Reportageneinstieg können nicht schaden. Natürlich wurden auch die Journalisten selbst gleich mit Fragen gelöchert: «Wie viel verdienen Sie?» «Sind Sie schon einmal in eine gefährliche Situation gekommen?» «Haben Sie schon eine Berühmtheit interviewt?» Das wollten die Schüler wissen. Eine Redaktionskollegin hat dermassen überzeugt, dass sie am Ende der Stunde Autogramme verteilen durfte.

Keine klassischen Aufsätze

Unsere Erwartungen an die Schüler und damit auch an die Lehrer waren hoch. Wir wollten keine klassischen Aufsätze, keine «dann warteten wir auf das Postauto»-Geschichten, sondern journalistische Artikel. Faktentexte, kritische Interviews, Hintergrundberichte.

Schüler und Lehrer haben diese Aufgabe mehr als erfüllt. Mit sehr viel Engagement haben sie sich in die Arbeit gestürzt. Der eine oder andere ist wohl erst einmal erschrocken ob der Arbeit, die hinter einem einzigen Text steckt. Doch der Aufwand hat sich gelohnt.

Dank einer wissen die Leser nun, dass über 1000 wilde Katzen im Kanton Luzern «herumlungern». Vielleicht lässt sich dank dieser Information die eine oder andere Aussetzung verhindern.

Eine Klasse aus Kastanienbaum (Horw) hat im Kantonsspital Luzern nachgefragt, was bei einem Stromausfall passieren würde. Wir können uns weiterhin beruhigt dort behandeln lassen.

Eine fragt einen Piloten keck, was mit einem Flugzeug passiert, wenn man den falschen Knopf drückt. Die Frage ist, das merkt man als Erwachsener spätestens bei der Antwort, alles andere als kindisch.

«Zeitungsvirus hat sie gepackt»

Vielleicht haben wir mit dem Projekt ZIP sogar den einen oder anderen Nachwuchsjournalisten gefunden. Viele haben zwar noch ganz andere Berufswünsche: Menzimuck-Fahrer, Erfinder und Landtierärztin wollen die Schüler werden. Doch zumindest bei der 5. Klasse in Lungern ist der Journalisten-reflex aber bereits gut verankert. Die Lehrerin schreibt uns: «Heute gab es einen Auffahrunfall vor dem Schulhaus, da wollten die Kinder gleich wieder einen Bericht schreiben und bei der Zeitung einreichen. Ich glaube, das Zeitungsvirus hat sie definitiv gepackt.»

Barbara Inglin