Schnellere Reaktionszeit dank Kooperation: Zentralschweizer Rettungsdienste verlängern Pilotprojekt

Mehr Einsätze, bessere Auslastung, schnellere Reaktionszeit: Die koordinierten Einsätze der Rettungsdienste der Kantonsspitäler Luzern, Nidwalden, Obwalden und Uri haben sich bewährt. Nun wird auch eine Kooperation mit dem Rettungsdienst Seetal getestet.

Jonas von Flüe
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Ein Rettungsfahrzeug des Luzerner Kantonsspitals.

Ein Rettungsfahrzeug des Luzerner Kantonsspitals.

PD

Seit eineinhalb Jahren rücken die Rettungsdienste der Kantonsspitäler Luzern, Nidwalden, Obwalden und Uri koordiniert aus. Wie das Luzerner Kantonsspital (Luks) am Donnerstag mitteilte, ist das im September 2018 lancierte Pilotprojekt «Rettungsdienst Zentralschweiz» ein voller Erfolg. Erste Analysen hätten ergeben, dass die koordinierten Einsätze zu einer schnelleren Reaktionszeit, zu mehr Einsätzen und einer besseren Auslastung der Teams und Fahrzeuge geführt hätten. Damit verbunden sei auch eine bessere Versorgung der Bevölkerung.

Konkret hat sich die Zeit zwischen der Alarmierung und dem Eintreffen der Rettungsdienste verkürzt. Die Rettungsdienste trafen im Jahr 2019 mehr als 1000 Mal öfter innerhalb von 15 Minuten am Einsatzort ein als im Jahr 2016, das als Referenzperiode dient. Insgesamt wurden 2019 mit den gleichen Ressourcen rund 25'000 Einsätze gefahren – 3500 mehr als noch im Jahr 2016.

Standorte Rettungsdienst Zentralschweiz

Seetal soll stärker miteinbezogen werden

Definitiv eingeführt wird der Rettungsdienst Zentralschweiz aber noch nicht. Die Pilotphase wird mindestens bis Mitte 2021 verlängert. In jener Zeit sollen weitere Anpassungen getestet werden. Geprüft wird unter anderem eine engere Zusammenarbeit mit dem Rettungsdienst Seetal. Erste Gespräche zwischen der Luzerner Regierung, dem Luks und dem Rettungsdienst Seetal finden im Frühling statt.

CVP-Kantonsrat Daniel Rüttimann kritisiert, dass der Rettungsdienst Seetal in der ersten Projektphase nicht angemessen miteinbezogen wurde, begrüsst aber die Signale des Luks zur intensiveren Kooperation. Der Hochdorfer sagt: «Damit wäre der Bevölkerung des Seetals und der in den letzten Monaten optimierten medizinischen Versorgung in mehreren Orten des Seetals angemessen Rechnung getragen.» 

Eine Kooperation mit weiteren Rettungsdiensten aus den anderen Zentralschweizer Kantonen sei Teil einer internen Planung, sagt der Luks-Medienbeauftragte Markus von Rotz auf Nachfrage.

Feuerwehrstützpunkt in Luzern erhält Rettungsfahrzeug

Optimierungspotenzial wurde zudem im Bereich der Standorte und der Schichtzeiten ausgemacht. Deshalb wird ein Rettungsfahrzeug vom Areal des Luzerner Kantonsspitals zur Feuerwehr der Stadt Luzern in die Neustadt verschoben. Theo Honermann, Feuerwehrkommandant der Stadt Luzern, erklärt: «Wir haben zwar keine Reservefläche, aber die Zivilschutzorganisation Pilatus stellt uns einen Stellplatz zur Verfügung, so dass wir dem Rettungsdienst einen Stellplatz überlassen können.» Im Feuerwehrgebäude wird nun ein Arbeitsplatz mit dazugehöriger IT-Infrastruktur eingerichtet. Der Rettungsdienst dürfte im Mai einziehen.

Nach dem Ende der Pilotphase 2021 soll dann definitiv entschieden werden, ob eine dauerhafte Zusammenarbeit der Rettungsdienste Sinn macht.

Das Pilotprojekt «Rettungsdienst Zentralschweiz»

Basierend auf einer Analyse der Fachhochschule St. Gallen wirken sich eine kantonsübergreifende Zusammenarbeit der Rettungsteams und Anpassungen der Standorte und Dienstzeiten positiv auf die Rettungszeiten aus. Im September 2018 wurden die Standorte Luzern und Stans deshalb mit einem Fahrzeug aus dem «Fahrzeugpool Zentralschweiz» verstärkt und in Emmenbrücke ein temporärer Rettungsdienststandort eingerichtet. Alle bisherigen Standorte (Luzern, Sursee, Wolhusen, Stans, Sarnen, Andermatt, Altdorf) werden beibehalten.

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