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SCHWYZ: Eine uralte Tradition wird hinterfragt

Vor Jahrhunderten haben sich Bauern zusammengeschlossen, um gemeinsam Alpen, Weiden und Wald zu bewirtschaften. Bis heute wird der sogenannte Nutzen traditionsgemäss bar in der Dorfbeiz ausbezahlt. Jetzt kritisiert ein Rechtsexperte diese Praxis.
Urner Landräte wollen sich mehr Geld geben. (Bild: Philipp Schmidli)

Urner Landräte wollen sich mehr Geld geben. (Bild: Philipp Schmidli)

Es sind relativ kleine Beträge, welche die Genossenbürgerinnen und -bürger im Bezirk Schwyz im Dezember jeweils ausbezahlt bekommen. Kein Vergleich jedenfalls zu den zum Teil sehr hohen Auszahlungen, die gewisse Korporationen im äusseren Kantonsteil vornehmen. Zwischen 50 und 100 Franken sind es dieses Jahr – verschiedene Genossamen verzichten heuer aus Budgetgründen ganz auf die Auszahlung eines Nutzens

Die Tradition der Nutzenzahlung wird weitherum geschätzt. Davon ist Hans Reichmuth, Verwalter der Genossame Schwyz, überzeugt: «Die Leute sind dankbar. Sie freuen sich, Ende Jahr einen kleinen Obolus abholen zu können, ohne dass dafür etwas getan werden muss.»

Es geht um das Gefühl der Zusammengehörigkeit

Es gebe auch namhafte Personen, die den Nutzen immer persönlich abholen. Viele von ihnen würden diese Aufgabe nie delegieren, obwohl das möglich ist. «Es geht nicht ums Geld, es geht um die Zusammengehörigkeit. Das ist ein sehr wertvolles Zeichen in der heutigen Zeit.» Die Tradition lebe eben auch in Zeiten von Social Media und Internet.

Früher habe es eher noch Kritik gegeben, dass es nicht mehr zeitgemäss sei, solche kleinen Beträge in bar auszuzahlen, und dass man mit dem Geld «gescheiter etwas anderes machen» sollte. Solche Aussagen höre man in den letzten Jahren aber kaum mehr.

Die Genossame Schwyz bezahlt den Nutzen immer im Gebäude der Genossenverwaltung in Ibach aus. Die Abholquote sei sehr hoch, sagt Reichmuth. Im letzten Jahr betrug die Quote stolze 97 Prozent. «Das Ganze wird von unseren Mitgliedern sehr geschätzt und tausendfach verdankt.» Der Nutzen kann während sechs Monaten geltend gemacht werden. Für Reichmuth ist klar: «Es ist kaum zumutbar, alle Berechtigten in den gleichen zwei Tagen zur Abholung aufzubieten. Es gibt immer wieder Gründe, die ein Erscheinen verhindern.»

Die anderen Genossamen im Bezirk Schwyz zahlen den Nutzen in Restaurants aus. Der administrative Aufwand sei bei der Barauszahlung am kleinsten, findet zum Beispiel Franz Bissig, Geschäftsführer der Genossame Ingenbohl. «Zudem ist die Nutzenauszahlung ein gesellschaftliches Ereignis und eine Tradition, die seit Jahren so praktiziert wird. Etliche Nutzenabholer bleiben nach der Auszahlung im Restaurant sitzen.» Wer in Ingenbohl den Nutzen am festgelegten Datum nicht abholt, kann sich jeweils bis Ende Dezember bei der Verwaltung melden. Unter Abzug eines Unkostenbeitrages wird das Geld dann auf das Konto der Berechtigten überwiesen.

Wer nicht kommt, bekommt auch kein Geld

Bei mehreren Genossamen gilt der festgelegte Stichtag als verbindlich. Wird der Nutzen nicht abgeholt, so verfällt er zu Gunsten der Genossame. So ist es jedenfalls in Rothenthurm und seit diesem Jahr auch bei der Genossame Alpthal. Streng ist auch die Regelung der Oberallmeind-Genossame Arth. Der Anspruch auf den Genossennutzen ist verloren, wenn er nicht an einem von zwei Daten abgeholt wird. «Die Barauszahlung des Genossennutzens hat eine viele Jahrzehnte alte Tradition», so Präsident Michael Reichmuth. «Dem Genossenrat ist es ein Anliegen, dass sich die Genossenbürger jedes Jahr zum Abholen des Nutzens und zum gegenseitigen Austausch treffen können.» Nach Auskunft von Verwalter Edi Wiget haben letztes Jahr 1391 Bürgerinnen und Bürger den Nutzen abgeholt. Der Mitgliederbestand betrug damals 1611. Demnach hat letztes Jahr eine stattliche Anzahl Berechtigter keinen Nutzen bezogen. Das dürfte auch dieses Jahr so sein.

Weniger strikt ist dagegen die Genossame Yberg. Zwar erfolgt auch hier die Nutzenauszahlung eigentlich nur an den jeweils vorgängig publizierten Tagen. Anschliessend kann der Nutzen gemäss Verwalter Walter Marty aber noch von den Berechtigten bis spätestens Ende März im folgenden Jahr abgeholt werden.

Benjamin Schindler, Professor für öffentliches Recht an der Universität St. Gallen, findet, dass Gewinnanteile heutzutage grundsätzlich mittels PC- oder Banküberweisung überwiesen werden sollten. Wenn es sich allerdings um sehr tiefe Gewinnanteile handelt, so sei es verständlich, wenn diese nur auf Verlangen und nur in bar ausbezahlt werden. «Dies auf einen bestimmten Termin zu limitieren und ausserdem noch mit einem Restaurantbesuch zu verbinden, erscheint mir fragwürdig, wenn das nicht durch den Zweck der Genossame gedeckt ist.»

Etwas anders würde es sich verhalten, wenn der Betrag nur anlässlich der Versammlung der Genossenschafter ausbezahlt würde. «Auch in diesem Falle müsste aber die Möglichkeit bestehen, dass sich verhinderte Personen das Geld überweisen lassen oder zu einem anderen Zeitpunkt abholen können.» Als eine sinnvolle Lösung betrachtet er die Regelung der Genossame Schwyz mit der sechsmonatigen Verwirkungsfrist. «Grundsätzlich bin ich der Ansicht, dass die heutige Praxis in gewissen anderen Genossamen zumindest hinterfragt werden sollte.»

Carlo Schuler

redaktion@zentralschweizamsonntag.ch

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