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SCHWYZ: Der «Sägezetokter» vom Chatzenstrick

Anton Beeler repariert defekte Sensen. Der Landwirt aus Einsiedeln ist selber auch ein sehr guter Mäher. Er wurde schon dreimal Weltmeister.
Anton Beeler repariert Sensen in seiner Werkstatt auf dem Hof seines Sohnes. (Bild: Nadia Schärli (Einsiedeln, 17. August 2017))

Anton Beeler repariert Sensen in seiner Werkstatt auf dem Hof seines Sohnes. (Bild: Nadia Schärli (Einsiedeln, 17. August 2017))

Die Diagnose des «Sensendoktors» steht schnell fest: Bei zwei der drei vor ihm liegenden kaputten Sensen lässt sich nicht mehr viel machen. Eine Halterung ist defekt, die Sensenblätter sind zerschliessen und voller Rost. «Da müsste man so viel Rost abschleifen, dass am Schluss vom Sensenblatt kaum mehr etwas übrig wäre», meint der Sensenfachmann lakonisch. Eine Reparatur würde wohl teurer werden als eine neue zu kaufen. Die dritte Sense aber könne man noch retten, das Blatt sei jedenfalls noch ganz gut in Ordnung. Sagt’s und legt das defekte Gerät in sein Auto beim Bahnhöfli in der Dritten Altmatt.

Der Sensendoktor, das ist Anton Beeler vom Hof Günzli im Bezirk Einsiedeln. «Günzler» nennt man Beeler wegen seiner Herkunft in der Umgebung. Das Günzli liegt unweit des Chatzen­stricks, jenem alten Pilgerweg, der von der Altmatt und der Hochebene von Rothenthurm nach Einsiedeln führt. Anton ­Beeler arbeitet als Landwirt und repariert in seiner Freizeit defekte Sensen. Wobei: Anton Beeler redet natürlich nicht von «Sensen». Er sagt «Sägeze», so wie überall im Raum Innerschwyz.

Ein Deutscher gab ihm den Namen

Auch das mit dem «Sensendoktor», dem «Sägezetokter», hat seine Geschichte. Den Namen habe er nicht selber erfunden, räumt Anton Beeler ein. Dazu sei es vor vielen Jahren anlässlich eines Mähwettkampfes in Deutschland gekommen. Einem deutschen Teilnehmer sei die Sense kaputtgegangen und da habe er, Beeler, halt «ein bisschen an dieser Sense herumgeklopft», bis sie wieder funktioniert habe. Darauf habe ihm der Deutsche gesagt: «Du Toni, du bist ja ein richtiger Sensendoktor». Seither bezeichnet sich Anton Beeler bei Gelegenheit nun selber so. Im Festführer zum Wettmähen in der Altmatt hat er auch schon mal ein Inserat geschaltet für seine Reparaturdienste. «Sensendoktor» nennt sich Beeler darin.

So zwischen fünf bis zehn Leute seien es schon pro Jahr, die ihm ihre Sensen vorbeibringen. Bauern, Hobbybauern und natürlich auch jene, die an Mähwettkämpfen teilnehmen. Die Bauern würden die Sensen heutzutage noch etwa beim «Ausmähen» verwenden, also zum Beispiel einem Hag entlang oder um die Bäume herum.

Gut «tängelet» ist halb gemäht

Es seien wohl gut und gerne um die 100 «Sägeze», die er pro Jahr für seine Kunden «tängele». «Tängele» sagt man in der Schwyzer Mundart dem Dengeln, also jener Tätigkeit, bei welcher der stumpf gewordene Schneid des Sensenblattes durch beständiges Klopfen mit einem Hammer wieder scharfgemacht wird. Anton Beeler selber gebraucht dazu eine Maschine. «Wenn etwas mit der Sense nicht stimmt, dann wird das Mähen zu einem Chrampf», weiss er. Das Allerwichtigste sei, dass man die Sense immer gut «tängele». Sonst klappe das mit dem Mähen überhaupt nicht. Wenn einer beim Dengeln schlafe, so erwache er beim Mähen, habe vor Jahren einmal ein Appenzeller Landammann anlässlich einer Ansprache gesagt.

Bei den eigentlichen Reparaturarbeiten gehe es beispielsweise darum, den Spitz einer Sense wieder zurechtzubiegen, hin und wieder etwas zu schweissen oder dann auch die Sense wieder «ghörig» zu richten. Der Sinn des Richtens sei es, die Sense wieder so herzustellen, dass sie beim Mähen flach am Boden laufe und nicht beständig in den Boden hineinhaue.

Weltmeister fant für Weltmeisterin

Anton Beelers Gespür für Sensen und fürs Mähen muss in der Familie liegen. Schon sein Vater habe Sensen geflickt und sei ein sehr guter Mäher gewesen. Letzteres ist Anton Beeler selber auch. Er nimmt seit vielen Jahren an Mähwettkämpfen teil. Mit Martin Horat, dem Wetterschmöcker, der in der Ersten Altmatt vorne wohnt, und ein paar weiteren Kollegen hat Beeler vor über 30 Jahren das Wettmähen in der Dritten Altmatt gegründet. Vor allem aber: Anton Beeler ist im Teamwettbewerb schon dreimal Weltmeister geworden, zum letzten Mal vor einem Jahr. Schmunzelnd und nicht ohne Stolz erzählt er, wie es diesen Winter, als er mit dem Wendy-Holdener-Fanclub in St. Moritz bei den Skiweltmeisterschaften war, geheissen habe, jetzt komme der Weltmeister.

Frage an den Weltmeister zum Schluss: «Was für einen Tipp haben Sie für jene, die es selber einmal mit dem Mähen ausprobieren wollen?» Sensendoktor Beeler ist um einen Ratschlag nicht verlegen: «Ja nicht stossen, sondern immer ziehen, und die Sense schön flach halten.»

Carlo Schuler

redaktion@zentralschweizamsonntag.ch

Es wird wieder öfters von Hand gemäht

Hansjörg von Känel aus Gunzwil führt pro Jahr rund 20 Mähkurse durch und gilt als eigentlicher Mähexperte. Seine Kurse sind sehr gefragt. Es gebe mittlerweile ein klar gesteigertes Interesse, sagt von Känel. Es kämen Leute in seine Kurse, die zur Natur Sorge tragen möchten. Das Mähen mit der Sense habe gegenüber jenem mit dem Motormäher eindeutige ökologische Vorteile: Das Mähen von Hand mache keinen Lärm, keine Abgase und auch die Vegetation habe Freude, geschehe das Schneiden des Grases doch sehr schonend.

Sogar im Urbanen sind die Mähkurse immer ausgebucht. Hansjürg Bosshard von „Grün Stadt Zürich“ erklärt, in der Fachwelt habe sich eben die Erkenntnis durchgesetzt, dass der Einsatz mit der Sense für bestimmte Zwecke richtiggehend rentiere. Und dies sowohl ökologisch als auch ökonomisch. Bosshard verweist auf die diversen Vorteile der Sensen. So etwa führe der Einsatz von Fadenmähern beim Mähen von Baumrabatten unweigerlich zu Verletzungen am Stamm der Bäume. In der Stadt seien die zu mähenden Flächen klein und es habe viele Hindernisse. Die Sense sei da gegenüber dem Motor klar im Vorteil. Zudem gebe es in Sachen Lärm keine Reklamationen von Anwohnern mehr. Und selbstverständlich sei auch an die wegfallende Luftbelastung durch Abgase und Staub zu denken. Bosshard verweist noch auf einen zusätzlichen interessanten Aspekt: „Wenn jemand das Mähen mit der Sense beherrscht, kann er die gleiche Leistung erzielen wie jemand, der mit dem Motor arbeitet.“ In „Steilbörtern“ sei die Sense der Maschine sogar überlegen.

Das bestätigt auch Rebekka Reichlin, Mediensprecherin beim Bundesamt für Umwelt. Sie nennt diverse Vorteile des Handmähens gegenüber der maschinellen Bearbeitung: Das Mähen mit der Sense sei umweltschonend, gesund und bringe weitere ökologische Vorteile, weil durch die schonende Art der Pflege die Flora, Fauna und Artenvielfalt gefördert werde. Zu den konkreten weiteren Vorteilen zählt Rebekka Reichlin die Verminderung des Lärms und der Emissionen. Gerade im Siedlungsraum komme dies der ganzen Bevölkerung zu Gute. Zudem spiele in der Schweiz das Mähen mit der Sense eine wichtige Rolle im Biotopschutz, zum Beispiel bei Trockenwiesen.

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