RICKENBACH: Er ist einer, der hoch hinaus will

Der Schwyzer Jonas Bösiger hat eine steile Karriere hingelegt: Der 22-Jährige gehört zurzeit zu den talentiertesten Snowboardern in der Schweiz. Nun steht er höchstwahrscheinlich vor dem nächsten Meilenstein.
In Laax feilt der Schwyzer Snowboarder Jonas Bösiger derzeit an seinen Sprüngen. (Bild: PD, Daniel Loosli)

In Laax feilt der Schwyzer Snowboarder Jonas Bösiger derzeit an seinen Sprüngen. (Bild: PD, Daniel Loosli)

In Rickenbach, am Fusse der Mythen ist er aufgewachsen, das Skigebiet direkt vor der Nase. Kein Wunder also, dass Jonas Bösiger schon als Kleinkind auf Ski stand. Beeindruckend ist hingegen sein anschliessender Werdegang: Als Siebenjähriger schnallte er sich nur noch eines statt zwei Bretter an die Füsse. «Ich fand das damals cool und habe zu den Snowboardern aufgesehen», erzählt Bösiger. Seither sind 15 Jahre vergangen. Heute gehört der 22-Jährige zu den besten Schweizer Athleten in diesem Sport. Seine Disziplinen sind der Slope Style und der Big Air. Bei letzterem springt er über meterhohe Schanzen und vollführt halsbrecherische Tricks. Morgen Montag wird bekannt, ob er an die Olympischen Spiele nach Südkorea fliegen darf. Seine Chancen dafür stehen gut.

Vom Lifestyle zum Spitzensport

Als Mitglied der Snowboard-Nationalmannschaft trainiert Jonas Bösiger fast jeden Tag. Zurzeit weilt er in Laax, wo er an seinen Sprüngen feilt. Dazu gehört nicht nur körperliche Fitness, sondern vor allem auch mentale Vorbereitung: «Jeder Sprung beginnt im Kopf», betont er am Telefon. Letzten Frühling hat er zwei besonders schwierige Tricks eingeübt. Den «Switch Backside Triple Cork 1620» und den «Frontside Triple Cork 1440». Bei ersterem fliegt er jeweils etwa drei Sekunden durch die Luft, dreht sich dabei viereinhalb Mal um die eigene Achse und dreimal über den Kopf. Nur eine Handvoll Sportler auf der Welt wage sich aktuell an diese Herausforderung, sagt Bösiger. In seiner Stimme schwingt weder Stolz noch Überheblichkeit mit.

In den letzten Jahren habe sich das Snowboarden vom Lifestyle zum Spitzensport entwickelt, die Tricks würden immer anspruchsvoller: «Am Abend vor einem Wettkampf in den Bars herumziehen, liegt heute nicht mehr drin», erklärt der engagierte Profisportler.

Bis ein Sprung gelingt, wird hart trainiert. Eine minutiöse Vorbereitung sei unabdingbar, erläutert Bösiger: Zuerst übt er eine neue Idee jeweils auf dem Trampolin. Erst wenn jede Bewegung perfekt sitzt, geht es in den Schnee über. Angst verspüre er dabei keine, so das Nachwuchstalent. Wenn er auf den Big Air zufahre, sei er voll konzentriert. In der Luft gehe ihm nicht viel durch den Kopf. «Das Unterbewusstsein macht den grössten Teil aus», ist er überzeugt. Es spult die eingeübten Bewegungen ab, bis die Füsse wieder festen Boden berühren. «Es ist ein unglaubliches Gefühl, wenn du einen Trick zum ersten Mal stehst», schwärmt Bösiger. Dies sporne ihn an, immer wieder neue Sprünge auszuprobieren.

Mittlerweile kann er von seiner Leidenschaft leben. Nach dem Sportgymnasium in Engelberg hat er die Spitzensport-Rekrutenschule absolviert. Seither ist er auf der ganzen Welt unterwegs, an Wettkämpfen und für Trainings. Den Spass und die Freude hat er dabei nicht verloren. Im Gegenteil: «Beim Snowboarden fühle ich die absolute Freiheit», beschreibt Bösiger seine Faszination für seinen Beruf. Nach wie vor steht er deshalb auch in der spärlichen Freizeit gerne aufs Brett: Wenn er zwischen den Reisen bei seinen Eltern in Oberarth ist, trifft er sich mit seinen Freunden in der Skiregion Mythen und auf dem Stoos. Mit Blick auf die mögliche Olympiateilnahme sagt er: «Es ist der grösste Sportevent – es würde mich sehr freuen, unser Land repräsentieren zu dürfen und die ganze Atmosphäre mitzubekommen.»

Stephanie Zemp

redaktion@zentralschweizamsonntag.ch

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