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REGION: Das zahlen Pharmafirmen an die Spitäler

Die Pharmaindustrie legt seit diesem Sommer offen, wie viel Geld sie an das Gesundheitswesen zahlt. Ein Blick auf die Spitäler in der Zentralschweiz.
Pharmafirmen sind daran interessiert, dass die Spitäler ihre Medikamente abgeben. (Bild: Keystone)

Pharmafirmen sind daran interessiert, dass die Spitäler ihre Medikamente abgeben. (Bild: Keystone)

Rahel Lüönd

Weil die Pharmaindustrie ihre Produkte nicht öffentlich bewerben darf, geht sie andere Wege: Mit Sponsoring von Fachveranstaltungen, Fachwerbung und Unterstützung von Forschungsprojekten verschafft sie sich den Zugang zu Ärzten und Spitälern. Nun legen die Firmen erstmals offen, wie viel Geld wohin fliesst. Der «Beobachter» hat die Zahlen mit Hilfe der deutschen Online- Plattform «correctiv» in einer Datenbank zugänglich gemacht.

400 000 Franken für Luzern

Das Luzerner Kantonsspital hat im vergangenen Jahr 412 000 Franken entgegengenommen. Die grössten Posten machten dabei ein Sponsoring von Bayer über 58 000 Franken sowie eine Spende von Novartis über 44 000 Franken aus. Damit beteiligten sich die Pharmafirmen unter anderem an Forschungsprojekten. Andererseits sponserten sie Weiterbildungen für die Ärzte oder bezahlten direkt einen Teil der Kosten, damit ein auserwählter Arzt zum Beispiel als Referent an einem Kongress teilnehmen konnte.

In der ganzen Schweiz investierte Novartis im vergangenen Jahr auf diese Weise acht Millionen Franken – bei Roche und Bayer waren es immerhin drei Millionen Franken. Jürg Granwehr, Leiter Pharma beim Wirtschaftsverband Scienceindustries, sagt: «Die Unterstützung von Fortbildungsveranstaltungen oder Kongressen dient dem Wissenstransfer und macht so den gegenseitigen Austausch möglich.» Dies sei für alle Beteiligten – die Industrie, die Fachpersonen wie auch die Patienten – äusserst wichtig, um den medizinischen Fortschritt voranzutreiben. Er sagt aber auch: «Natürlich steckt dahinter auch ein wirtschaftlicher Gedanke, denn im Austausch können neue Forschungsergebnisse dargelegt und damit auch berechtigte Vorzüge innovativer Therapien aufgezeigt werden.»

Medikamentenwahl ist unabhängig

Dass die Gelder auch eine Abhängigkeit mit sich bringen, verneinen alle kontaktierten Spitäler. Marco Stücheli, Leiter Unternehmenskommunikation des Luzerner Kantonsspitals: «Wir achten strikte auf die medizinische Unabhängigkeit. Für die Medikamentenwahl ist bei uns eine eigenständige Arzneimittelkommission zuständig.» Dass jeweils mehrere Sponsoren berücksichtigt werden, entkräfte zudem die Einflussnahme eines Einzelnen.
Auch die Kommunikationsverantwortliche des Spitals Schwyz, Carla Truttmann, sagt: «Unsere Ärzte haben keine Kenntnis über die bezahlten Summen der Pharmafirmen.» Entsprechend hätten sie auch keinen Einfluss auf die Medikamentenauswahl.
Das Spital Schwyz nimmt hauptsächlich Gelder für eigene Anlässe wie Symposien und Weiterbildungen entgegen. 2015 waren es dafür rund 44 000 Franken. Im Gegenzug erlaubt es den Firmen, wie in der Branche üblich, einen Stand am Rande der Veranstaltungen aufzustellen. Je nach Betrag dürfen die Firmen einmal oder mehrmals pro Jahr ihre Produkte vorstellen. Diese Form von Sponsoring hat der Direktor des Zuger Kantonsspitals, Matthias Winistörfer, vor einigen Jahren unterbunden. «Ich wollte an internen Veranstaltungen keine Pharmavertreter mehr dabei haben», sagt er auf Anfrage. Nach wie vor genehmigt er aber Beiträge an die Kosten von Kongressen und Honorare für Referate an externen Veranstaltungen, die Pharmafirmen seinen Ärzten bezahlen. Im letzten Jahr flossen so knapp 55 000 Franken. Das Kantonsspital Nidwalden erhielt von Pharmafirmen 24 000 Franken, die Kantonsspitäler Obwalden und Uri je weniger als 2000 Franken.

Keine Geschenke mehr

Wie weit ist es unproblematisch, wenn die Pharmaindustrie das Gesundheitswesen sponsert – und wo beginnt eine ungesunde Abhängigkeit? Die Grenzen verschieben sich laufend. Früher luden die Pharmafirmen nach grossen Kongressen noch zum Nachtessen, auch Geschenke waren üblich. Mittlerweile nimmt sogar das Direct Sponsoring ab, bei dem die Pharmafirmen ausgewählte Ärzte an Kongresse einladen. Am Beispiel des Zuger Kantonsspitals sieht man zudem, dass auch die Spitäler selber teils mehr Distanz zur Pharmaindustrie suchen.

Hinweis: Die Geldbeträge an Ärzte und Spitäler können unter www.correctiv.org eingesehen werden.

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