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PROJEKT: Jetzt schreiben für einmal Schüler die Schlagzeilen

800 Schüler aus der Zentralschweiz machen beim Projekt «Zeitung in der Primarschule» mit. Unsere Reporterin hat einer 5. Klasse aus Horw ein paar Tricks verraten.
Journalistin Flurina Valsecchi erklärt 5.-Klässlern im Schulhaus Hofmatt in Horw, wie Zeitung gemacht wird. (Bild Dominik Wunderli)

Journalistin Flurina Valsecchi erklärt 5.-Klässlern im Schulhaus Hofmatt in Horw, wie Zeitung gemacht wird. (Bild Dominik Wunderli)

Irgendwie ist es verkehrte Welt. Ich stehe vor den Schülern und werde mit Fragen gelöchert. Eigentlich bin ich die, die normalerweise die Fragen stellt, denke ich.

Wie echte Profis starten die Kinder erst mal mit den einfachen Fragen: Wie lange sind Sie schon Reporterin? 15 Jahre. Sind Sie oft unterwegs? So oft es geht, aber leider sitze ich viel zu oft im Büro. Waren Sie schon einmal Fernseh-Reporterin? Leider nein, ist aber ein grosser Traum von mir. Wer weiss, vielleicht klappts einmal. Ihr habt ja sicher auch noch viele Träume. Alle nicken.

Die Fünftklässler aus dem Schulhaus Hofmatt in Horw gehören zu einer von rund 40 Klassen, die am Projekt «Zeitung in der Primarschule», kurz ZIP, mitmachen. Im Rahmen von ZIP besuchen Journalisten der «Neuen Luzerner Zeitung» und ihrer Regionalausgaben zurzeit etwa 800 Schüler in der ganzen Zentralschweiz. So erhalten die Schüler einen Einblick in den Alltag der Journalisten. Viele Buben und Mädchen schreiben anschliessend selber einen Artikel, der dann in einer Sonderausgabe in unserer Zeitung erscheinen wird (siehe Box).

«Wie viele Schlagzeilen?»

Ich atme kurz durch, denn jetzt wirds in der Horwer Klasse anspruchsvoller: Wie viele Schlagzeilen haben Sie bereits geschrieben? Erwartungsvoll warten die Mädchen und Buben auf eine Zahl. Ich zähle meine Artikel nicht. Es kommt nicht drauf an, wie viele Artikel man schreibt, sondern wie gut und wie spannend der Inhalt ist. Schon streckt das nächste Kind auf: Müssen Sie bei Ihrer Arbeit eine bestimmte Kleidung tragen? Nein, ich passe mich jenen Leuten an, die ich treffe. Beim Interview mit dem Regierungsrat trage ich Bluse und Jackett, bei der Reportage auf der Alp Jeans und gute Bergschuhe.

Kennen Sie auch Prominente? Ja, einige. Mit dieser Antwort geben sich die Kinder nicht zufrieden, haken hartnäckig nach: Kennen Sie Guido Graf – meinen Grossonkel? Klar kenne ich Regierungsrat Graf. Aber es kommt nicht nur drauf an, ob man prominent ist oder nicht, sondern ob der betreffende Mensch auch spannend ist. Beim Senn auf der Alp, um bei meiner Reportage vom Sommer zu bleiben, wars spannender als bei manchem Prominenten-Treffen.

Schüler finden passende Titel

Ich unterbreche die Schüler, sie sollen selber zeigen, wie viel Journalisten-Blut in ihnen steckt. Ich habe einen Artikel aus unserer Zeitung mitgebracht. Er handelt über Igel, die wegen der warmen Temperaturen aus dem Winterschlaf erwachen. Die Kinder bekommen eine Kopie, wo ich allerdings den Titel weggeschnitten habe. Aufgabe: Schreibt selber eine Schlagzeile. Ich verrate ihnen ein paar Tricks, wie man einen guten Titel schreibt. Das Wichtigste: Versucht einen Titel mit einem Verb zu schreiben. Dann machen sich die Schüler eifrig ans Werk. Schon bald sind erste Resultate zu lesen: «Warmer Winter wird problematisch», «Nur gesunde Igel füttern!» oder «Igelschützer haben viel zu tun». Ich bin beeindruckt und möchte gleich die ganze Klasse auf unsere Redaktion mitnehmen, tun wir uns doch manchmal schwer mit dem Finden eines treffenden Titels.

«Bitte mehr ausländische Klubs»

Zum Glück darf dann auch ich einmal etwas fragen: Was möchtet ihr denn in unserer Zeitung lesen? Und wieder: Fast alle Arme werden gestreckt. Schnell wird klar, diese Klasse scheint sehr sportinteressiert zu sein. Fussball ist super, aber immer nur der FCL? Schreiben Sie mehr über ausländische Klubs! Warum gibt es nicht mehr Artikel über Snowboarden, Handball und Unihockey? Und Tennis? Zwei Buben betteln: Kim Nilsson auf der Frontseite! Bitte! Ich werde verlegen. Welcher Sportler mag sich wohl hinter diesem Namen verstecken? Ich verspreche, mit unserem Sport-Chef zu reden.

Kleine Schlussbemerkung: Kim Nilsson ist einer der besten und bekanntesten Unihockeyspieler. Im Jahr 2014 wurde er mit der schwedischen Nationalmannschaft Weltmeister, zurzeit ist er beim Grasshopper Club Zürich unter Vertrag. Sollte ich Nilsson jemals interviewen, weiss ich, dass ich im Hofmatt-Schulhaus Unterstützung anfordern kann.

Flurina Valsecchi

Die besten Artikel in der Zeitung

Das Projekt «Zeitung in der Schule» (ZIP) der «Neuen Luzerner Zeitung» und ihrer Regionalausgaben soll bei den Schülern in der Zentralschweiz die Freude am Umgang mit Medien, dem regionalen Geschehen und der Sprache wecken. Ende April wird eine Sonderbeilage mit Texten von Schülern erscheinen. Eine Auswahl der besten Artikel wird zudem ab Ende März auf Sonderseiten in den tagesaktuellen Ausgaben unserer Zeitung publiziert.

Weitere Informationen: www.luzernerzeitung.ch/zip

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