SCHWYZ: Alarmübungen sind überholt

Wenn es brennt, sind sie schnell, sehr schnell sogar. Die Schwyzer Feuerwehren trainieren sich laufend fit, aber nicht mehr mit Alarmübungen. Es gibt bessere Methoden.

Erhard Gick
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Übungen haben bei den Feuerwehren höchste Priorität, nicht aber Alarmübungen. Sie sind Vergangenheit. (Bild: Erhard Gick)

Übungen haben bei den Feuerwehren höchste Priorität, nicht aber Alarmübungen. Sie sind Vergangenheit. (Bild: Erhard Gick)

Übung macht den Meister, ein altes Sprichwort, das sicher auch bei den Feuerwehren des Kantons Schwyz seine Richtigkeit hat. «Selbstverständlich üben wir immer und immer wieder den Ernstfall», sagt Major Robert Betschart, Oberkommandant der Stützpunktfeuerwehr Küssnacht. Man müsse sich laufend fit trainieren. Was aber in Küssnacht wie bei vielen anderen Schwyzer Feuerwehren längst der Vergangenheit angehört, sind die so genannten «Alarmübungen». Bei diesen wussten die Feuerwehrleute in der Vergangenheit nicht, ob es jetzt ein Ernstfall war oder sich eben «nur» um eine Übung handelte. «Die Alarmübungen machen keinen Sinn mehr, sie sind überholt – und dies seit einigen Jahren», sagt Oberkommandant Betschart. «Was wir haben, sind aber Probe­alarme, bei denen wir testen, ob das System funktioniert», sagt der Küssnachter.

Viele Ernsteinsätze

Die Alarmübungen werden in Absprache mit dem Kantonalen Feuerwehrinspektorat von der Kantonspolizei Schwyz bereits bei der Auslösung des Alarms als Übung bezeichnet. Wie David Mynall, Mediensprecher der Kantonspolizei Schwyz, gegenüber dem «Höfner Volksblatt» erklärte, diene diese klare Deklarierung der Sicherheit der Feuerwehrleute. «So möchten wir einerseits unerlaubte Dringlichkeitsfahrten verhindern und andererseits dafür sorgen, dass beim Einrücken besser auf den Verkehr geachtet wird.» Nicht alle Kommandanten schätzen diese Massnahme zu gleichen Teilen, weil der Überraschungseffekt für die Feuerwehren verloren gegangen sei. Verständnis dafür hat aber der Küssnachter Oberkommandant Robert Betschart.

«Früher waren die Alarmübungen eine Vorschrift des Feuerwehrinspektorats. Auch Alarme sollen zu einer gewissen Routine und Ruhe beim Feuerwehrmann führen. Er soll sich schon zu Hause überlegen, was er genau zu tun hat. Diesbezüglich ist es sinnvoll, sicher auf einen Schadenplatz zu kommen, vor allem auch bei einer Übung», erklärt Betschart.

Es lägen zudem bei einer Stützpunktfeuerwehr wie jener in Küssnacht spezielle Bedingungen vor. Bei 50 bis 70 Ernsteinsätzen pro Jahr machten die überraschenden Alarme kaum mehr Sinn. «Die Feuerwehrangehörigen wissen, dass sie während zwei bis vier Wochen eine alarmfreie Zeit geniessen dürfen. Wenn dann die erste Übung anfällt, ist der Puls eh in der Höhe», so Betschart.

Ausserschwyzer Überlegungen

Letztmals wurde bei den Feuerwehren Altendorf, Lachen und Freienbach eine Alarmübung nach altem Muster durchgeführt. Aber auch bei den Ausserschwyzer Feuerwehren wird jetzt schon laut über eine Einstellung dieser Praxis nachgedacht, wie dies Guido Rauchenstein, Kommandant der Feuerwehr Lachen, bestätigt. Gegenüber dem «Höfner» sagte er: «Wir denken, dass wir in Zukunft keine Alarmübungen mehr durchführen. Das Ziel dieser Übungen lag ursprünglich darin, zu sehen, wie viele Einsatzkräfte im Notfall wirklich einsatzbereit sind.» Rauchenstein wird gar konkreter. Seit die Übungen als solche bezeichnet werden, und dies ist seit Anfang Jahr der Fall, hat sich einiges getan. Wer zum Zeitpunkt der Übungsalarmierung etwas Wichtigeres zu tun habe, «der reisst sich kein Bein mehr aus, um dabei zu sein». In der Ernstfallpraxis sehe dies selbstverständlich anders aus.

Gezielte Ausbildung

Für den Küssnachter Oberkommandanten Robert Betschart steht fest, dass Übungen nach wie vor oberste Priorität geniessen. «Wir bilden unsere Leute gezielt in allen Richtungen aus. Das gilt auch, wenn wir eine Hauptübung durchführen, dann weiss man schon zu Hause, dass es sich um eine solche handelt. Innerhalb dieser Einsätze werden dann Schwerpunktthemen festgelegt, in welche Richtung unsere Einsatzkräfte beübt werden.» Das planmässige Aufbieten habe auch den Vorteil, dass nicht alle gleichzeitig auf dem Schadenplatz einfinden. «So sind wir in der Lage, das Aufgebot an Feuerwehrleuten gezielt zu steuern und eventuell noch Nachaufgebote zu veranlassen», erklärt Betschart. Ein Umstand, der dem Ernstfall am ehesten entspricht.