Ringen: Gemeinsam zum 3. Finalkampf

Die Willisau Lions schaffen, was niemand mehr für möglich gehalten hat. Sie gewinnen die zweite Finalbegegnung gegen Kriessern mit 29:9 und holen sich damit im Entscheidungskampf das Heimrecht.

René Leupi, Willisau
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Die Willisauer feiern den klaren Heimsieg gegen Kriessern. (Bilder: Roger Grütter (Willisau, 15. Dezember 2018))
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Andreas Vetsch (rot, Willisau) gegen den Kriessern Isa Usupov , 74kg Greco. (Bild: Roger Grütter)
NLA Ringen Playoff Final Willisau vs. Kriessern. (Bild: Roger Grütter)
Andreas Vetsch (rot, Willisau) gegen den Kriessern Isa Usupov , 74kg Greco. (Bild: Roger Grütter)
Der Willisauer Studer Mirco gegen den Kriessern Dominic Laritz , 70kg Freistil. (Bild: Roger Grütter)
Die Willisauer Fans jubeln. (Bild: Roger Grütter)
Das Maskottchen jubelt mit. (Bild: Roger Grütter)

Die Willisauer feiern den klaren Heimsieg gegen Kriessern. (Bilder: Roger Grütter (Willisau, 15. Dezember 2018))

Die Uhr zeigt 21.15 Uhr: Soeben hat Tobias Portmann den Kampf gegen David Hungerbühler 4:0 gewonnen und damit den 29:9-Heimsieg besiegelt. Die BBZ-Halle auf dem Willisauer Schlossfeld bebt, und Jonas Bossert bekommt mit seiner Aussage recht. Eindrücklich sei es gewesen, wie die Fans die Mannschaft trotz der 12:24-Niederlage in Kriessern feierten. «Sie werden uns in Willisau zum Sieg tragen», lautete das Statement von Bossert auf der Homepage der Lions. Sie hätten nichts mehr zu verlieren und wollen im zweiten Kampf in der vollen BBZ-Halle den 3. Finalkampf erzwingen und damit den Traum vom Schweizer-Meister-Titel am Leben erhalten.

Auch Präsident Pius Roos sah dem Kampf zuversichtlich entgegen und meinte, er sei nicht nervös und auch nicht so schnell aus der Ruhe zu bringen – ungemütliche Ausgangslage hin oder her. Ungemütlich wurde die Lage für die Willisauer nie, sie lagen von Beginn weg vorne und bauten den Vorsprung stetig aus, bis zur letzten Begegnung, als Hugo Dietsche, der Trainer von Kriessern, die Aussichtslosigkeit, das Heimrecht doch noch ins Rheintal zu holen, einsah und das Handtuch warf.

Der Rückwärtssalto von Michael Portmann

Es war auch ein Duell der beiden Fanlager. Hier die Hundertschaft aus Kriessern, die sich bereits eine Viertelstunde vor Kampfbeginn mit Trommeln und Pauken bemerkbar machte und so die Anwartschaft auf den 12. Meistertitel in ihrer Vereinsgeschichte anmeldeten. Dort die Anhänger der Lions, zahlenmässig klar im Vorteil, sich aber vor dem Startschuss bedeckt zeigten und damit wohl die nötige Kraft für die zehn Kämpfe sparten. Doch just mit der ersten Begegnung war auch der akustische Vorteil aufseiten der Luzerner Hinterländer, stimuliert durch das Maskottchen, den Willisauer Löwen. Und wenn bei einem Sieg nach sechs Kampfminuten (2-mal 3 Minuten), so wie Michael Portmann, ein Athlet noch einen Salto rückwärts auf die Matte zauberte, fühlten sich die Anhänger endgültig im siebten (Ringer-)Himmel, klatschten, johlten, feierten.

Ein jeder Zuschauer kennt die Regeln, weiss den Unterschied zwischen Freistil und Greco und weiss die Kampflage jederzeit einzuschätzen – so kommt es einem Laien jedenfalls vor. Jeder Angriff wird lautstark kommentiert, der Unmut mit eindeutigen Gesten gegenüber den drei Schiedsrichtern kundgetan. Dass dabei die Wortwahl nicht immer stilgerecht daherkommt und schon mal Ausdrücke aus dem Reich der Tierwelt Richtung Schiedsrichter und Kämpfer «flogen», gehört zum Ringen wie das Amen in der Kirche. So wurde bis zum letzten Kampf heftig mit den Händen gestikuliert, geflucht, mit allen Körperteilen auf den Zuschauerrängen mitgerungen, den Ringern auf der Matte Ratschläge erteilt, wenn diese auch nie beim Empfänger ankommen.

Als nach sechs Kämpfen (18:5 Punkte) die 12-Punkte-Hypothek aus der ersten Begegnung (12:24) wettgemacht war und der Entscheidungskampf in Reichweite lag, wurde es im Lager von Kriessern immer ruhiger. Die Willisauer Lions hingegen steigerten sich – wie der grösste Teil der 1520 Fans – in einen wahren Rausch, bis es um 21.15 Uhr kein Halten mehr gab und die Ringer und Fans den Sieg frenetisch zu feiern begannen. Ein Sieg, der auch den ansonsten bedächtig auftretenden Präsidenten Pius Roos in Freudentaumel versetzte. «Ich bin sprachlos», so sein erster Kommentar.

Am Samstag winkt der 14. Meistertitel

Ein Sieg mit 20 Punkten Unterschied hätte er sich auch in den kühnsten Träumen nicht vorgestellt. Und so geht der Traum der Willisauer Lions weiter. Kommt der Willisauer Löwe am kommenden Samstag auch wieder derart bissig daher, dürfte der 14. Meistertitel wohl zu einer Freinacht in der Hinterländer Metropole führen …