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RISIKO: Sicherheit: Sportler sorgen sich

Flüsse wie Reuss oder Lorze werden im neuen Gesetz über Risikosportarten als harmlos ein­gestuft. Das gehe auf Kosten der Sicherheit, warnen Experten.
Rahel Schnüriger
Eine geführte Bootstour auf der Reuss bei Obfelden: Auf solchen Gewässern werden in Zukunft noch mehr Hobbysportler erwartet. (Bild: Wasser-Land GmbH)

Eine geführte Bootstour auf der Reuss bei Obfelden: Auf solchen Gewässern werden in Zukunft noch mehr Hobbysportler erwartet. (Bild: Wasser-Land GmbH)

Es ist nun 14 Jahre her, seit im Saxetbach in der Nähe von Interlaken 21 Touristen von einer Sturzflut erfasst wurden und ertranken. Es ist bisher das Canyoning-Unglück mit den meisten Todesopfern in der Schweiz. Es löste einen lauten Ruf nach Sicherheit aus. Ebenfalls angestossen hat der Unfall eine lange Diskussion um ein Gesetz über Anbieter von Risikoaktivitäten und das Bergführerwesen. Anfang 2014 tritt dieses Gesetz nun in Kraft. Man kann sich vorstellen, wie viel es gebraucht hat, bis sich alle Parteien einig wurden – nicht zuletzt, weil das neue Gesetz eine ganze Bandbreite von Sportarten unter sich zusammenfasst. Grundsätzlich sollte es die Strukturen der Anbieter professioneller machen, indem diese eine Bewilligung für ihre Tätigkeit brauchen. In den meisten Bereichen, wie etwa im Bergführerwesen, ist dies auch erfolgt (siehe Kasten).

Amateure drücken Preise

Im Wasser ist das Bundesgesetz aber umstritten: So fällt nur unter das Gesetz, wer auf Gewässern mit der Wildwasserstufe drei oder höher tätig ist. Betriebe, die Aktivitäten auf Flüssen wie der Reuss oder der Lorze (die sich auf Stufe eins bis zwei bewegen) anbieten, benötigen entsprechend keine Bewilligung.

Armin Stocker, Geschäftsleiter der Wasser-Land GmbH, die diverse Angebote auf diesen Flüssen hat, findet das problematisch: «Dieser Entscheid legitimiert die Amateure auf diesen sogenannt leichten Flüssen», sagt Stocker. Professionelle Firmen wie seine, die seit zehn Jahren zertifiziert ist, hätten das Nachsehen. «Unprofessionelle Betriebe treten am Markt oftmals mit tiefen Preisen an, um an Kunden zu gelangen», sagt Armin Stocker. Dieser Preisdruck könne andere Anbieter dazu zwingen, Kosteneinsparungen vorzunehmen, um mithalten zu können. Die Gefahr dabei sei gross, dass solche Einsparungen im Bereich der Sicherheit, zum Beispiel in der Ausbildung der Guides, bei den Investitionen in qualitativ hochstehendes Material oder dem Betreuungsgrad der Teilnehmer während der Tour, vorgenommen werden. «Das ist eine sehr gefährliche Entwicklung», findet Armin Stocker.

Auch Daniel Chézière, Gründer und Geschäftsführer der Firma Swissraft, hält wenig von der Unterscheidung der Gewässer. «Auch auf der Reuss kann jemand verunfallen», sagt er, «es macht keinen Sinn, dass die Flüsse unterschieden werden.» Das neue Gesetz ist aus seiner Sicht nichts anderes als eine Überregulierung: «Den gesunden Menschenverstand kann man mit Gesetzen nicht anerziehen.»

Verband findet Lösung in Ordnung

Wolfgang Wörnhard war als Geschäftsleiter der Swiss Outdoor Association (SOA) intensiv an der neuen Gesetzgebung beteiligt. Die Differenzen auf dem Wasser sind ihm bestens bekannt: «In diesem Bereich gab es erhebliche Meinungsverschiedenheiten, auch innerhalb unserer Organisation.» Denn Kanuclubs und Pontoniervereine wehrten sich, als Risikosportarten eingestuft zu werden, und umgekehrt wollten professionelle Firmen mit Angeboten im Wasser nicht benachteiligt werden. «Wir mussten abwägen und finden die jetzige Lösung in Ordnung», sagt Wörnhard. Er wisse aber, dass nicht alle Mitglieder der SOA glücklich seien.

In gewissem Masse könne diese Regelung ein Sicherheitsproblem darstellen, sagt Wörnhard. Denn Amateure ohne Zertifizierung kümmerten sich nicht so sehr um die Sicherheit, wie das professionelle Betriebe tun. «Lange Zeit haben wir gehofft, dass das Zertifizierungslabel ‹Safety in Adventure› im Markt ein Qualitätsmerkmal wird, an dem sich die Kunden orientieren», sagt Wörnhard. Bis jetzt scheinen die Kunden aber wenig darauf zu achten.

Wildwasserstufen für Touristen

Markus Feller vom Bundesamt für Sport verteidigt die Unterscheidung der Flüsse: «Wir mussten diese Abgrenzung machen», sagt Feller, «nur schon aus touristischen Überlegungen.» Es gebe einige Flüsse der Wildwasserstufe zwei, auf denen ausländische Anbieter agieren wollten. «Es wäre kontraproduktiv, wenn man dort zu hohe Schranken festlegen würde. Zudem lässt sich kaum vertreten, dass für die gewerbliche Befahrung von gewissen Flüssen eine Bewilligung verlangt wird, wenn gleichzeitig unzählige Freizeitkapitäne mit ihren Gummibooten drauf sind.»

Keine Karte mit Stufen

Die Abgrenzung der einzelnen Stufen wird in einem Zusatzdokument beschrieben. Es wurde bewusst keine Karte erstellt, die Schweizer Flüsse in die Wildwasserstufen einteilt: «Denn je nach Wasserstand kann ein Fluss gefährlicher oder harmloser sein», sagt Markus Feller. Branchenkenner könnten die Stufe eines Flusses aber anhand der vorhandenen Kriterien einschätzen. Zudem ist er überzeugt, dass die Branchenvertreter sofort reagieren würden, wenn unbewilligte Betriebe sich auf zu schwierigen Gewässern befänden.

Die Kontrolle des neuen Gesetzes erfolgt durch die Kantone. Sie setzen vor allem auf die soziale Kontrolle: Eine Auflistung im Internet zeigt alle bewilligten Betriebe. Wer auf unbewilligte Betriebe aufmerksam wird, kann diese anzeigen.

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