RIED-MUOTATHAL: Familientragödie: Drei Teenager vor Gericht

Die Untersuchungen zum Familiendrama in Muotathal sind abgeschlossen. Nebst dem mutmasslichen Täter sind zwei weitere Jugendliche in die Bluttat verstrickt.

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Nach Abschluss der Strafuntersuchungen sei der Tathergang weitgehend geklärt, teilten Polizei und Jugendanwaltschaft des Kantons Schwyz am Freitag mit. Demnach tötete der damals 15-jährige Täter in der Nacht auf den 12. April 2008 im Haus der Familie zuerst seinen 13-jährigen Stiefbruder mit einem Küchenmesser. Danach begab er sich hinauf ins elterliche Schlafzimmer, wo er seine 39-jährige Stiefmutter ebenfalls im Schlaf überraschte und ihr tödliche Stichverletzungen zufügte. Darauf kam es zu einer Auseinandersetzung mit dem leiblichen Vater, bei welcher der Sohn den damals 41-Jährigen mit dem Messer leicht verletzte, wie Polizeisprecher Florian Grossmann auf Anfrage ausführte. Zur Tatzeit befanden sich weitere Geschwister und Halbgeschwister im Haus, die unverletzt blieben. Die Polizei sei sofort nach der Tat kurz nach Mitternacht alarmiert worden und habe den mutmasslichen Täter noch vor Ort verhaftet. Der Schüler stand zum Tatzeitpunkt weder unter Alkohol- noch Drogeneinfluss, eine Affekthandlung wird von den Untersuchungsbehörden weitgehend ausgeschlossen.

Der Haupttäter hat gestanden
Der Sohn ist laut Grossmann geständig. Bei den beiden andern Jugendlichen, die sich ebenfalls vor dem Jugendgericht zu verantworten haben werden, handle es sich um Kollegen des Sohns. Einer werde der Mittäterschaft verdächtigt, der andere der Gehilfenschaft. Sie hätten sich zur Tatzeit selbst aber nicht im Haus befunden. Nähere Angaben machte Grossmann nicht.

Zum Motiv des Täters stehen laut den Behörden mehrere Aspekte im Vordergrund. Und zwar die familiäre Situation des mutmasslichen Täters, seine Persönlichkeit und der Einfluss der weiteren Tatbeteiligten, womit laut Grossmann die beiden Kollegen gemeint sind. Bei der Familie handle es sich um eine Patchwork-Familie: Der Vater hatte drei, die Mutter zwei Kinder in die Ehe gebracht. Ob noch weitere Aspekte auf das Tatmotiv Einfluss hatten, werde das Jugendgericht beurteilen müssen.

Prozesszeitpunkt noch unklar
Im Zusammenhang mit dem Tötungsdelikt wurden mehrere Personen überprüft, ob und wieweit sie in die Tat involviert waren. Gegen fünf Jugendliche wurde im Rahmen der Strafuntersuchung Untersuchungshaft angeordnet. Derzeit befinde sich aber niemand mehr in Untersuchungshaft. Der mutmassliche Täter werde weiterhin in einer ausserkantonalen Fachstelle psychologisch betreut. Die Akten wurden zwecks Anklageerhebung der Schwyzer Staatsanwaltschaft überwiesen. Wann es zum Prozess kommt, steht noch nicht fest.

ap