Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

«Schlagartig waren da 80 Fremde»

Der Luzerner Religionspreis für herausragende Maturaarbeiten zum Thema Religion & Ethik geht an Anaïs Treadwell aus Beromünster. Ihre Arbeit beleuchtet spannend und umfassend das Thema Flucht.
Haymo Empl
Anaïs Treadwell, Gewinnerin des Luzerner Religionspreises 2018. (Bild: Lale Andreani)

Anaïs Treadwell, Gewinnerin des Luzerner Religionspreises 2018. (Bild: Lale Andreani)

Der Flucht ein Gesicht verleihen – das war das Ziel der Maturandin Anaïs Treadwell. Mit ihrer Arbeit hat sie einen Blick auf die zwei grössten Fluchtwellen der letzten hundert Jahre in Europa geworfen und die Jury mit einem multiperspektivischen sowie vielgestaltigen Zugang zum Thema Flucht überzeugt. «Für meine Arbeit habe ich mit acht geflüchteten Personen Interviews durchgeführt, ihre Biografien erfasst und dazu fotografische Schwarz-Weiss-Porträts erstellt», erklärt Anaïs Treadwell. «Meine Arbeit verbindet somit die individuelle Perspektive der interviewten Personen mit dem historischen Kontext der vier analysierten Konfliktgebiete: Afghanistan und Syrien, Ostpreussen und Estland.»

In einer Art Heft hat die Maturandin alle Interviews und Porträts festgehalten. «Das soll dazu anregen, sich mit dem Schicksal des Individuums auseinanderzusetzen, den Blick von den grossen Schlagzeilen zum ‹kleinen› Menschen hinzuwenden», erklärt die Gewinnerin.

Individuelle Schicksale werden vergleichbar

Die Jury war nicht nur von der Thematik an sich begeistert, sondern auch davon, wie die junge Beromünsterin das Projekt umsetzte. «Letztendlich wurde ihre Arbeit wegen der methodischen Vielfalt, der Personalisierung durch Porträts von acht Geflüchteten sowie der zusätzlichen standardisierten Kurzinterviews, die eine gewisse Vergleichbarkeit der individuellen Schicksale erlauben, prämiert», sagt Prof. Dr. Monika Jakobs von der Theologischen Fakultät der Universität Luzern. Sie hatte den Juryvorsitz inne und stellt weiter fest, dass in diesem Jahr die Qualität der eingereichten Arbeiten hoch war. Sie konkretisiert: «Kriterien sind für uns die Kompetenz, ein Thema relevant – sei es wissenschaftlich oder gesellschaftlich – zu formulieren, einschlägige Quellen zu finden und sachlich angemessen zu verarbeiten.» Weiter würden unter anderem eine nachvollziehbare und eigenständige Argumentation eine Rolle bei der Bewertung spielen und natürlich eine sachlich angemessene und gut lesbare Sprache sowie das Vermögen, eine neue Erkenntnis oder eine neue Blickrichtung zu ermöglichen.

Der 2006 erstmals vergebene Luzerner Religionspreis wird jährlich von der Theologischen Fakultät in Zusammenarbeit mit dem religionswissenschaftlichen Seminar der kultur- und sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Luzern verliehen. Die Auszeichnung ist mit 500 Franken dotiert, zur Verfügung gestellt von der Universitätsstiftung.

Wertvolle Freundschaften

Das Preisgeld interessierte Anaïs Treadwell weniger, für sie standen andere Aspekte im Vordergrund. «Aus meiner Arbeit heraus haben sich wertvolle Freundschaften entwickelt; ich habe auch sonst viel Kontakt mit Menschen mit Fluchthintergrund.» Während der Zeit des temporären Betriebes der Asylunterkunft in der Zivilschutzanlage Linden zwischen Dezember 2015 und April 2017 hatte Anaïs Treadwell bereits mehrere gemeinsame Projekte mit den Asylsuchenden und der Kantonsschule Beromünster organisiert, sich auch an den Treffen der Gemeinde im Zusammenhang mit der Asylunterkunft involviert und sich immer sehr für die politische Situation im Nahen Ostern interessiert.

Ausserdem spielte für die Wahl des Themas auch ihre eigene Geschichte eine Rolle: «Meine Grosseltern Inge und Fritz mussten 1945 aus ihrer Heimat Ostpreussen flüchten», sagt Anaïs Treadwell weiter. Den Reiz der Arbeit macht schliesslich die Verbindung beider Welten aus: die eigene Familiengeschichte und die Tatsache, dass Anaïs – und die Bevölkerung von Beromünster – schlagartig mit der Tatsache konfrontiert wurden, 80 fremde Menschen temporär in der Gemeinde aufzunehmen. Für die Gewinnerin hat sich das Thema mit dieser Auszeichnung aber nicht einfach so erledigt. «Ich kann mir gut vorstellen, in näherer Zukunft in der Asylpolitik tätig zu werden, sei es in der Freiwilligenarbeit oder politisch. Das Thema Flucht wird mich sicherlich ein Leben lang begleiten.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.