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SCHWYZ: Einsiedler Dorfpolizist tritt ab: «Es war nicht nur angenehm»

40 Jahre hat Alfred Ochsner bei der Kantonspolizei gearbeitet. Als er in den Dienst eintrat, gab es weder Computer noch Internet oder Mobiltelefone. Uns sagt er, wie die Digitalisierung seinen Beruf verändert hat – und warum dies keineswegs nur ein Segen ist.
Stephanie Zemp
Nach 40 Jahren bei der Kantonspolizei Schwyz geht Alfred Ochsner in Pension. (Bild: Nadia Schärli (Einsiedeln, 29. September 2017))

Nach 40 Jahren bei der Kantonspolizei Schwyz geht Alfred Ochsner in Pension. (Bild: Nadia Schärli (Einsiedeln, 29. September 2017))

Es ist der Traum von vielen Buben: Polizist zu werden. Für Al­fred Ochsner(62) war es das nicht. Dennoch hat er fast sein ganzes Berufsleben bei den Ordnungshütern gearbeitet. Die meiste Zeit davon auf dem Polizeiposten in Einsiedeln. Nach dem Schulabschluss machte er eine Schreinerlehre und das Militär. Es waren die Siebzigerjahre, die Zeit der Rezession. «Die Arbeitssuche gestaltete sich schwierig», so Alfred Ochsner. Dies war mit ein Grund, weshalb er am Ende bei der Polizei gelandet sei. Die Wahl habe er nie bereut, «sonst wäre ich wohl nicht vierzig Jahre geblieben», sagt er und lächelt.

Mit 22 Jahren ist der Höfner in den Schwyzer Polizeidienst eingetreten. Computer und Internet gab es damals nicht. «Wir ­haben auf Schreibmaschinen unsere Rapporte geschrieben.» Zuerst auf mechanischen, später auf elektrischen. Erst Anfang der Neunzigerjahre habe die Kantonspolizei Computer angeschafft. Die neuen Geräte hätten viele Erleichterungen gebracht. Beispielsweise konnte man nun Datenbanken abfragen und auf Dokumentvorlagen zurückgreifen. Die Vorstellung von der papierlosen Bürokratie sei ­jedoch nicht eingetroffen. «Eher das Gegenteil.» Es habe noch mehr Formulare zum Ausfüllen gegeben – der administrative Aufwand habe zugenommen.

Handys führen zu mehr Anrufen wegen Bagatellen

Auch die Einführung des Internets hat Ochsner hautnah miterlebt. Plötzlich konnten Informationen in Sekundenschnelle über geografische Distanzen hinweg abgerufen und ausgetauscht werden. Wer jedoch glaubt, dass sich die Polizeiarbeit dadurch nur vereinfacht hätte, irrt. «Ohne Internet waren die Wege direkter und persönlicher», so Ochsner.

Er selbst habe das als angenehmer empfunden. Auch sonst gewinnt er dem Wandel der vergangenen Jahrzehnte nicht nur Positives ab. Er nennt das Beispiel des Datenschutzes. «Früher war es weniger schwierig, Auskünfte zu erhalten.» Man sei einfach hingegangen und habe gefragt. Heute gäbe es viele Vorschriften, was die Arbeit zum Teil erschwere. Die Digitalisierung hat nicht nur die internen Arbeitsprozesse verändert, sondern auch die Gesellschaft, was Auswirkungen auf die Aufgaben der Polizei hat. Wegen der Mobiltelefone werde zum Teil schneller bei der Polizei angerufen – «auch wegen Bagatellen», sagt Ochsner. Auch die Straftaten haben sich im Zuge der digitalen Revolution gewandelt. Bei Betrügereien im Netz sei es schwierig, an die Urheber ranzukommen, da sie sich überall auf der Welt aufhalten könnten.

Kollegen und Familie halfen ihm in schweren Zeiten

Die Nähe zu den Leuten hat Ochsner immer geschätzt. «Es ist ein Vorteil, wenn man einen Draht hat zu den Dorfbewohnern.» Ob er nicht auch manchmal Mühe hatte, wenn er Freunden eine Busse ausstellen musste? «Es war schon nicht nur angenehm», sagt er. Meistens habe er die Aufgabe dann einem Kollegen übergeben. Als Dorfpolizist war Ochsner für die ganze Palette zuständig: vom Diebstahl über den Verkehrsunfall bis hin zu Bränden und aussergewöhnlichen Todesfällen. Oftmals wurde er als Erster an den Tatort gerufen. Schwerere Fälle übernahm die Kriminalpolizei. Dennoch hat auch Ochsner einiges zu Gesicht bekommen. Besonders hart trafen ihn Unfälle mit Toten, «am schlimmsten war es, wenn man die Betroffenen persönlich kannte». Früher habe es noch keine Careteams gegeben. Man habe das Erlebte selber verarbeiten müssen. Neben guten Arbeitskollegen habe er zum Glück immer auf ein intaktes familiäres Umfeld zählen können. Dadurch sei es ihm gut gelungen, damit umzugehen. Die erfreulicheren Erlebnisse hätten auch dazu beigetragen, die Schattenseiten auszuhalten. Es seien oftmals Kleinigkeiten gewesen, die ihn wieder aufgestellt und motiviert hätten. «Beispielsweise, wenn jemand einen verlorenen Gegenstand auf dem Fundbüro abholen konnte», so Ochsner. Beim Aufräumen seines Schreibtischs sei ihm der Dankesbrief eines in Neuseeland lebenden Schweizers in die Hände geraten, dem er bei seinem Besuch in Einsiedeln einen Tipp gegeben habe. «Solche Gesten machen Freude.» Besonders dankbar empfand er die Aufgabe als Verkehrsinstruktor. Er habe noch Jahre später Rückmeldungen von Schülern erhalten, die sich an den Tag erinnern konnten, als er in der Schule war, um ihnen sicheres Verhalten auf der Strasse beizubringen. Alles in allem zieht Ochsner ein positives Fazit seiner Polizeilaufbahn. «Es war sehr abwechslungsreich und interessant.» Auch nach Jahrzehnten habe er Neues gelernt.

Besonders glücklich ist er, dass er nie ernsthaft Schaden genommen hat. Nun freut er sich auf den neuen Lebensabschnitt. Die gewonnene Freiheit ohne Dienstplan möchte er dazu nutzen, mehr Zeit seinen Hobbys und dem Grosskind zu widmen.

Stephanie Zemp

redaktion@zentralschweizamsonntag.ch

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