SBB: Der Bahnhof Küssnacht verliert seine Verkaufsstelle

Billette können am Bahnhof in Küssnacht ab dem 1. Juli nur noch am Automaten gekauft werden. Der bediente Schalter geht zu. Grund: zu hohe Kosten, zu geringe Nachfrage.
Ab dem 1. Juli gibt es am Bahnhof Küssnacht noch am Automaten Billette. (Bild: Philipp Schmidli (Küssnacht, 25. Januar 2008))

Ab dem 1. Juli gibt es am Bahnhof Küssnacht noch am Automaten Billette. (Bild: Philipp Schmidli (Küssnacht, 25. Januar 2008))

Offiziell haben die SBB nicht informiert. Doch es ist eine Tatsache, dass Küssnacht bald zu einem «Geisterbahnhof» wird. Denn der bediente Schalter wird geschlossen – darüber informierten die SBB-Stellen am 15. Januar, allerdings nur intern. Anders als die breite Öffentlichkeit wurde der Küssnachter Bezirksrat in Kenntnis gesetzt: «Wir wurden informiert, dass der Schalter zugeht», sagt Bezirksammann Michael Fuchs (SP) auf Anfrage. «Genauere Informationen erhalten wir an einem extra einberufenen Termin.»

Auch der Bezirksrat wartet demnach darauf, mehr über die Gründe zu erfahren. Fällt der Bahnhof Küssnacht etwa einem Sparprogramm zum Opfer? SBB-Mediensprecherin Franziska Frey sagt: «Die SBB reagieren damit auf die abnehmende Nachfrage nach bedientem Verkauf in Küssnacht. Aufgrund dieses Rückgangs entstehen der SBB überproportional hohe Betriebskosten, welche in einem jährlichen Verlust im sechsstelligen Bereich resultieren.» Dies widerspreche dem Auftrag des Bundesrates, das operative Geschäft nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen zu betreiben.

Nur 14 Prozent aller Billette am Schalter verkauft

Dass der Schalter bald verwaist, hat weitere Gründe: «Im Jahr 2017 wurden pro Stunde durchschnittlich weniger als acht Billette am Schalter verkauft, bereits 2016 wurden in Küssnacht 86 Prozent aller Billette über den Automaten, online und mobile bezogen», betont Franziska Frey. Es habe ein konstanter Rückgang des bedienten Absatzes stattgefunden. Mit der Schliessung der Verkaufsstelle geht auch ein Arbeitsplatz verloren. «Der betroffene Mitarbeiter wird an einem der bedienten Bahnhöfe in der Region eingesetzt», sagt Franziska Frey dazu.

Jürg Hurni vom Schweizerischen Eisenbahner-Verband, der Gewerkschaft der Bahnangestellten, bedauert die Schliessung der SBB-Vertriebsstelle. Sie sei ein weiterer Schritt zur «Enthumanisierung» des ÖV, kritisiert er. «Das subjektive Sicherheitsgefühl sinkt, wenn an den Bahnhöfen kein Personal mehr vor Ort ist.» Die Kundinnen und Kunden hätten ein Bedürfnis nach Hilfe und Beratung, und vor allem nach Sicherheit. Eine weitere Tatsache sei, dass auch in den Zügen immer weniger Angestellte unterwegs seien.

Wie die Schalterhalle künftig genutzt wird, ist unklar. «Unser Ziel ist es, das Angebot laufend weiterzuentwickeln und den Kundenbedürfnissen anzupassen», sagt Franziska Frey. Die SBB werde die freiwerdenden Räumlichkeiten entsprechend nutzen und in den kommenden Wochen und Monaten prüfen, welches Angebot den Kundenbedürfnissen am besten Rechnung trage.

Bahnhof jüngst neu gestaltet

Erst noch von 2010 bis 2012 wurden der Bahnhof Küssnacht und das Mittelperron neu gestaltet und ein Busbahnhof errichtet. Erstellt wurden auch eine Fussgängerunterführung unter den Gleisen hindurch und ein neuer Zugang von der Haltikerstrasse her. Die SBB investierten damals 3,5 Millionen Franken, der Bezirk Küssnacht rund 6,5 Millionen Franken.

Edith Meyer

zentralschweiz@luzernerzeitung.ch

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