SCHNEEMANGEL: Ohne Schnee fehlen die Emotionen

Für Schneefreunde verheissen die Prognosen nichts Gutes: Weisse Weihnachten dürfte es auch dieses Jahr nicht geben. Während Sportgeschäfte die Enttäuschung spüren, helfen sich Skigebiete anderweitig.

Livio Brandenberg
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Viel Grün, wenig Weiss: Blick auf die Klostermatte in Engelberg. (Bild: Philipp Schmidli (16. Dezember 2016))

Viel Grün, wenig Weiss: Blick auf die Klostermatte in Engelberg. (Bild: Philipp Schmidli (16. Dezember 2016))

Livio Brandenberg

Grüne Wiesen und Nebel statt Schnee und Sonne begleiten im Flachland die Adventszeit. Weisse Weihnachten? Laut Meteorologen auch dieses Jahr Fehlanzeige (siehe Interview links). Statistisch sind grüne Weihnachten heute nicht häufiger als etwa in den 1960er-Jahren. Trotzdem drückt der Schneemangel die winterliche Stimmung.

Zu spüren bekommen das etwa die Sportgeschäfte im Flachland. «Wir merken, dass die Leute deutlich weniger Lust haben, Ski oder Snowboard zu kaufen, wenn kein Schnee liegt», sagt Joy Russo vom Shop Goofy & Regular an der Moosstrasse in Luzern. Das gelte vor allem für Familien und für «normale» Skifahrer und Snowboarder. Die «Cracks», also die angefressenen Wintersportler, die sich schon in Frühling auf den nächsten Winter freuen, die kämen sowieso. Für alle anderen gelte: Je später der Schnee komme, desto geringer sei die Lust, in die Saison zu steigen, sagt Russo.

«Die Leute warten, bis der Schnee vor der Türe liegt»

Ein weiterer negativer Effekt des Schneemangels im Flachland ist laut dem Snowboard- und Skiverkäufer die Unsicherheit der Wintersportler «Die fragen sich dann, ob es überhaupt noch Schnee geben wird, und lassen den Skikauf oft bleiben.» Wegen der fehlenden winterlichen Stimmung und der bei vielen damit einhergehenden Zögerlichkeit verkaufe man weniger Schneesportartikel. «Von Jahr zu Jahr fast 10 Prozent weniger», sagt Russo. Die letzten vier Jahre habe der Laden eine stetige Abnahme bei den Wintersportartikel-Verkäufen verzeichnet. Schuld daran sei aber auch der starke Franken – zuerst gegenüber dem US-Dollar. «Heftig» sei danach die Auf­hebung der Euro-Untergrenze im Januar 2015 für den Shop gewesen, sagt Russo.

Bei Ochsner Sport tönt es ein wenig anders: «Eigentlich unterscheiden sich die Verkäufe nicht zu den Vorwintern», sagt Steve Schennach, Pressesprecher der Dosenbach-Ochsner AG. Weil die Ladenkette jeweils im November ein Rabattprogramm anbietet, würden viele Stammkunden ihre Wintersport-Ausrüstung dann kaufen. «Alle anderen warten, bis sie in die Berge fahren oder der Schnee vor der Haustüre liegt», so Schennach. Bei den unter dem Nebel herrschenden tiefen Temperaturen verkaufe man vor allem warme Kleidung, Mützen und Handschuhe. Schlitten ­seien ein beliebtes Weihnachtsgeschenk, grosse Mengen absetzen werde man aber wohl erst, wenn der Schnee bis ins Flachland fällt. «Das ist seit Jahrzehnten so und wird sich vermutlich auch nicht so schnell ändern», sagt Schennach.

Ohne Beschneiungsanlagen geht gar nichts

Ebenfalls wenig Kopfzerbrechen bereitet der fehlende Schnee den Skigebieten. Denn: Die meisten machen den Schnee schlicht selber. So etwa in Engelberg: «Dank des technischen Schnees sind die Pisten auf der Titlis-Seite alle offen und in einem guten Zustand. Auch die Klostermatte», sagt Frédéric Füssenich, Tourismusdirektor von Engelberg-Titlis. Zurzeit sei aller Schnee, der liege, künstlich, jedoch ohne Chemie, wie Füssenich betont. «Wenn wir diese Möglichkeit nicht hätten, sähe es düster aus.»

Doch so gebe es sogar grösseren Andrang: Rund 8 Prozent mehr Übernachtungen in Hotels und Ferienwohnungen seien zum jetzigen Stand gebucht, verglichen mit dem gleichen Zeitpunkt im letzten Jahr, sagt Füssenich. Deshalb sieht der Tourismusdirektor auch keinen Grund, das Angebot noch weiter zu diversifizieren. «Die Leute, die Ski fahren wollen, wollen Ski fahren», sagt er auf die Frage, ob man sich angesichts der prekären Schneeverhältnisse immer weitere Alternativangebote ausdenken müsse. «Wir gehen also nicht noch mit ihnen grillieren.»

Und auch Flurin Riedi, Tourismus­direktor der Ferienregion Andermatt, ist zufrieden mit der bisherigen Saison: «Bei uns kann man Ski fahren. Dank den Beschneiungsanlagen haben wir auch die Talabfahrt offen bis runter nach Andermatt.» Das Wetter im Flachland spiele seiner Region da in die Karten: «Der Nebel ist unser Freund», sagt Riedi. Doch man merke schon auch, dass den Leuten im Flachland momentan «die Motivation zum Skifahren infolge der fehlenden Winterstimmung fehlt». Bis vor drei Wochen sei der Buchungsstand gut gewesen. «Jetzt haben wir einige Stornierungen, weil die Leute verunsichert sind.»

Bild: Grafik LZ

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