SCHWYZ: Betrugsfall erneut vor Gericht

Die Firma Ipco prellte Hunderte Gläubiger um 125 Millionen Franken. Nun kommt der Fall vor Kantonsgericht. Beide Seiten hatten Beschwerde eingereicht.

Andrea Müller
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In diesen Gebäuden sind die Kantonalen Gerichte in Schwyz untergebracht. (Archivbild Keystone / Sigi Tischler)

In diesen Gebäuden sind die Kantonalen Gerichte in Schwyz untergebracht. (Archivbild Keystone / Sigi Tischler)

Es ist der grösste Betrugsfall der Geschichte des Kantons Schwyz – und er wird jetzt neu aufgerollt: der sogenannte Ipco-Prozess. Wie das Kantonsgericht Schwyz auf Anfrage bestätigt, findet am 26. und 27. April, also ziemlich genau drei Jahre nach dem Urteil des Strafgerichts, die Berufungsverhandlung statt. «Der ganze Prozessstoff liegt wieder auf dem Tisch», bestätigt Kantonsgerichtspräsident Urs Tschümperlin auf Anfrage.

433 Privatklagen eingereicht

Das vorinstanzliche Urteil des Strafgerichtes Schwyz vom 11./12. April 2013 wird mehrfach angefochten, wie Tschümperlin sagt. Beim Fall Ipco gibt es rund 600 Geschädigte, davon haben laut Tschümperlin 433 Privatklage eingereicht. Das sei auch der Grund, weshalb es lange gedauert habe, bis es nun zur Berufungsverhandlung kommt. «Das Vorverfahren war aufwendig, nun ist es aber abgeschlossen.» Beim Vorverfahren wurde geprüft, auf welche der 433 Klagen eingetreten wird. Es bleiben nun für das Verfahren noch wenige übrig. Tschümperlin sagt ausserdem, dass nicht nur von den Geschädigten, sondern auch von Seiten der Verurteilten Beschwerde eingereicht worden ist.

Beim Ipco-Prozess handelt es sich um einen schweren Fall der Wirtschaftskriminalität. Die Firma Ipco Investment AG aus Pfäffikon hatte zwischen 1997 und 2004 von rund 650 Kunden 125 Millionen Franken angenommen, um Devisengeschäfte zu tätigen. Die Geschäfte wurden aber nie durchgeführt, und das Geld blieb verschwunden.

Betroffen war auch die Schwyzer Victorinox AG, die dabei 12 Millionen Franken verlor. Aufgeflogen ist die Firma Ipco 2005, als die Eidgenössische Bankenkommission (heute Finma) den Konkurs über die Gesellschaft eröffnete. Im Prozess wurde der Hauptangeklagte, der Firmenchef, erstinstanzlich vom Schwyzer Strafgericht wegen gewerbsmässigen Betrugs, Geldwäscherei, Urkunden­fälschung und weiterer Delikte zu einer siebenjährigen Freiheitsstrafe und einer Geldstrafe verurteilt. Deutlich milder fielen die Verdikte bei den Mitangeklagten aus: Der Geschäftsführer der Ipco wurde zu 24 Monaten bedingt, die Sekretärin zu einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen verurteilt.

Schwyzer Justiz kritisiert

Im Fall Ipco wurde und wird die Schwyzer Justiz kritisiert. Die Geschädigten, die in einer Interessengemeinschaft (IG Ipco) organisiert sind, haben zudem Strafanzeige gegen die Staatsanwaltschaft Schwyz eingereicht. Den im Fall Ipco verantwortlichen Staatsanwälten wurde Amtspflichtverletzung vorgeworfen. Sie sollen schon ab 1997 von den Geschäften der Ipco gewusst, es aber unterlassen haben, diese zu stoppen.

Wie der Sekretär der IG Ipco, Hans-ueli Salinger, nun auf Anfrage sagt, sei die von 200 Gläubigern im Sommer 2013 eingereichte Strafanzeige vom damaligen Oberstaatsanwalt Benno Annen an den herbeigezogenen ausserkantonalen Staatsanwalt Beat Fehr weitergereicht worden. «Doch dieser schlug sämtliche Anzeigen mittels Nichtanhandnahmeverfügung aus. Die schwerwiegenden Vorwürfe blieben wegen angeblicher Verjährung ungeprüft.»
 

Andrea Müller

 

Niederlage für Geschädigte

Bundesgericht sda/red. Die durch den Betrug der Devisenhandelsfirma Ipco Investment AG aus Pfäffikon geschädigten Anleger können gegenüber dem Zertifizierungsunternehmen der Ipco keine Schadenersatzansprüche geltend machen. Ein entsprechender Versuch einer Schwyzer Firma endete gestern erfolglos vor Bundesgericht.

Qualitätsmanagement vorhanden

Gut fünf Jahre bevor die betrügerischen Machenschaften der Ipco unterbunden wurden, erhielt die Firma von einem dafür zugelassenen Unternehmen ein ISO-Zertifikat ausgestellt. Dieses belegte, dass die Ipco über ein Qualitätsmanagement verfügte. Wie bereits die Vorinstanz kommt das Bundesgericht in seinem am Freitag publizierten Urteil zum Schluss, dass ein Anleger allein aufgrund der Zertifizierung keine Garantie habe, dass getätigte Investitionen auch zurückgezahlt würden.

Hohe Rendite ist zu hinterfragen

Vielmehr seien dafür weitere Abklärungen notwendig. Besonders wenn, wie im Fall Ipco, eine hohe Rendite zwischen 20 und 30 Prozent in Aussicht gestellt werde. Gescheitert ist das geprellte Unternehmen vor Bundesgericht, weil es nicht aufzeigen konnte, inwiefern die ISO-Zertifizierung bei Anlegern die konkrete Erwartung hätte wecken können, dass das investierte Geld auch wieder zurückkommt.