RICKENBACH: Polizist wegen fahrlässiger Tötung verurteilt

Ein Schwyzer Polizist hat fahrlässig gehandelt, als er 2012 einen unbewaffneten Einbrecher erschossen hat. Dies hat das Strafgericht festgestellt. Es wirft dem Polizisten vor, sich mit einem Alleingang selbst in eine bedrohliche wirkende Lage gebracht zu haben.

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Anlässlich einer Kontrolle tötete ein Polizist einen unbewaffneten Einbrecher. (Bild: Keystone)

Anlässlich einer Kontrolle tötete ein Polizist einen unbewaffneten Einbrecher. (Bild: Keystone)

Das Strafgericht hat den 38-Jährigen der fahrlässigen Tötung und Körperverletzung schuldig gesprochen, wie es am Mittwoch mitteilte. Es verurteilte den Polizisten zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten. Die Probezeit beträgt zwei Jahre. Zudem muss der Beschuldigte 25 Prozent der Verfahrenskosten übernehmen. Das Urteil liegt erst im Dispositiv vor und ist noch nicht rechtskräftig.

Für den Streifenpolizisten, der in den rückwärtigen Dienst versetzt worden ist, hat der Schuldspruch noch keine weiteren beruflichen Folgen. Erst wenn ein rechtskräftiges Urteil vorliege, werde eine interne Untersuchung zeigen müssen, ob Massnahmen zu treffen seien, sagte Florian Grossman, Sprecher der Kantonspolizei, auf Anfrage.

Schuss aus nächster Nähe

Der tödliche Zwischenfall hatte sich am frühen Morgen des 12. September 2012 beim Windstock zwischen Schwyz und der Ibergeregg ereignet. Der Polizist öffnete mit der Dienstwaffe in der Hand die Beifahrertür eines gestohlenen VW-Busses, der vor einem Rotlicht wartete.

Gegen die Erwartung des Polizisten befand sich im Bus nicht nur ein Fahrer, sondern auch ein Beifahrer. Dieser machte eine Bewegung mit dem rechten Arm, worauf der Polizist einen Schuss aus seiner Pistole Glock 17 abgab. Das Deformationsgeschoss durchbohrte den Kopf des 24-jährigen Beifahrers und den Arm des 25-jährigen Lenkers.

Die beiden Opfer hatten den Polizisten nicht angegriffen. Trotzdem anerkannte das Gericht, dass der Beschuldigte in den konkreten Umständen habe davon ausgehen dürfen, dass ein Angriff bevorstehe. Er habe sich in einer vermeintlichen Notwehrsituation befunden.

Das Gericht folgte aber dennoch nicht dem Antrag des Verteidigers auf Freispruch. Der Beschuldigte hätte den Schusswaffengebrauch verhindern können, wenn er elementare polizeitaktische Grundsätze beachtet und die vermeintliche Notwehrsituation vermieden hätte.

Alleingang statt Teamarbeit

Der Beschuldigte war aus dem Polizeibus ausgestiegen und zu dem VW-Bus gerannt. Dieser Alleingang ohne Eigensicherung und ohne Waffenhoheit war nach Ansicht des Gerichtes falsch. Vielmehr hätte der Polizist mit seinem Streifenkollegen die Situation koordiniert «einfrieren» und auf die nahende Verstärkung warten müssen.

Ein lehrbuchmässiges Vorgehen hat sich umso mehr aufgedrängt, als der Beschuldigte davon ausging, dass hinter dem Autodiebstahl eine gewaltbereite kriminelle Organisation stecke. Er habe von einer erheblichen Gefahr ausgehen müssen, schreibt das Gericht.

Der zweite Polizist verhielt sich zwar taktisch richtig. Doch als er zur Sicherung seines Kollegen schreiten konnte, hatte dieser den tödlichen Schuss schon abgegeben.

Nicht gänzlich unzufrieden

Ob die Parteien das Urteil akzeptieren, ist noch offen. Die Staatsanwaltschaft erklärte, das Gericht sei mit dem Schuldspruch ihrem Eventualantrag gefolgt.

Im Hauptantrag hatte die Staatsanwaltschaft auf vorsätzliche Tötung und eine Strafe von 5 Jahren und 3 Monaten plädiert. Das gefällte Strafmass, die minimale Probezeit und die tiefe Kostenbeteiligung zeigten, dass das Gericht das Verschulden seines Mandanten im unteren Bereich ansiedle, sagte Verteidiger Hansheini Fischli.

Fischli hatte für seinen Mandanten einen Freispruch wegen Notwehr gefordert. Er betonte, dass trotz des Schuldspruchs auch die Richter dem Polizisten eine Notwehrsituation zugestanden hätten.

sda