REGION: 1000 Tonnen Güsel – allein auf dem Titlis

Millionen Touristen strömen jährlich auf die Zentralschweizer Berge – und hinterlassen tonnenweise Abfall. Nicht alles landet in den Güselkübeln. Mit einer Kampagne macht der Schweizer Alpenclub auf die Vermüllung der Berge aufmerksam.

Christian Hodel
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Bild: Grafik: LZ

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Christian Hodel

christian.hodel@luzernerzeitung.ch

Gut ein Kilogramm Abfall sind es auf dem Titlis, die ein Besucher im Durchschnitt hinterlässt. Rund 1000 Tonnen pro Jahr entsorgen die Mitarbeiter der Titlisbahnen. Bei den Pilatus-Betrieben kommen jedes Jahr rund 40 Tonnen Abfall zusammen. Werden unsere Berge je länger, je mehr zu Müllsammelstellen?

«Die Abfallbewirtschaftung ist ein grosses Thema», sagt Peter Reinle, Leiter Marketing der Bergbahnen Engelberg-Trübsee-Titlis AG. Um den Güselbergen Einhalt zu gebieten, setze man auf verschiedene Massnahmen. «Seit gut einem Jahr haben wir ein neues Abfallkonzept.» Mehr Güselkübel und vor allem auffälligere und im Design einheitliche habe man bei den Stationen und entlang der Wanderwege aufgestellt. Bei den Touristen sollen diese einen Wiedererkennungseffekt auslösen und dazu beitragen, dass sie ihre Abfälle nicht in der Natur liegen lassen. Hinweistafeln mit einer abgebildeten Kuh und der Überschrift «Ich esse lieber Gras statt Müll» sollen die Touristen sensibilisieren.

Wanderer sollen Abfall einsammeln

Die Vermüllung der Berge ist im gesamten Alpenraum ein Thema. «Wir müssen am Ball bleiben», sagt Anne Roches, Fachleiterin Natursport – Naturschutz beim Schweizer Alpen-Club (SAC). Auch wenn aktuell wenig herumliegender Abfall in den Schweizer Alpen zu finden sei, sei es wichtig, die Berggänger zu sensibilisieren. Damit die Berge sauber bleiben, hat der SAC zusammen mit der gemeinnützigen Stiftung Summit Foundation die Kampagne «#cleanmountains» lanciert. So stellt der SAC ab diesem Sommer beispielsweise Abfallsäcke aus 100 Prozent rezykliertem Material in SAC-Hütten zur Verfügung. Das Ziel: Die Hütten­gäste sollen einerseits ihren eigenen Abfall runter ins Tal nehmen und andererseits den unterwegs liegen gelassenen Müll einsam­meln. Wer ein Foto von sich und dem gesammelten Güsel auf der sozialen Plattform Instagram mit dem Hashtag #cleanmountains postet, kann Preise im Wert von 3000 Franken gewinnen.


Eine Herausforderung auf den Bergen sind aber nicht nur täglich neu hinzukommender Güsel von immer mehr Touristen, sondern auch Altlasten. In Zeiten ohne Helikopterflüge war es Usus, Material hochzutragen und die Abfälle vor Ort zu entsorgen. Rund um Gebäude in den Alpen sind in der Vergangenheit Deponien entstanden. So etwa bei der Rugghubelhütte in Engelberg. Im vergangenen Sommer haben SAC-Mitglieder einen Teil des Güsels eingesammelt und ins Tal gebracht. Über 142 der gängigen 35-Liter-Haushaltssäcke füllten sie. Im September startet der SAC eine zweite Aufräumaktion.

Putzaktionen hoch auf dem Berg

Auf Putzaktionen setzen auch die meisten Betreiber von Wander- und Skigebieten in der Zentralschweiz. Auf dem Titlis mache man jeweils im Frühling zusammen mit Schülern eine Putzaktion und sammle den in der ­Wintersaison zurückgelassenen Güsel ein, sagt Peter Reinle. Gleiches veranstaltet man Ende Winter laut Ivan Steiner, Geschäftsführer von Stoos-Muotatal Tourismus, auch auf dem Stoos. Und einmal im Jahr – heuer am 17. Juni – findet die «Pilatus-Putzete» statt, organisiert von der Vereinigung Pro Pilatus. Einen Tag lang sammeln weit über 100 Freiwillige Abfall ein. Tobias Thut, Leiter Marketing und Verkauf der Pilatus-Bahnen AG: «Diese Sensibilisierung hilft sicher auch, dass vor allem lokale und regionale Gäste darauf achten, Abfall wieder mitzunehmen von ihren Rastplätzen.»