SCHINDELLEGI: Kühne+Nagel mit Umsatzplus – Konzernchef geht

Reinhard Lange, Chef des Logistikkonzerns Kühne+Nagel, tritt aus gesundheitlichen Gründen auf Anfang Mai hin zurück. Der Konzern konnte im Jahr 2012 zwar mehr Umsatz erwirtschaften, eine Kartellbusse drückt aber den Gewinn.

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Reinhard Lange tritt ab. (Bild: Keystone)

Reinhard Lange tritt ab. (Bild: Keystone)

Der abgeschwächte Welthandel und eine Kartellbusse haben dem Logistikkonzern Kühne + Nagel 2012 arg zugesetzt. Obwohl der Umsatz um knapp 6 Prozent auf 20,75 Mrd. Fr. zulegte, sank der Gewinn um fast 19 Prozent auf 493 Mio. Franken.

Ohne die im März 2012 verhängte Kartellbusse der EU-Kommission von 65 Mio. Franken, gegen die der Konzern beim Europäischen Gerichtshof Einspruch eingelegt hat, hätte der Gewinn 558 Mio. Fr. betragen, wie der Konzern am Montag mitteilte. Der Betriebsgewinn (EBIT) sank von 750 Mio. Fr. auf 634 Mio. Franken.

Während die Regionen Nah- und Mittelost, Zentralasien und Afrika (+17 Prozent), Asien-Pazifik (+16 Prozent) und Nord-, Mittel- und Südamerika (+14 Prozent) deutliche Umsatz-Wachstumsraten verzeichneten, stiegen die Erlöse in Europa lediglich um 0,6 Prozent. Der für ein Logistikunternehmen aussagekräftigere Bruttogewinn erhöhte sich um 3,3 Prozent auf 6,09 Mrd. Franken.

Wachstumsverlangsamung

Bereits in den ersten beiden Quartalen 2012 hätten die Wachstumsverlangsamung in China und das zurückhaltende Konsum- und Investitionsverhalten in weiten Teilen Europas die Volumenentwicklung im internationalen Logistikgeschäft beeinträchtigt, lässt sich Konzernchef Reinhard Lange in der Mitteilung zitieren.

Kühne+Nagel habe zwar das Geschäftsvolumen in allen Sparten erhöhen können, allerdings sei es nicht gelungen, mit dem erzielten Mengenzuwachs den Margendruck und die Kostensteigerungen zu kompensieren.
Die Dividende für 2012 soll auf 3,50 von 3,85 Fr. gekürzt werden. Analysten hatten mit einem Gewinn von 503 Mio. Fr. und einer Dividende von 3,60 Franken gerechnet.

Über die Konjunkturentwicklung im laufenden Jahr bestünden nach wie vor grosse Unsicherheiten, heisst es zum Ausblick. Es sei nicht davon auszugehen, dass sich die Wirtschaftsleistung in Europa schnell und nachhaltig verbessern werde, während von den Schwellenländern und den USA ermutigende Signale ausgingen.

Programm zur Effizienzsteigerung

Bereits am vergangenen Freitag hatte Kühne + Nagel ein umfassendes Programm zur Effizienzsteigerung angekündigt. Als erste Massnahme wurde die teilweise Neuausrichtung der Regionalstruktur bekannt gegeben, die ab Anfang Juli 2013 gilt.

Im Rahmen des Programms würden auch die Prozesse im Finanz- und Personalbereich gestrafft und optimiert, hiess es. Einen Stellenabbau habe die Veränderung nicht zur Folge, hiess es damals auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Rücktritt des Konzernchefs

Am Montag gab der Konzern ausserdem den Rücktritt von Konzernchef Lange bekannt. Aus gesundheitlichen Gründen will sich dieser nach mehr als 40 Jahren bei Kühne+Nagel auf die Generalversammlung vom 7. Mai hin freistellen lassen. Lange steht dem Unternehmen bis zum Ablauf seines Vertrages am 31. Dezember beratend zur Verfügung.

Mit der Suche nach einem neuen Konzernchef sei begonnen worden, schreibt Kühne + Nagel weiter. Ein Team unter Leitung von Verwaltungsratspräsident Karl Gernandt wird die Aufgaben von Lange übernehmen.

sda