RICKENBACH: Anklage gegen Polizisten im Kanton Schwyz

Der Polizist, der vor einem Jahr auf der Ibergeregg einen Dieb erschossen hat, muss sich vor Gericht verantworten. Der Beamte hatte den Schuss «nicht rechtmässig» abgegeben.

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Die Polizei während der Suche nach den Flüchtigen. (Bild: Keystone)

Die Polizei während der Suche nach den Flüchtigen. (Bild: Keystone)

Als am 12. September 2012 Polizisten auf der Ibergeregg ein Fahrzeug kontrollieren wollten, kam es zu einem folgenschweren Zwischenfall: Einer der Polizisten erschoss einen 24-jährigen moldawischen Autodieb. Dessen Komplize – ein 25-jähriger Landsmann – konnte zwar flüchten, wurde aber einen Tag später von der Schwyzer Polizei im Aufiberg unterhalb der Ibergeregg gefasst. Der Beamte, der den Todesschuss abgegeben hat, muss sich nun wegen vorsätzlicher, eventualiter fahrlässiger Tötung sowie wegen fahrlässiger Körperverletzung vor dem Strafgericht Schwyz verantworten, wie die Staatsanwaltschaft des Kantons Schwyz am Mittwoch mitteilt.

Gestützt auf ihre umfangreiche Untersuchung kommt die Staatsanwaltschaft zum Schluss, dass die Schussabgabe nicht rechtmässig erfolgte. Die Strafuntersuchung wird von der Staatsanwaltschaft des Kantons Schwyz geleitet. Sie zog zur Ermittlung des Sachverhalts unter anderem die Zuger Polizei, das forensische Institut der Kantonspolizei Zürich sowie weitere Experten bei.

Staatsanwalt: Polizist fühlte sich bedroht

Der Polizist ging gemäss Staatsanwaltschaft von einer Bedrohung. Er feuerte von der Beifahrerseite einen Schuss in den Kleinbus ab. Das Projektil tötete den 24-jährigen Beifahrer und verletzte den 25-jährigen Fahrer. Dieser entkam zunächst.

Die Polizei leitete eine grossangelegte Suche ein, an der rund hundert Polizisten, mehrere Polizeihunde und ein Helikopter beteiligt waren. Am Abend des Folgetages wurde der flüchtige Mann nass und verschmutzt unterhalb der Ibergeregg aufgegriffen.

Im August 2013 wurde der Moldawier vom Urner Landgericht in Abwesenheit zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt. Er war bereits im Oktober 2012 aus der Schweiz ausgeschafft und mit einer zehnjährigen Einreisesperre belegt worden. Er war in Dänemark wegen versuchten Bankraubs und Ladendiebstahls vorbestraft.

Kanton Schwyz untersucht Abläufe

Der Kanton Schwyz hat die Anklage zur Kenntnis genommen und eigene Massnahmen ergriffen, schreibt das Sicherheitsdepartement in einer Mitteilung. Der Kanton bedauert den Vorfall für alle Betroffenen. Selbstverständlich sei dem betroffenen Polizisten ein juristischer Beistand zur Seite gegeben worden. Er wurde in den Innendienst versetzt und leistet diesen weiter. «Es gilt zum jetzigen Zeitpunkt von Gesetzes wegen die Unschuldsvermutung.»

Das Polizeikommando wurde beauftragt, den Vorfall fachlich aufzuarbeiten. Untersucht werden die entsprechenden Abläufe in Bezug auf die Aus- und Weiterbildung, der Instruktion, der taktischen Elemente und der konkreten Umsetzung auf allfälliges Verbesserungspotenzial. Diese Überprüfung werde durch eine noch zu bestimmende ausserkantonale Fachperson begleitet und unterstützt.

rem/sda