SCHWYZ: Fataler Griff zum Messer mit tödlichem Ausgang

2011 hat ein Schwyzer in Seewen SZ den Gatten seiner Ex-Geliebten mit einem Messer tödlich verletzt. Ob der Mann sich zu Recht oder Unrecht mit dem Messer seinem Kontrahenten entgegengestellt hatte, ist am Dienstag vor dem Schwyzer Kantonsgericht verhandelt worden.

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Nach den Messerstichen stieg das Opfer in sein Auto. Ein paar Meter weiter verunfallte der Mann. (Archivbild)

Nach den Messerstichen stieg das Opfer in sein Auto. Ein paar Meter weiter verunfallte der Mann. (Archivbild)

Der Fall hatte für Aufsehen gesorgt, weil das Opfer schwer verletzt mit dem Auto vom Tatort davon und dann in eine Mauer gefahren war. Es starb Stunden später in einem Zürcher Spital an den Folgen der starken, durch die sechs bis acht Zentimeter langen Messerstiche verursachten Blutungen im Bauch.

Der Beschuldigte war zu später Stunde nach Hause zurückgekehrt und hatte bemerkt, dass sich vor dem Haus der Gatte seiner Ex-Geliebten aufhielt. Weil dieser als aggressiv galt und ihn bereits bedroht hatte, holte er im Auto ein Rescue Tool und trat dem Widersacher entgegen. Dann kam es zur tätlichen Auseinandersetzung mit tödlichem Ausgang.

Nur Abschreckung

Der Beschuldigte gab an, er habe mit dem Messer den Gatten seiner Ex-Geliebten in die Flucht schlagen wollen. Er habe Todesangst gelitten. Er habe das Messer nicht gegen seinen Kontrahenten gerichtet, sondern diesen nur weggestossen. Alles sei sehr schnell gegangen, sagte er am Dienstag im Berufungsprozess in Schwyz.

Das Strafgericht war 2014 zum Schluss gekommen, dass der Beschuldigte, obwohl er den Tod seines Widersachers in Kauf genommen habe, freizusprechen sei. Seine unangemessene Reaktion mit dem Messer sei ein entschuldbarer Notwehrexzess gewesen.

Staatsanwältin Alexandra Haag akzeptierte den Freispruch aber nicht. Der Beschuldigte habe weder verhältnismässig noch entschuldbar gehandelt, sagte sie. «Angriff ist die beste Verteidigung» sei keine Notwehr. Und bei einer solchen dürfte kein Messer eingesetzt werden, wenn ein Faustschlag genüge.

Hupe statt Messer

Zu den Ausführungen des Beschuldigten sagte Haag, es sei nicht glaubwürdig, dass ein Mensch in Todesangst ein Messer aus seinem Auto hole, wenn er sich in dieses hätte in Sicherheit bringen können. Er hätte den Angreifer auch mit der Hupe in die Flucht schlagen können, sagte sie.

Für Haag steht fest, dass der Beschuldigte vorsätzlich gehandelt habe, indem er den Tod des Widersachers in Kauf genommen habe. Es sei Allgemeinwissen, dass Messerstiche in den Bauch zum Tod führen könnten. Sie forderte erneut eine siebenjährige Haftstrafe.

Haag gestand dem Beschuldigten aber zu, keinen Plan zur Tötung gehabt zu haben. Hier habe ein Unbescholtener eine Tat begangen, die er sich nie habe vorstellen können, sagte sie. Dies zeige erneut, dass das Leben nicht immer gradlinig verlaufe.

Recht auf Verteidigung

Verteidiger Roberto A. Keller bezeichnete die Ausführungen der Staatsanwaltschaft als «fragiles Konstrukt». Beweise habe sie keine, sagte er, und forderte erneut einen Freispruch. Sein Mandant habe sich korrekt verhalten, auch wenn das Ergebnis schockiere.

Der Beschuldigte habe sich in Panik befunden und keine Zeit gehabt, anders zu handeln, sagte der Anwalt. Er habe ein Recht gehabt, sich gegen den überraschenden Angriff zu schützen. Er habe das Messer genommen, weil nichts anderes verfügbar gewesen sei, er habe dieses aber nicht einsetzen wollen.

Im Schlusswort kritisierte der Beschuldigte, wie schon zuvor sein Verteidiger, das Vorgehen der Staatsanwaltschaft. Der Kantonsgericht dürfte das Urteil am Donnerstag schriftlich bekannt geben.

sda