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SCHWYZ: Dank Bauernschläue wurden sie zu Schnapsbrennern

Über 40 Schweizer Betriebe öffneten am Samstag am nationalen Brennertag ihre Türen. Die Schaubrennerei der Gebrüder Z’graggen zählt dabei zu den innovativsten. Ein Besuch am Lauerzersee.
Stephan Santschi
Andreas (links) und Tony Z`graggen in der Brennerei in Lauerz, die ihr Vater 1948 aufbaute.Bild: Roger Grütter (Lauerz, 10. November 2016)

Andreas (links) und Tony Z`graggen in der Brennerei in Lauerz, die ihr Vater 1948 aufbaute.Bild: Roger Grütter (Lauerz, 10. November 2016)

«Das ist das Herz unserer Firma. So wie es die Kuhscheune auf einem Bauernhof ist.» Stolz präsentiert Tony Z’graggen (59) den Produktionsraum mit den acht Brennblasen. Gemeinsam mit Bruder Andreas (53) führt er die Schaubrennerei in Lauerz in zweiter Generation – übernommen vom mittlerweile verstorbenen Vater Anton, der das Geschäft 1948 zum Leben erweckt hatte.

Der Vergleich mit der Landwirtschaft kommt dabei nicht von ungefähr: Vater Z’graggen war Bauer, nutzte die Lohnbrennerei als Zusatzverdienst. Heute gilt das Unternehmen in seiner Branche als eines der grössten des Landes. Reich dekoriert wurde es mit Goldmedaillen, 101 insgesamt. Doch dazu später mehr.

Nachwuchs stand schon früh in der Pflicht

2700 Liter fassen die acht Brennblasen, in denen verschiedenste Schnäpse hergestellt werden. Im Moment sind Zwetschgen an der Reihe, schon beim Eintreten setzt sich der typische Geruch in der Nase fest. 1994 hat man die Schaubrennerei als Touristenattraktion eingerichtet. «Wir destillieren den Alkohol mit Blick auf den Lauerzersee», sagt Tony Z’graggen. Auf der anderen Strassenseite, unmittelbar am Wasser, steht die «Fischerstube». Ein Restaurant, das ebenfalls den Z’graggens gehört und das die Besucher nach der Besichtigung zum Essen nutzen können. Bald wird sie abgerissen und neu gebaut – damit die verschiedenen Events noch besser vermarktet werden können. «Wir planen mit Weitsicht, das haben wir beide von unserem Vater gelernt», sagt Andreas Z’graggen und ergänzt schmunzelnd: «Die Bauernschläue hat ihn immer ausgezeichnet.» Anton Z’graggen erwarb das Grundstück am See, weil er sich der Attraktivität des Ortes bewusst war. Um zu wachsen, kaufte er Konzessionen und Infrastruktur von Brennereien, die geschlossen werden mussten. Seinen Nachwuchs nahm er früh in die Pflicht. Wenn die anderen Kinder Fussball spielten oder badeten, hiess es im Hause Z’graggen: an die Arbeit. Die Brüder haben ihren Beruf von der Pike auf gelernt. Egal, ob Lastwagen fahren, Früchte einlegen, destillieren, abfüllen oder administrative und logistische Arbeiten – «wir können jeden von unseren zehn Angestellten ersetzen», sagt Andreas. Als gelernter Koch brachte er zudem hygienische Standards ein, derweil Tony als Absolvent der Handelsschule bald in den Verkauf und ins Büro miteinbezogen wurde. Diese Vielseitigkeit und die Leidenschaft für das Familienunternehmen waren mitentscheidend dafür, dass die Z’graggens im Anschluss an das Jahr 1999 nicht eingegangen sind. Damals, als die Schweizer Alkoholpolitik liberalisiert und eine einheitliche Steuer für einheimische und importierte Spirituosen eingeführt worden ist. Heute zählt das Sortiment der Schaubrennerei mit Shops in Lauerz und Altdorf rund 55 Spezialitäten – vom Wein über den Likör bis zum Edelbrand. Und was läuft am besten? «Das hängt vom Abnehmer ab», sagt Tony Z’graggen und präzisiert: «Die Lebensmittelindustrie braucht Kirsch für Fondue, Torten, Kirschstängeli oder Basler Läckerli. Die Gastronomie bestellt am meisten Zwetschgen oder Honigchrüter. Chrüter feiert generell eine Renaissance. Und privat nehmen unsere Kunden gerne Fruchtliköre, Eierkirsch oder Whisky-Cream mit nach Hause.»

Letztlich zeugt der Name Z’graggen auf jeder Flasche von Qualität, davon konnten sich gestern auch jene überzeugen lassen, welche den nationalen Brennertag für eine Stippvisite nutzten. Wie erwähnt, ist die Schaubrennerei reich dekoriert. Allein im Jahr 2015 holte man in zehn Kategorien die Goldmedaille und gewann damit zum fünften Mal den Titel «Schweizer Brennerei des Jahres». Die dritte Generation steht dabei schon in den Startlöchern. Tonys Sohn Alex (24) macht derzeit den Master in Wirtschaft und Marketing. Daniel, der 22-jährige Junior von Andreas, ist ausgebildeter Weintechnologe und mit dem Bachelor in Lebensmitteltechnologie beschäftigt.

Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

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