SCHWYZ: Bruder der Bundesrätin möchte in den Gemeinderat

Sein Interesse an Politik wurde nicht zuletzt durch seine Schwester geweckt. Nun will Stefano Sommaruga in Arth Gemeinderat werden.

Carlo Schuler
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Beim zweiten Versuch soll’s klappen: Stefano Sommaruga will in Arth in den Gemeinderat. (Bild: PD)

Beim zweiten Versuch soll’s klappen: Stefano Sommaruga will in Arth in den Gemeinderat. (Bild: PD)

«Die Chancen, dass es dieses Jahr klappen könnte, stehen wohl nicht schlecht», meint Stefano Sommaruga. Und schiebt dann gleich ein «Aber man weiss ja nie» nach. Sommaruga möchte am 22. April in den Arther Gemeinderat gewählt werden. Vor vier Jahren hatte er das schon mal probiert, scheiterte aber trotz gutem Resultat knapp. Sommaruga? Genau: Stefano Sommaruga ist der Bruder der Bundesrätin Simonetta Sommaruga.

Sein politisches Interesse sei bestimmt auch durch seine Schwester geweckt worden, sagt der 51-jährige gelernte Automechaniker und Lehrer. «Wir sehen uns regelmässig. Dabei ist die Politik immer auch ein Thema. Wir unterhalten uns aber auch immer wieder bestens über ganz andere Themen.» Unvergesslich bleibt für ihn der Tag, als seine Schwester in den Bundesrat gewählt wurde. Er selber war damals bei der Wahl im Bundeshaus anwesend. Er bewundere, wie seine Schwester die Themen sachlich, aber auch mit viel Hingabe und Verantwortungsbewusstsein angehe.

Stefano Sommaruga erwähnt, dass ihm politische Themen schon durch die frühere ­Tätigkeit seiner Schwester als Konsumentenschützerin nähergekommen seien. Über Politik sei bei Sommarugas zu Hause aber schon viel früher immer geredet worden: «Unser Vater war Werkleiter bei der Lonza in Sins. Er hatte ein sehr soziales Denken, und das Wohl seiner Mitarbeiter war ihm sehr wichtig.» Zudem sei der Vater für die CVP in der Schulpflege gewesen. Die Mutter ihrerseits habe sich sehr für Drittweltthemen engagiert.

SP schied vor vier Jahren aus dem Gemeinderat aus

Der Gemeinderat Arth besteht aus neun Mitgliedern. Vier Sitze hält zurzeit die CVP inne, drei die SVP und zwei die FDP. Bei den Teilerneuerungswahlen vom 22. April geht es um die Wahl des Gemeindepräsidenten, des Säckelmeisters und von vier weiteren Gemeinderäten. Wegen des Rücktritts eines SVP-Vertreters wird ein Sitz im Gemeinderat frei. Aufgrund dieser Ausgangslage hofft Stefano Sommaruga, dass die SP wieder in den Gemeinderat eingebunden wird. Am liebsten wäre ihm, wenn er gemeinsam mit seiner SP-Kollegin Sonja Prelicz gewählt würde. Bis vor vier Jahren war die SP nämlich gar noch doppelt im ­Arther Gemeinderat vertreten. «In unserer Gemeinde stehen wichtige Projekte an. Da ist es doch nur selbstverständlich, dass alle Meinungen einbezogen werden.»

Stefano Sommaruga sieht sein Engagement aber auch in einem grösseren Kontext. In der Zentralschweiz gebe es mit Dimitri Moretti im Kanton Uri nur noch einen einzigen SP-Regierungsrat und mit Priska Birrer-Heimo nur noch eine einzige SP-Vertreterin in den eidgenössischen Räten. Sommaruga findet aber, dass möglichst alle politischen Lager in den jeweiligen Regierungen und Parlamenten vertreten sein sollten.

Seine Schwester, Bundesrätin Simonetta Sommaruga, weist ebenfalls darauf hin, wie wichtig es sei, dass sich eine Vielfalt von Meinungen in einen politischen Prozess einbringen könne. Dies erlebe sie in ihrer Arbeit immer wieder. Bundesrätin Sommaruga wünscht der Arther SP und ihrem Bruder jedenfalls viel Glück: «Als Automechaniker, Lehrer, Schulleiter und Case Manager bringt Stefano für dieses Amt einen breiten Rucksack mit.»

Tiefes absolutes Mehr verhinderte zweiten Wahlgang

Stefano Sommaruga selber beteuert, dass er vor der Arbeit eines Gemeinderates nach wie vor grossen Respekt habe. Bei der Wahl vor vier Jahren hatte Sommaruga das absolute Mehr zwar erreicht, schied damals aber als überzählig aus. Im Kanton Schwyz wurden die Hürden zur Erreichung des absoluten Mehrs vor einigen Jahren deutlich gesenkt. Deshalb kam es in Arth 2014 zu keinem zweiten Wahlgang.

Auf einen solchen sind Vertreterinnen und Vertreter kleinerer Parteien aber oftmals angewiesen, um den Sprung in eine Exekutive zu schaffen. So ist es denkbar, dass die Schwyzer SP im Jahr 2012 in der Schwyzer Regierung verblieben wäre, wenn es damals zu einem zweiten Wahlgang gekommen wäre. In Uri hingegen ist die SP noch immer in der Regierung vertreten. Dies auch darum, weil der Kanton Uri noch mit einem richtigen – also strengen – absoluten Mehr wählt. Allerdings ist die Ausgangslage für die ­Arther SP diesmal deutlich besser als vor vier Jahren. CVP und SP spannen heuer bei den Wahllisten nämlich teilweise zusammen.

Carlo Schuler

redaktion@zentralschweizamsonntag.ch