SCHÜBELBACH: Wenn der Vater auch Trainer ist

Jeden Tag gehen sie gemeinsam ihrem Hobby nach: Markus, Michael und Thomas Bucher. Der Vater und seine beiden Söhne verbringen viel Freizeit miteinander. Im Teenageralter führte dies auch mal zu Reibereien.

Irene Infanger
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Vater und Trainer zugleich: Markus Bucher (Mitte) trainiert seine Söhne Michael (links) und Thomas. (Bild Eveline Beerkircher)

Vater und Trainer zugleich: Markus Bucher (Mitte) trainiert seine Söhne Michael (links) und Thomas. (Bild Eveline Beerkircher)

Es war der bisher grösste Erfolg für den 23-jährigen Michael Bucher aus Schübelbach: Mitte Juni durfte er am Eidgenössischen Turnfest in Biel als Sieger bei den Zehnkämpfern vom Platz gehen und darf sich seither Eidgenössischer Turnfestsieger nennen. Das ist nicht nur für ihn ein Highlight gewesen, sondern auch für seinen Bruder Thomas, der Zweiter wurde, sowie für seinen Vater. Markus Bucher trainiert nämlich zwei seiner drei Söhne seit Jahren. «Es ist natürlich schön, wenn man mit seinem Vater einen Erfolg feiern darf. Für mich ist es normal und ich möchte es nicht anders haben», erklärt der 23-Jährige. «Das ist einfach riesig gewesen, vor allem weil Thomas Zweiter wurde», freut sich auch der 47-jährige Vater.

Viele Trainingseinheiten

Die drei Leichtathleten stehen praktisch jeden Tag gemeinsam auf dem Trainingsgelände. Ihr Trainer und Vater Markus Bucher verlangt einiges von ihnen. «Michael trainiert gut achtmal in der Woche. Da liegen andere Hobbys kaum mehr drin», so Bucher. «Manchmal habe ich das Gefühl, dass er bei jenen, die grössere sportliche Ziele haben, etwas strenger ist», ergänzt Michael.

Für den 23-Jährigen ist es ein grosser Wunsch, bei wichtigen internationalen Wettkämpfen teilzunehmen oder sogar einst an den Olympischen Spielen dabei zu sein. Aber gerade in der Pubertät war für ihn der Sport nicht immer gleich wichtig wie für seinen Vater. «Wenn es im Training mal nicht so super gelaufen ist, dann wurde zu Hause oft weiter­diskutiert. Da konnte es auch mal etwas lauter werden», erinnert sich der gelernte Elektriker. «Damals wäre ich froh gewesen, wenn man nach dem Training einfach hätte abstellen können», gesteht Michael. Solche Reibereien seien heute jedoch kein Thema mehr. Dies habe sich herausgewachsen, betont Vater Markus. «Heute ist es dafür ein Vorteil, wenn ich sehe, wie es ihnen vor und nach dem Training geht», ergänzt er. Da Vater Markus gleichzeitig auch noch der Masseur ist, geht alles in einem. «Bei uns zu Hause geht es aber natürlich nicht nur um das Thema Sport», so der langjährige Trainer.

Und doch, die sportliche Ausübung in der Freizeit prägte die Kinder der Buchers. Denn die ganze Familie ist sportlich aktiv und alle sind Mitglied des Turnvereins Buttikon-Schübelbach: Mutter Coni ist Leiterin der Geräteriege, Bruder Stefan turnt ebenfalls mit und war früher auch im Mehrkampfteam Obermarch. Vater Markus ist nun seit gut 30 Jahren als Leitathletiktrainer aktiv. «Wir sind schon immer sportlich aktiv gewesen und im Turnverein gross geworden», erklärt Michael. Schon als Kinder wollten sie jeweils an die Wettkämpfe mitgehen, erinnert er sich. «Und in den Ferien, als meine Mutter das Gefühl hatte, ich hätte zu viel Energie, hat sie mich meinem Vater in die Trainings mitgegeben.»

Turnen mit Ivo Rüegg

Besonders in Erinnerung blieben Michael die Trainings mit dem späteren erfolgreichen Bobfahrer Ivo Rüegg. «Das hat natürlich immer besonders Spass gemacht», sagt Michael mit einem Lächeln. Dafür wusste er schon früh, dass ihm das Geräteturnen nicht liegt. «Ich habe ein Jahr lang bei meiner Mutter Geräteturnen gemacht. Das hat mir aber gar nicht gefallen», sagt er lachend und ergänzt: «Ich bin nicht so beweglich. Und wenn ich nur daran denke, einen Salto machen zu müssen, dann löscht es mir ab.»

Die drei Söhne, die mittlerweile ihre Erstausbildung beendet haben, wohnen noch alle bei ihren Eltern. Das gemeinsame Hobby und die Nähe zu ihren Söhnen geniessen die Eltern Bucher, vor allem weil sie eine enge Bindung hätten. Als die beiden älteren Söhne gemeinsam in die RS einrücken mussten, wurde es zu Hause in Schübelbach einiges ruhiger. «Das war für uns ziemlich langweilig», so Markus Bucher. Und er weiss natürlich: «Früher oder später wird einer nach dem anderen ausziehen. Irgendeinmal müssen sie ihren Weg machen, auch wenn wir sie am liebsten immer zu Hause hätten.»

Schweizer Meisterschaft

Erst liegt nun aber der Fokus auf den kommenden Schweizer Meisterschaften im Mehrkampf, die am 17./28. August in Landquart stattfinden. Für diese trainieren die rund 15 Athleten des Mehrkampfteams Obermarch intensiv. Wie lange Markus Bucher noch als ihr Trainer aktiv ist, kann er nicht sagen. «Ich habe mir einmal gesagt, ein anderes Hobby zu suchen, wenn meine Kinder mal nicht mehr Leichtathletik machen. Das hat mir aber meine Frau noch nicht abgenommen.»