REUSSEBENE: Auenrenaturierung zwischen Sins und Mühlau

Im Reussegger Schachen entsteht eine Auenlandschaft von rund 20 Hektaren. Die Pläne liegen nun vor. Auch die Hochwassersituation wird beleuchtet.

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Das Bild zeigt den Blick auf die Ebene bei Reussegg, die als Auenlandschaft renaturiert wird. (Bild: Heinz Abegglen (Sins, 13. Mai 2017))

Das Bild zeigt den Blick auf die Ebene bei Reussegg, die als Auenlandschaft renaturiert wird. (Bild: Heinz Abegglen (Sins, 13. Mai 2017))

Das Gebiet wurde bereits 2001 in den kantonalen Richtplan aufgenommen. In der Sinser Nutzungsplanung ist es als Auen­regenerationszone ausgewiesen. Die Grundlage dafür bildete der Erwerb eines Landwirtschafts­betriebs durch den Kanton. Dieser Handwechsel wiederum war Auslöser für die Moderne Melioration Sins-Reussegg. Im Reuss­egger Schachen besitzt der Kanton 17 Hektaren Land und Pro Natura weitere 9 Hektaren. Für die Melioration stellte der Kanton auch Land ausserhalb des Auenperimeters zur Verfügung.

Der Auenschutzpark ist in der Verfassung verankert. Eine entsprechende Volksinitiative wurde im Jahr 1993 gutgeheissen. Sie besagt, dass mindestens 1 Prozent der Kantonsfläche zum Schutz der national bedeutsamen Reste der ehemaligen Auengebiete ausgeschieden wird.

Die Voraussetzungen sind ideal

Die Verhältnisse für eine Auenentwicklung in diesem Raum werden als aussergewöhnlich gut beurteilt. Unter anderem weil kaum Dämme vorhanden sind und auch kein neuer erforderlich ist. Kernstück des Projekts bilden 680 Meter lange, neue Seitengerinne mit einem Hauptarm, einem Einlauf, einem Nebenarm links und einem Rücklauf rechts sowie zwei Ausläufen. Das bedingt erhebliche Materialumlagerungen, es sind rund 54 000 Festkubikmeter Bodenabtrag und Aushub veranschlagt. Der grösste Teil davon wird innerhalb des Projekts verwendet: insbesondere zur Aufschüttung der Schutzzonen für ein neues Grundwasserpumpwerk und ausserdem zum Materialaustausch bei der Sanierung eines belasteten Standorts.

Der Reussegger Schachen vernetzt schon heute die national bedeutenden Amphibienlaichstellen zwischen dem Schorenschachen Mühlau und dem Schachen Oberrüti. Fischökologisch ist der Reussabschnitt der Äschenregion zugeordnet. Im Fokus bei den Fischen steht die Nase, die auf der roten Liste der gefährdeten Arten aufgeführt ist.

Die landwirtschaftliche Nutzung wird nicht gänzlich eingestellt, ist allerdings nur noch in extensiver Form vorgesehen, etwa als Futtergrünland, Streuland oder durch Beweidung mit robusten Nutztierrassen wie Hochlandrindern oder Wasserbüffeln. Aus Sicht der Projektträger ist diese Bewirtschaftungsart sogar ausdrücklich erwünscht, um das flächige Aufkommen eines Auenwaldes, der nur punktuell zu den Zielsetzungen gehört, zu verhindern.

Rückhalteraum für Schwemmholz

Die Projektunterlagen befassen sich auch eingehend mit der Hochwassersituation. Sie halten fest, dass sich der Hochwasserschutz der an den Auenperimeter angrenzenden Parzellen nicht verschlechtert. Im kantonalen Gesamtkonzept Schwemmholzrückhalt und -entnahme ist der Reussegger Schachen als Rückhalteraum vorgesehen. Das Schwemmholz soll in das neue Seitengerinne geleitet und dort entnommen werden. Ein optimales Zusammenspiel zwischen Auendynamik und Schwemmholzrückhalt wird allerdings erst nach Realisierung der zweiten Gestaltungsetappe erreicht. Es erfordert ausserdem Veränderungen im Geschiebehaushalt (Kiesentnahme) in Abstimmung mit dem Kanton Luzern.

Bis das Vorhaben vollständig umgesetzt ist, dauert es mehrere Jahre. Denn es besteht aus drei Projekten, die miteinander verknüpft sind. Im Auenperimeter befinden sich zwei Pumpwerke der Wasserversorgungsgenossenschaft Auw. Sie werden durch eine Grundwasserfassung weiter südlich ersetzt und anschliessend gestaffelt aufgehoben, die nördlich gelegene nach zwei, die südliche nach zehn Jahren.

Belasteter Standort muss saniert werden

Beim neuen Pumpwerk muss allerdings zuerst ein belasteter Standort saniert werden. Es handelt sich um eine ehemalige private Geländeauffüllung. Das Material wird gemäss den Untersuchungen hauptsächlich als mässig verschmutzt taxiert, in einem Teilbereich allerdings als stark bis sehr stark. Der zweite Teil der Auengestaltung wird erst in Angriff genommen, wenn die zweite Grundwasserfassung stillgelegt ist.

Heinz Abegglen

redaktion@zugerzeitung.ch