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SCHIFF: Ein Tag am schönsten Arbeitsplatz der Welt

Auf einem Dampfschiff den Vierwaldstättersee erkunden, Fahrtwind und Aussicht geniessen für Touristen und Tagesausflügler eine wahre Freude. Damit sie die Fahrt geniessen können, muss die Schiffscrew hart arbeiten.
Reporterin Beatrice Vogel übt unter der Aufsicht von Matrosin Lalline da Silva (im Hintergrund), das Seil über den Masten zu werfen. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Reporterin Beatrice Vogel übt unter der Aufsicht von Matrosin Lalline da Silva (im Hintergrund), das Seil über den Masten zu werfen. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Beatrice Vogel

Montagmorgen, 9.30 Uhr: Ich stehe an der Schiffswerft der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV) neben dem Inseli in Luzern. Heute darf ich Lalline da Silva bei der Arbeit begleiten. Sie ist Matrosin oder genauer: Kontrolleurin – auf dem Dampfschiff «Stadt Luzern». Die «Stadt Luzern», seit 1928 auf dem Vierwaldstättersee unterwegs, ist der grösste Raddampfer der SGV – ihr Flaggschiff, mit Platz für 1100 Passagiere.

Polieren, bis es glänzt

Ich werde gleich eingespannt, um die Messingteile auf dem Schiff zu polieren. Sie sollen bei der Ankunft der ersten Gäste glänzen wie neu. Dann müssen Lalline und ich die grosse Schweizerfahne am Heck entwirren, damit sie bei der Fahrt schön wehen kann. Jedes Detail muss stimmen. Nach dem Bereitmachen des Schiffs trinkt die sechsköpfige Crew erst mal Kaffee und bespricht den Tag. Die Crew, das sind der Kapitän, der zweite Schiffsführer, zwei Matrosen Kontrolleur und Kassier – und zwei Maschinisten. Auf dem Schiff sind ausserdem Servicepersonal und Köche der Tavolago AG.

Auf dem Weg zum Landesteg stehe ich mit Lalline am Heck, um das Wasser im Auge zu behalten, denn das Schiff wendet im Luzerner Seebecken und fährt rückwärts zum Steg. Tatsächlich sind zwei Pedalos im Weg, die wir mit Trillerpfeife und Winken aus unserer Fahrbahn lotsen. Am Steg wartet bereits eine riesige Menschenschlange. Hier gilt es, die Gäste zu begrüssen und Fragen zu beantworten.

«Bis Vitznau wird es stressig»

Um 11.12 Uhr geht die Fahrt los. Die «Stadt Luzern» ist das Kursschiff auf der Strecke LuzernFlüelen. Bevor wir abfahren, warnt mich Lal­line: «Bis Vitznau wird es stressig.» Sie soll recht behalten. Rund 600 Passagiere sind in Luzern zugestiegen – dreiviertel von ihnen werden bis Vitznau wieder aussteigen. Vorher müssen wir alle Billette kontrolliert haben. Das ist leichter gesagt als getan: Jeder kann sich frei auf dem Schiff bewegen – entsprechend muss die Kontrolleurin alle kontrollierten Billette im Kopf behalten.

Wir beginnen die Kontrolle auf dem Oberdeck in der 1. Klasse. Dennoch finden sich hier auch viele Touristen mit 2.-Klasse-Billetten. «Damit dürfen Sie nur auf dem Unterdeck sitzen», klärt Lalline auf. «Wenn Sie hier bleiben wollen, können Sie bei mir einen Klassenwechsel lösen.» Diese Sätze wiederholt sie an diesem Tag noch mindestens 50-mal. Und sie kommen nicht bei allen gut an. Ein asiatisches Paar nickt zwar lächelnd, bleibt aber sitzen. Erst nach mehrmaliger freundlicher Aufforderung begibt es sich nach unten. Eine Schweizerin, die sich mit einem 2.-Klasse-GA im Restaurant der 1. Klasse befindet, sagt: «Es ist ja gar nirgends angeschrieben, dass hier 1. Klasse ist.» Doch, sage ich, es hat ein Schild auf der Treppe. Sie meint darauf, sie habe gedacht, Schild und Schiff seien so alt, das gelte heute sicher nicht mehr.

Seilwerfen: Schwie-riger als gedacht

Zwischendurch muss Lalline die Kontrolle immer wieder unterbrechen. Wenn wir nämlich an einer Station anlanden, muss sie das schwere Seil über den Haken an der Landebrücke werfen, um das Schiff festzumachen, die Passagiertreppe aufs Schiff ziehen und bei der Abfahrt das Schiff wieder losbinden. Das muss schnell gehen, damit das Schiff sicher am Steg steht und der Fahrplan eingehalten wird. Deshalb darf ich während der Fahrt nie «seilen», und das aus gutem Grund: Beim Trockenüben am Abend in der Werft treffe ich den Masten kein einziges Mal (siehe Bild).

Nach Vitznau wird es tatsächlich ruhiger jetzt hat man auch mal Zeit für ein Schwätzchen. Lalline mag ihren Job, aber er sei auch anstrengend. «Man muss immer präsent und freundlich sein, auch wenn manche Passagiere unfreundlich sind», sagt sie. Beim «Seilen» sei man unter Druck, da alle zuschauen und Witze machen, wenn man danebenwirft.

Lalline ist Saisonniere sie arbeitet nur im Sommer auf dem Schiff. Bei der SGV sind die meisten Mitarbeiter Festangestellte, wie etwa Kapitän Kuno Stein. Er ist ein echter Seemann, hat sein ganzes Leben auf dem Schiff verbracht und ist seit sechs Jahren Kapitän der «Stadt Luzern». Festangestellte arbeiten im Sommer Überstunden und haben im Winter länger Ferien. Da dann nur Motorschiffe fahren, braucht es weniger Personal.

Über die Runden kommen

Der Kapitän erzählt mir während der Fahrt im Steuerhaus von den Veränderungen, die in den letzten Jahren bei der SGV vonstatten gingen. «Früher haben viele Leute im Sommer auf dem Schiff und im Winter in der Werft gearbeitet», erklärt Stein. Seit die Tochterfirma Shiptec (Schifftechnik/Werft) eine eigenständige Geschäftseinheit ist sie und die Tavolago AG sind Tochterunternehmen der SGV-Gruppe –, hat Shiptec mehrheitlich eigene Mitarbeiter. «Das hat zur Folge, dass es heute weniger polyvalente Mitarbeiter gibt, die Schifffahrt aber nach wie vor auf Saisonverträge angewiesen ist», sagt Stein. Für einige sei das kein Problem; viele arbeiten im Winter in Skigebieten oder reisen. «Aber andere müssen schauen, dass sie im Winter über die Runden kommen.» Insgesamt hat die SGV 78 Festangestellte und 95 Saison- und Teilzeitmitarbeiter. Das Geschäft mit den Schiffen läuft gut. «Vor allem die Sonderfahrten, wie das Brunch-Schiff oder die Sonnenuntergangsfahrt, sind sehr gefragt», sagt der Kapitän.

Nach fünfstündiger Fahrt erreichen wir wieder Luzern. Obwohl es schön war, bin ich froh darüber. Den ganzen Tag an Wind und Sonne, immer auf den Beinen, das Stimmengewirr der Passagiere das macht müde. Dennoch habe ich mehrmals von Mitarbeitern gehört, das Schiff sei der schönste Arbeitsplatz der Welt. Und das kann ich nachvollziehen.

Hinweis

In dieser Serie berichtet unsere Zeitung in lockerer Folge über verschiedene Berufe. Unsere Journalisten arbeiten auch tatsächlich an einem Tag in diesen «Sommerjobs» frei nach dem Motto: «learning by doing.»

So funktioniert die Ausbildung Matrose

Matrosen bei der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV) benötigen eine abgeschlossene Ausbildung und einen sechswöchigen Grundkurs. Dieser beinhaltet die nautische Ausbildung (Schiff kennenlernen, «Seilen», Knoten usw.) und eine sicherheitstechnische Ausbildung (wie reagiert man in Notsituationen). Geografie und Verkehrswege müssen ebenfalls gelernt werden, und natürlich das Billettsystem.

Man fängt an als Kontrolleur und kann danach zum Kassier aufsteigen. Die nächste Stufe ist bereits Schiffsführer, wovon es aber verschiedene Grade gibt. Zuerst beginnt man mit kleineren Schiffen und kann später grössere Schiffe steuern. Die höchste Stufe ist Kapitän.

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