PROJEKT: Auengestaltung: Jetzt liegen die Zahlen endlich auf dem Tisch

Die Auenregeneration in der Reussegg nimmt Gestalt an. Der Regierungsrat hat das Geschäft verabschiedet. Noch in diesem Jahr sollen die Pläne öffentlich aufgelegt werden. Doch bis alles erledigt ist, wird es bis ins nächste Jahrzehnt dauern.
Die Reussegg soll als Auenlandschaft renaturiert werden. (Bild: Heinz Abegglen (Sins, 18. Januar 2018))

Die Reussegg soll als Auenlandschaft renaturiert werden. (Bild: Heinz Abegglen (Sins, 18. Januar 2018))

Die Gesamtkosten für die Auengestaltung im Reussegger Schachen betragen 10,3 Millionen Franken. Sie setzen sich aus drei Teilprojekten zusammen: der ersten Etappe der Auengestaltung (3,8 Millionen), dem neuen Grundwasserpumpwerk für die Wasserversorgungsgenossenschaft (WVG) Auw (4,1 Millionen) sowie der Sanierung eines belasteten Standortes (2,4 Millionen). Am 20. Dezember 2017 hat der Aargauer Regierungsrat eine Botschaft zuhanden des Grossen Rates verabschiedet.

Der Hauptanteil der Kosten steht somit im Zusammenhang mit der neuen Grundwasserfassung ausserhalb des Auenperimeters, der rund 20 Hektaren umfasst. Ohne die Verlegung der beiden bestehenden Pumpwerke der WVG Auw liesse sich das Projekt nicht realisieren.

Es sind noch Sanierungen notwendig

Im Bereich der neuen Fassung liegt ein belasteter Standort mit einer Fläche von rund 140 Aren. Obwohl als verhältnismässig harmlos eingestuft, soll er saniert werden, um eine Gefährdung des Trinkwassers gänzlich auszuschliessen. Gegen die Verlegung der Fassungen hatte sich die WVG erfolglos bis vor Bundesgericht gewehrt. Hingegen wurden ihr im Gegenzug gestaffelte Übergangsfristen eingeräumt: Nach Inbetriebnahme des neuen Pumpwerks bleibt die Betriebsbereitschaft der nördlich gelegenen Fassung für zwei Jahre, jene der südlich gelegenen weitere zehn Jahre bestehen. Dieses Zugeständnis erklärt denn auch die Umsetzung der Auenrenaturierung in zwei Etappen.

Die Regierung betont in ihrer Botschaft die Eignung des ­Gebiets für die vorgesehene Renaturierung. «Beim Reussegger Schachen in der Gemeinde Sins handelt es sich um ein Auenpotenzialgebiet par excellence, nicht nur bezogen auf den Aargau, sondern auf das gesamte Mittelland», heisst es. Weil der Perimeter heute keine besonderen Naturwerte aufweise, sei der Nutzen für Natur und Landschaft umso höher einzustufen und das Einwanderungspotenzial für seltene Arten weitaus grösser als andernorts. Flächen- und kostenmässig steht bei der Renaturierung das Anlegen von Seitenarmen im Zentrum. Nebst dem hohen Eigenwert vernetzt das Auengebiet die bestehenden Naturschutzzonen Schorenschachen in Mühlau und den Schachen in Oberrüti, beides Flachmoore von nationaler Bedeutung. Eine extensive landwirtschaftliche Nutzung in Form von Streuwiesen oder Beweidung durch robuste Nutztierrassen ist auf dem grössten Teil des Areals weiterhin vorgesehen. Sie soll sicherstellen, dass der Schachen nicht flächig verbuscht und verwaldet.

Der Bund zahlt mehr als die Hälfte der Kosten

Die Ebene diente bereits bis anhin als natürlicher Rückhalteraum der Reuss. Sie wurde bei grösseren Hochwasserereignissen regelmässig geflutet. Ein Schutzdamm auf Aargauer Seite ist dank den topografischen Gegebenheiten auch nach der Renaturierung nicht erforderlich. Die Aue Reussegg ist Bestandteil des Ausleit- und Rückhaltekonzepts von der Kantonsgrenze Luzern/Aargau bis zum Kraftwerk Bremgarten-Zufikon. Dies zusammen mit den vorgesehenen prioritären Rückhalteräumen entlang der Reuss in den Gemeinden Dietwil und Oberrüti. An die Gesamtkosten von 10,3 Millionen Franken leistet der Bund einen Anteil von 5,3 Millionen, obwohl es sich nicht um ein Auenprojekt von nationaler Bedeutung handelt. Als Grund dafür nennt die Regierung die Grösse und Qualität des Renaturierungsobjekts. Einen namhaften Beitrag von 1,9 Millionen steuert der «Naturemade-Star»-Fonds der Elektrizitätswerke der Stadt Zürich (EWZ) bei. Pro Natura beteiligt sich mit 800 000 Franken, sodass auf den Kanton Aargau die erwähnten 2,3 Millionen entfallen. Die öffentliche Auflage der Bauprojekte ist im zweiten Quartal 2018 vorgesehen, der Baubeginn im Jahr 2019. Aufgrund der Zusicherungen an die WVG Auw zum Betrieb der Pumpwerke kann die Auengestaltung nicht vor 2021 abgeschlossen werden.

Die Umsetzung der zweiten, kleineren Etappe des Projekts liegt zu weit in der Zukunft. Sie ist deshalb nicht Gegenstand der aktuellen Botschaft und wurde auch noch nicht projektiert.

Heinz Abegglen

redaktion@zugerzeitung.ch

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