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SCHWYZ: Delikte von häuslicher Gewalt: Fälle haben sich verdoppelt

Drohungen in den eigenen vier Wänden nehmen massiv zu. Ein Grund dafür sei, dass mehr ermittelt statt vermittelt wird, so die Leiterin der Opferberatungsstelle.
Rahel Lüönd
Immer mehr Fälle häuslicher Gewalt werden bekannt. Im Bild eine gestellte Szene. (Bild: Keystone)

Immer mehr Fälle häuslicher Gewalt werden bekannt. Im Bild eine gestellte Szene. (Bild: Keystone)

«Ich zeige dich an, wenn ...» oder: «Ich weiss genau, was du damals getan hast.» Mit solchen Aussagen kann man jemanden stark unter Druck setzen, ja ihn sogar zu ungewollten Handlungen zwingen. Gerade wenn diese vom eigenen Partner stammen, ist eine Abgrenzung schwierig. Erpressung, Drohung und Nötigung in den eigenen vier Wänden gibt es laut der Statistik der Opferberatungsstelle Kanton Schwyz immer öfters. Die Fälle haben sich in Schwyz von 48 (2012) auf 57 (2013) bis hin zu 98 Fällen im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt.

Keineswegs eine Eintagsfliege

Ebenfalls angestiegen sind die effektiv zu Hause begangenen Gewalttaten (siehe Kasten). Obwohl die Zahlen des aktuellen Jahres noch nicht im Detail ausgewertet und abschliessend sind, zeigt sich bereits jetzt: Die hohe Zahl an Fällen von häuslicher Gewalt im Kanton Schwyz hält weiter an. Häusliche Gewalt ist also keineswegs eine Eintagsfliege.

«Gewalt wird nicht mehr toleriert»

Evelyne Marciante, welche die Opferberatungsstelle für die Kantone Schwyz und Uri leitet, ist überrascht über den Anstieg der Fallzahlen: «Die Zahlen waren in den letzten Jahren relativ kontinuierlich», sagt sie und fügt an: «Ich habe deshalb zuerst einen einmaligen Ausschlag in Betracht gezogen.» Auf der anderen Seite seien aber in der letzten Zeit durchaus Veränderungen bei Behörden und Gesellschaft spürbar gewesen. «Ich habe den Eindruck, dass die Polizei mehr ermittelt und weniger vermittelt als früher», sagt Marciante. Wenn die Polizei bei Fällen von häuslicher Gewalt einschreitet, komme es zu einer Anzeige. «Auch die Gesellschaft will Gewalt offenbar nicht mehr tolerieren, sondern geht gegen sie vor», sagt Marciante.

Der Anstieg der Zahlen könnte aber auch das Ergebnis jahrelanger Sensibilisierung durch Behörden und Fachstellen sein. Immer wieder haben diese mit Broschüren und Anlässen auf die Problematik hingewiesen – was dem einstigen Tabuthema letztlich sein Schattendasein nahm. So gesehen hätte dann nicht die häusliche Gewalt an sich zugenommen, sondern die Opfer setzen sich vermehrt zur Wehr.

Frauenhaus nur kurzfristige Lösung

Veränderungen hat es in den vergangenen Jahren aber nicht nur im Bereich der Sensibilisierung gegeben, sondern auch beim Umgang mit Tätern und Opfern. Unter anderem müssen laut Marciante Opfer heute weniger oft fliehen – viel eher wird der Täter aus der Familie geholt. Wenn beispielsweise eine Frau mit Kindern in Gefahr ist, können diese ihren Alltag in Schule und Freizeit weiterführen. Die Flucht in ein Frauenhaus passiert nur im Notfall – und ist als kurzfristige Lösung gedacht.

Seit diesem Sommer hat die Opferberatungsstelle für die Kantone Schwyz und Uri die Möglichkeit, mit der Polizei eine Gefährdungseinschätzung vorzunehmen. «Das entlastet uns, weil wir nicht allein die Verantwortung für schwierige Beurteilungen vornehmen müssen», sagt Evelyne Marciante. Jeder vierte Fall werde derzeit über «eine gewisse Zeit» als sogenannter Gefährderfall gemeldet und geführt, so Marciante weiter. Die in diese Fälle involvierten Personen stehen besonders unter Beobachtung, womit schlimme Taten möglichst verhindert werden sollen.

Fälle sind komplexer geworden

Gleichzeitig beanspruchen diese Gefährderfälle – aber auch der Anstieg an Fällen von häuslicher Gewalt – viel Zeit. «Der Beratungs- und Vernetzungsaufwand ist für uns grösser geworden», sagt Marciante. Die Beratungsstelle verzeichne in jüngster Zeit deutlich mehr Langzeitfälle. Da oft Aussage gegen Aussage stehe, handle es sich in diesem Bereich meist um schwierige Fälle, sagt Marciante. Denn selten gibt es Zeugen oder Aufnahmen darüber, was sich im privaten Kreis abspielt.

Genereller Anstieg der Gewalttaten

Faktenrl.Bei Sexual- und Tötungsdelikten, die zu Hause passiert sind, spricht man von häuslicher Gewalt. Ebenso gehören aber auch Erpressung, Drohung oder Nötigung in diese Kategorie. Vor allem letztere Delikte haben im Kanton Schwyz den Ausschlag für den starken Anstieg der häuslichen Gewalt im vergangenen Jahr gegeben.

Ebenfalls zugenommen hat 2014 die generelle Gewalt: Die Opferberatungsstelle verzeichnete im vergangenen Jahr 96 Fälle – 2013 waren es noch 58, ein Jahr zuvor deren 66. Der Anstieg ist auf die Zunahme bei der häuslichen Gewalt zurückzuführen, bei denen Personen körperlich verletzt worden sind. Öffentliche Gewalt, darunter sind etwa Schlägereien zu verstehen, gab es 2014 in 29 Fällen. Laut der Opferberatungsstelle schwanken diese Zahlen stark von Jahr zu Jahr.

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