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RESTAURIERUNG: Rothenthurm weiht lange vergessenes Kirchenrelikt ein

Zwei Jahre hat es gedauert, nun erstrahlt das Heilig Grab von Rothenthurm in neuem Glanz. Restaurator Wendel Odermatt erklärt, was genau dieses Projekt so speziell macht.
Restaurator Wendel Odermatt mit einem Teil des restaurierten Heilig Grab. (Bild: Boris Bürgisser (Stans, 15. März 2018))

Restaurator Wendel Odermatt mit einem Teil des restaurierten Heilig Grab. (Bild: Boris Bürgisser (Stans, 15. März 2018))

Wo beginnen wir mit dieser Geschichte? Das hat sich wohl auch Wendel Odermatt, der Geschäftsführer der Restaurierungsfirma Stöckli, gefragt, als am vergangenen Donnerstag Reporter und Fotograf sein Atelier in Stans betreten. Trotz des vereinbarten Termins wirkt der Restaurator ein wenig überrumpelt. Odermatt, gutmütiges Lächeln und markanter Schnauz im Gesicht, setzt zum kräftigen Händedruck an, bevor es mit dem Lift in den ersten Stock geht. Dort liegen und stehen sie herum: die Überbleibsel des Heilig Grab von Rothenthurm. Heilig was?

«Letztlich ist das nichts anderes als eine Theaterkulisse, das österliche Gegenstück zur Weihnachtskrippe», beginnt Odermatt. Eine Konstruktion, vier Meter breit, ebenso tief und bis zu sieben Meter hoch, welche das Osterwunder veranschauliche, die Auferstehung Christi. «So wird religiöser Inhalt erlebbar.» In der Vorstellung haben diese Ausführungen noch keine Form angenommen, da streckt Odermatt auch schon ein A4-grosses Foto entgegen: «So sah das Heilig Grab aus, als wir es im Herbst 2016 ein erstes Mal zusammensetzten.» Rund 130 Jahre lang hat es zuvor auf dem Estrich der Kirche St. Antonius in Rothenthurm gelegen, ist fast in Vergessenheit geraten. Dabei datiert das jüngst restaurierte Heilig Grab aus dem 17. Jahrhundert und ist somit nicht nur das älteste der Zentralschweiz, sondern gar eines der ältesten des gesamten deutschsprachigen Raums.

Spezieller Lichteffekt – auf Knopfdruck

Die Begeisterung hat den 60-Jährigen fest im Griff. Emsig wuselt er zwischen mobilen Werkbänken hindurch, vorbei an Leinwänden, Profillatten, die sich in Regalen stapeln. Mal weist er auf ein Holzelement mit runden Aussparungen hin: «Hier hat man runde Schustergläser, gefüllt mit gefärbtem Wasser, hingestellt und mit Kerzen hinterleuchtet. Diesen ganz speziellen Lichteffekt erzeugen wir nun mit elektrischen Lampen – auf Knopfdruck.» Dann zieht er unterarmgrosse Holzfiguren aus einem Brett und illustriert, wie sich das gesamte Konstrukt zusammenstecken lässt: «Wie Lego, da braucht es weder Nagel noch Schrauben.» Bei jedem Schritt knarren die grau gestrichenen Holzdielen. Beständig brummt die Lüftung. «Die Luftfeuchtigkeit muss mindestens 50 Prozent betragen, sonst nehmen die Objekte Schaden», so Odermatt. Decke und Wände sind weiss gestrichen, umso mehr bleibt das Auge etwa am blutenden, ans Kreuz genagelten Christuskörper hängen, der auf der einen Ablagefläche ruht – und wie viele andere Artefakte nicht zur restaurierten Holzkulisse gehört.

Odermatts 12-köpfiges Team betreut gleichzeitig bis zu 40 verschiedene Projekte – «Voruntersuchungen und Nachkontrollen eingeschlossen», erklärt Geschäftsführer Odermatt. Trotzdem sei die Restaurierung des Rothenthurmer Heilig Grab «ein sehr spezieller Auftrag». Auch weil sie einige knifflige Aufgaben stellte. Denn als die Holzkulisse in der Rothenthurmer Turnhalle ein erstes Mal zusammengesetzt war, zeigte sich zwar, dass ein Grossteil der Grabkulisse noch vorhanden und intakt war. Es offenbarte aber einige gravierende Mängel: Teile, die stark verschmutzt oder beschädigt waren – oder gar ganz fehlten. Nicht mehr auffindbar war einiges, von einzelnen Extremitäten gewisser Figuren bis hin zu ganzen Seitenwänden. «Diese grossen, geraden Bretter sind wohl für Tische oder anderes zweckentfremdet worden», vermutet Odermatt. Wie die einzelnen Teile zu rekonstruieren waren, liess er sich dabei «von den Überresten des Heilig Grab erzählen».

Rund 1000 Arbeitsstunden investiert

Vieles habe die Konstruktion bei genauem Ansehen von alleine preisgegeben: Wo man das eine Element ins andere zu stecken hat, etwa. Entsprechend flott gingen die flächigen Rekonstruktionsarbeiten voran. Besonders aufwendig war das Retuschieren mit Pinsel und Farbe. Schreiner- und Elektroarbeiten eingerechnet, sind gesamthaft rund 1000 Arbeitsstunden in die Wiederherstellung der sakralen Holzkulisse geflossen. Eine museale Restaurierung war dabei für Odermatt nie eine Option: «Es galt, die optische Illusion, die visualisierte Ostergeschichte zu konservieren und zu restaurieren, nicht die einzelnen Malschichten.»

An den Kosten von rund 100 000 Franken haben sich nebst der Denkmalpflege von Bund und Kanton Schwyz auch die Albert-Koechlin-Stiftung, die Victorinox-Stiftung und die inländische Mission beteiligt sowie einige Geschäfte und Vereine aus der Region Rothenthurm und Private.

Den Zuschlag für den Auftrag hat die Firma Stöckli keineswegs zufällig erhalten. Sie ist nach eigenen Angaben der grösste Restaurierungsbetrieb der Zentralschweiz und kann auf 120 Jahre Erfahrung zurückblicken. Zudem hat sie bereits auch das Heilig Grab der Stiftskirche Beromünster restauriert. Dieses ist zwar rund 100 Jahre weniger alt, aber massgeschneidert auf das Stift St. Michael. Die Rothenthurmer Grabkulisse steht indes «wie ein Zelt» und kann überall aufgestellt werden, sofern es genügend Platz hat. Weniger sehenswert macht dies das frisch restaurierte Relikt aus der Zeit der Gegenreformation wahrlich nicht.

Raphael Zemp

raphael.zemp@luzernerzeitung.ch

So sieht das Heilig Grab in seiner ganzen Pracht aus. (Bild: PD)

So sieht das Heilig Grab in seiner ganzen Pracht aus. (Bild: PD)

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