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RENNSPORT: Seine Liebe gehört den Rennautos und den German Timeattack Masters

Patrick Müller (31) aus Ruswil hat sich 2017 den Titel in der Kategorie Pro bei den German Timeattack Masters gesichert. Und dies, obwohl er ein Rennen gar ausgelassen hat.
Roger Rüegger
Lässt für sein Hobby einen fünfstelligen Betrag springen: Patrick Müller (31), hier am Arbeitsplatz in Oberkirch. (Bild: Nadia Schärli (5. Januar 2018))

Lässt für sein Hobby einen fünfstelligen Betrag springen: Patrick Müller (31), hier am Arbeitsplatz in Oberkirch. (Bild: Nadia Schärli (5. Januar 2018))

Interview: Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch

Patrick Müller, nach Feierabend arbeiten Sie an Ihrem Rennauto. Ist Ihre Work-Life-Balance ausgewogen?

Wenn ich das Schrauben an meinem Auto als Arbeit ansehen würde, wäre sie es vielleicht nicht. Aber als Automechaniker und Hobby-Rennfahrer kann ich Leidenschaft und Job verbinden.

Sie wirken tatsächlich ausgeglichen. Wäre Abwechslung nicht trotzdem angesagt?

Die habe ich doch! Als Werkstattchef sind meine Aufgaben meist andere, als Autos zu reparieren. Ich betreue Kunden, Lehrlinge, schreibe Offerten und plane den täglichen Arbeitsablauf. Wenn ich privat nicht an meinem Rennauto schrauben könnte, würde ich etwas vermissen. Es ist ein extrem guter Ausgleich für mich.

Fasziniert Sie nicht mehr das Fahren Ihres 670-PS-Autos?

Das ist nur ein Teil. Vom Rennsport bin ich generell begeistert. Die Möglichkeit, Zeit mit Freunden mit derselben Leidenschaft zu verbringen, gemeinsam ein Auto weiterzuentwickeln, ist mir genauso wichtig wie der Erfolg als Pilot. Ich werde als Fahrer und als Mechaniker permanent vor neue Aufgaben gestellt. Eine optimale Fahrzeugabstimmung, das Spiel zwischen Zuverlässigkeit und Leistung, ist extrem wichtig und oft eine Gratwanderung.

Bitte beschreiben Sie!

Abstimmung heisst, dass Anpassungen am Fahrzeug vorgenommen werden, um dieses in seinem Einsatzgebiet optimal bewegen zu können. Dies ist nicht einfach eine Abstimmung für Rennstrecken, sondern perfektes Einstellen für eine bestimmte Strecke. Es sind völlig andere Einstellungswerte, ob ich im Sommer am Lausitzring fahre oder im Spätherbst auf dem Nürburgring. Nur mit perfekter Abstimmung funktioniert das Auto richtig.

Funktioniert richtig heisst?

Weniger Gewicht oder mehr Leistung ergeben nicht automatisch bessere Rundenzeiten. Viel Leistung, die nur schwer zu kontrollieren ist oder nur in einem kleinen Drehzahlbereich zur Verfügung steht, ist bei einem Rundkurs mit engen Kurven nicht unbedingt von Vorteil. Sehr wenig Gewicht, das jedoch ungleichmässig auf alle vier Räder verteilt ist, ist genauso sinnlos.

Sie haben Ihr Privatauto umgebaut, sodass es nicht mehr strassentauglich ist. Was fahren Sie im Alltag?

Mein Arbeitgeber, das Autohaus Steffen in Oberkirch, unterstützt mich unter anderem damit, dass ich immer die passenden Firmenautos fahren darf.

Dem Besitzer einer Renault-Garage kann es nur recht sein, dass sein Werkstattchef nicht mit einem aufgemotzten Mitsubishi fährt. Oder?

Haha. Vermutlich. Es zeigt wohl, dass wir gegenüber anderen Marken nicht verschlossen sind.

Warum dieses Auto?

Der Mitsubishi Evo hat für einen Umbau extrem Potenzial. Er wird oft im Rennsport gefahren. Dadurch besteht ein Riesenangebot an passenden Komponenten.

Könnten Sie auch aus meinem Dogde Caliber eine Rakete machen?

Ja, klar. Man kann alles schneller machen. Die Frage dabei ist, wo Sie Prioritäten setzen oder auf welchen Komfort Sie verzichten wollen. Wenn ich Ihr Auto schneller machen soll, würde ich zuerst viel Gewicht entfernen. Vermutlich müssten Sie danach Ihren Mitfahrer anschreien, wenn Sie sich unterhalten möchten.

Dann lassen wir das. Wie kamen Sie zum Rennen?

2012 schnupperte ich die erste Rennstreckenluft auf «Trackdays». Diese Faszination liess mich nicht mehr los. Über Hans Schori, Schweizer Meister Bergrennen, und seinen Sohn Yves vom Eventcenter Seelisberg, machte ich dann 2014 meine ersten Erfahrungen bei den Swiss Timeattack Masters.

Haben Sie je daran gedacht, bei einem Team wie Sauber als Mechaniker zu agieren?

Nein. Das ist nichts für mich. Ich liebe es, die Eigenschaften des Autos beim Fahren zu spüren und diese mit meinen eigenen Händen zu verbessern. Wenn ich an ein Auto Hand anlegen würde, mit dem ich nicht selber auf die Rennstrecke gehe, wäre das so, wie wenn ich ein Haus bauen würde und nie darin wohnen könnte.

Wie gross war eigentlich Ihr Vorsprung beim Titelgewinn?

Sehr knapp. Ich hatte nach fünf Rennen 60 Punkte, der Zweite 58. Ich siegte in vier Rennen, bei einem bin ich nicht angetreten.

Und wurden doch Meister?

Ja, aber nur, weil meine Gegner auch nicht glänzten.

Warum liessen Sie eines aus?

Ich war eine Woche in Maze­donien zum Gleitschirmfliegen, meinem zweiten grossen Hobby. Das ist mir auch wichtig. Dadurch hatte ich eigentlich die Meisterschaft bereits abgeschrieben.

Sonst legen Sie aber keine Termine auf die Rennen?

Ich nicht. Aber meine Schwester. Sie hatte ihre Hochzeit auf ein Rennwochenende geplant. Als ich ihr sagte, dass ich natürlich zu ihrer Hochzeit komme, aber ein weiteres Rennen absagen müsse, verschob sie ihre Hochzeit.

Wahre Geschwisterliebe!

Ja, das ist es. Hochzeit war dann im September. Es regnete. Beim ursprünglich geplanten Hochzeitsdatum herrschte Traumwetter. Mein Schwager hat es nicht unterlassen, mich beim Fest damit «aufzuziehen», und es war wohl auch nicht das letzte Mal ...

Wie steht es mit Ihrer Liebe?

Die steckt in meinem Rennauto.

Gehen Sie mit mir einig, dass Ihr Hobby gefährlich ist?

Die Rennen nicht! Die Anforderungen an die Sicherheit an Rennstrecken und an Fahrzeugen sind enorm. Ich finde die oft sehr weiten Anfahrtswege gefährlicher.

www.

Videos des Rennfahrers Patrick Müller sowie frühere Beiträge dieser Serie finden Sie unter:

luzernerzeitung.ch/dossier

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