RIGI: «Sollten klüger aussuchen, wo wir bauen»

Mit dem Pflanzen eines Baumes ist ein Schutzwaldprojekt gestartet worden. Der Helvetia-Chef warnt vor Investitionen in gefährlichen Gegenden.

Interview Charly Keiser
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Hier entsteht ein Schutzwald: Helvetia-Chef Philipp Gmür auf der Rigi.

Hier entsteht ein Schutzwald: Helvetia-Chef Philipp Gmür auf der Rigi.

Am Freitag pflanzte Philipp Gmür an der Rigi-Nordlehne einen von insgesamt 10 000 Bäumen, die beim Schutzwaldprojekt «Rund um die Rigi» in den Boden gesetzt werden. Damit fiel der Startschuss zum vierten derartigen Projekt der Helvetia Versicherungen Schweiz, die der Luzerner Gmür seit zehn Jahren als Chef leitet (siehe Box).

Philipp Gmür, drei Dinge soll ein Mann in seinem Leben tun, heisst es: ein Haus bauen, einen Baum pflanzen und einen Sohn zeugen. Übertreiben Sie es nicht ein wenig mit dem Pflanzen von Bäumen?

Philipp Gmür: (lacht) Das ist doch immerhin günstiger als 10 000 Häuser bauen, oder?

Woher stammt die Idee für das Schutzwald-Engagement?

Gmür: Wir haben ein nachhaltiges Projekt gesucht, das Bezug zu unserem Geschäft hat. Das Schutzwaldprojekt wurde mir von einem Helvetia-Team vorgeschlagen.

Pflanzen Sie Bäume zur Prävention gegen Naturgefahren?

Gmür: Die Versicherungen müssen ihre Kunden materiell entschädigen, die von Schäden durch Naturereignisse betroffen sind. Viel vornehmer ist es aber, dazu beizutragen, dass Schäden verhindert werden können. Unser Schutzwaldprojekt ist natürlich nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Es hat jedoch tatsächlich einen materiellen – vielmehr aber einen ideellen Wert. Es zeigt die Bedeutung des Waldes zum Schutz unseres Lebensraumes. Wie die jüngsten Schadenereignisse zeigen, sind wir jedoch noch weit weg, die Prämien wegen «unserer Bäume» senken zu können.

Das Ausmass der Schäden bei Naturereignissen steigt stetig. Was läuft da falsch, was können Sie dagegen tun?

Gmür: Es werden in kritischen Gebieten immer mehr materielle Werte angehäuft. Der Schutzwald ist darum nur ein Mittel, um uns vor Naturgefahren zu schützen. Ausräumen können wir sie nicht. Wir sollten klüger und vorausschauender jene Orte aussuchen, wo wir investieren. Ist es sinnvoll, in gefährdeten Flussdeltas und Lawinenkegel Gebäude zu errichten und darauf zu hoffen, dass nichts passiert?

Die Gefahrenkarten sollten bald in der ganzen Schweiz fertig sein. Tragen diese künftig zur Besserung bei?

Gmür: Wir wären sehr interessiert, wenn die Gefahrenkarten konsequent beachtet würden. Wir wirken als Versicherung darauf hin, dass unsere Kunden präventive Massnahmen treffen, und scheuen uns andererseits nicht, Risiken in hochgradig gefährdeten Gebieten nicht mehr zu zeichnen.

Sind Gefahrenkarten nicht ein grosses Politikum?

Gmür: Richtig, wir sind diesbezüglich in einem Sandwich. Denn Landeigentümer, Gemeinden und auch die Bevölkerung haben wenig Interesse daran, bei ohnehin knappen Landreserven zusätzliche Einschränkungen in Kauf zu nehmen beziehungsweise im Extremfall materiell enteignet zu werden.

Also schlechte Karten für die Helvetia?

Gmür: Nein, denn dank dem einzigartigen System des schweizerischen Elementarschadenpools werden die Schäden gemeinsam und solidarisch getragen. Überspitzt gesagt werden sie sozialisiert. Dieses System darf selbstverständlich nicht überstrapaziert werden.

Schützen Sie sich privat auch mit einem Schutzwald vor Naturgefahren?

Gmür: (lacht) Nein. Ich habe zu Hause einen alten Baumbestand im Garten, das ist aber mehr ein Versorgungswald. Die Aprikosen, Zwetschgen und Pfirsiche schützen uns vielmehr vor dem Verhungern als vor Hochwasser.