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SACHSELN: «Hier kann ich entspannen»

Elvira und Andrej Treutner halten dem Campingplatz in Ewil die Treue. Auch der schwache Euro wird nichts daran ändern.
Primus Camenzind
Elvira und Andrej Treutner vor ihrem Wohnwagen auf dem Camping Ewil in Sachseln. (Bild Corinne Glanzmann)

Elvira und Andrej Treutner vor ihrem Wohnwagen auf dem Camping Ewil in Sachseln. (Bild Corinne Glanzmann)

Primus Camenzind

Als sich unsere Zeitung mit ihm trifft, hat er gerade Geburtstag. Der 49-jährige Andrej Treutner ist überzeugt, dafür am rechten Flecken auf dieser Erde zu sein. «Die einmalige Umgebung, das Wasser, das kann mir niemand ersetzen, auch meine Freunde in Deutschland und eine grosse ‹Sause› nicht.» Er, der beruflich dauernd für den Rüsselsheimer Autohersteller Opel in Europa unterwegs ist und in Hotels übernachtet, schätzt die Ruhe am Sarnersee «hier kann ich mich entspannen», meint er. «Ich hab hier alles, was ich brauche», betont auch seine Frau Elvira (58).» Deshalb falle es ihr leicht, für eine Weile das Stadtleben aufzugeben.

Seit 1990 sind Treutners immer und immer wieder auf dem Ewiler Campingplatz anzutreffen. Zuerst im Zelt, später im gemieteten Wohnmobil und seit geraumer Zeit im eigenen Wohnwagen. «Reiner Zufall», gibt Andrej zu verstehen. Er war damals mit dem Töff auf der Strecke, sah die Hinweistafel «Camping», zweigte ab und das tun er und seine Frau heute noch. Zum allerersten Mal war Andrej mit seinem Kollegen Alex am Sarnersee. «Zum Angeln», lässt er uns wissen. Und diesen kurzen «Männerurlaub» – meistens in der Woche vor Fronleichnam – gönnt er sich jedes Jahr. Beim zweiten Aufenthalt im Sommer ist seit 14 Jahren auch die Familie dabei. «Wir waren bisher an die Schulferien unserer 19-jährigen Tochter Kim Marie in den Monaten Juli und August gebunden», betont Elvira. Dieses Jahr fehlt sie allerdings. «Sie hat einen Freund», nennt die Mutter als Grund. «Im Hochsommer sind der Süden und das Meer für uns alle kein Thema. Die Strände sind überfüllt und die Campingplätze nicht selten staubig. Hier haben wir unsere Wiese», freut sie sich.

Dem starken Franken zum Trotz

Zurück zum Angeln: «Ich muss nicht unbedingt grosse Hechte fangen, es reichen auch normale Fleischfische, das lohnt sich schon», betont Andrej, um damit unsere Zweifel am Fischreichtum des Sarnersees aus der Welt zu räumen. Aus der Küche des Wohnwagens zaubert des Ehepaar Treutner «alles, was Sie sich vorstellen können», bekräftigt die Gattin. «Wir haben einen Mini-Backofen dabei, essen aber ebenso gerne Teigwaren und wenns sehr heiss ist, auch mal kalt», sagt sie. «Wir gehen schon mal auswärts essen, aber der Euro ist zurzeit so schwach, dass wir uns da einschränken müssen», hält Elvira fest.

Ihre Treue zum Ferienland Schweiz kann der starke Franken allerdings nicht auf die Probe stellen, soweit sind sich die Treutners einig. «Wenns sein muss, verkürzen wir einfach unseren Urlaub», gibt Andrej zu verstehen. Beide fahren Töff und deshalb reicht die Lust an fremden Ländern über die Schweiz hinaus. Elvira Treutner: «Die Seealpen auf dem Weg nach Südfrankreich sind auch was Tolles. Da möchten wir im Herbst hin.»

Die beiden deutschen Gäste auf dem Camping Ewil sind also «Wandervögel» was auf die meisten ihrer Landsleute genauso zutrifft. Die Töff haben sie diesen Sommer nicht dabei. Neben dem schmucken Wohnwagen stehen zwei Velos. «Letztes Jahr waren wir motorisiert, und der Sommer war verregnet, deshalb waren wir dieses Jahr vorsichtiger und nahmen die Fahrräder mit», gibt Andrej zu verstehen. «Die Gegend hier ist schon wetterabhängig. Wir halten es allerdings auch aus, wenn die zwei Wochen am Sarnersee nicht so sonnig sind wie in diesen Tagen. Ich schwimme halt liebend gerne schon vor dem Frühstück, und das war letztes Jahr nur zweimal möglich», erinnert sich Elvira.

Man schätzt sich

Auf dem Camping befinden sich viele Dauermieter. Mit denen und besonders auch mit dem geschäftsführenden Ehepaar Berlinger – haben die Gäste aus Rüsselsheim in all den Jahren freundschaftliche Kontakte geknüpft. «Man trifft sich, man unterhält sich, man schätzt sich gegenseitig, und man unternimmt was zusammen», fährt Andrej fort.

Sogar den Obwaldner Dialekt haben er und Elvira inzwischen recht gut im Griff. «Wir verstehen vieles, und wenn nicht, dann sprechen Ihre Landsleute ‹Hochschweizerisch›, um nicht zu sagen Hochdeutsch mit uns.» Den ständigen Szenenwechsel braucht er nicht, den hat Andrej im Beruf. Seine Frau, sie ist freie Mitarbeiterin in der Zahnpflege, schätzt beim Campieren die fast grenzenlose Freiheit. «Die vermisse ich im Hotel. Deshalb reichen für mich dort drei bis vier Tage.»

«Fühlen uns pudelwohl»

Zur Freiheit gehört bei ihr auch der geliebte Ausflug nach Luzern. «Da habe ich mein gewohntes städtisches Umfeld auf engem Raum und in faszinierender Lage», schwärmt sie. Dass sie dort auf dem Markt für ein Eis mit zwei Kugeln sechs Franken bezahlt, nimmt sie «hin und wieder» in Kauf.

Elvira und Andrej Treutner werden dem Campingplatz und dem Sarnersee den Rücken nicht zukehren. Beide wiederholen sich: «Hier haben wir alles, was wir brauchen. Wir fühlen uns pudelwohl.»

Hinweis

In unserer Sommerserie «Stammgäste» erzählen uns Leute aus nah und fern, weshalb sie seit vielen Jahren in unserer Region Ferien machen. Bereits erschienen: Renate und Wolfgang Bappert aus Düsseldorf (11. 7.), Gerard Dierick und Maria Werner aus Holland (16. 7.). Abonnenten finden die Beiträge auch im Internet unter der Adresse www.obwaldnerzeitung.ch/serien.

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