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SCHWYZ: Fliegende, streitende Japanesen

«Nii aber au!» – Das aktuelle Japanesenspiel feierte am Freitag Premiere. Das Spiel, das einem traditionellen Muster folgt, wirkt alles andere als verstaubt.
Harry Ziegler
Bäärluus Koni (Stephan Annen) schwebt über dem Hauptplatz und nüsselt dabei – mit korrektem Fussspicken. (Bilder Laura Vercellone)

Bäärluus Koni (Stephan Annen) schwebt über dem Hauptplatz und nüsselt dabei – mit korrektem Fussspicken. (Bilder Laura Vercellone)

Wild, bunt, laut: Das aktuelle Japanesenspiel «Nii aber au!» zeigt das, was die Fasnacht ausmacht – und was von einem Fasnachtsspiel erwartet wird. Das traditionellen Mustern folgende Spiel wurde, was Inszenierung, Musik und Bühnenbild betrifft, gründlich entstaubt. Dabei erwiesen sich David Bürgler (Musik) und Matthias Ulrich (Bühnenbild) als Glücksgriffe. Die Musik ist mitreissend modern. Vor allem stimmig und richtig dosiert eingesetzt. Die imposante, mehrstöckige Bühne auf dem Hauptplatz in Schwyz ist mit einfachen Mitteln effektvoll zum Schauplatz der Streitigkeiten, die darauf ausgetragen werden, hergerichtet. Die Inszenierung von Urs Kündig ist lebendig und gut auf die Hauptakteure ausgerichtet. Inszenierung, Musik und Bühnenbild bilden eine Einheit und sind wohl ein erster Schritt zu einer Anpassung des Japanesenspiels an die heutige Zeit.

Bild: Laura Vercellone / Neue SZ
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Bild: Keystone
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24 Bilder

Japanesenspiel in Schwyz

Etwas weit weg

Nicht ganz mit der frischen Inszenierung mithalten kann der Text von Viktor Weibel. Nicht, dass der Text nicht zur Fasnacht passen würde, es mangelt ihm lediglich etwas an Aktualität. Vor allem an Aktualität, die die Bewohner des Schwyzer Talkessels direkt betreffen würde. Und mit der Autor Weibel den Schwyzern genauso gut hätte den närrischen Spiegel vorhalten können. Die grossen Geschichtenbogen füllt Weibel hingegen gekonnt mit allerlei Anspielungen auf nationale oder internationale Begebenheiten und Aufreger. Bunga-Bunga-Berlusconi (Bäärluus Koni) fehlt nicht, genauso wie Hardcore-Katholiken und subventionsgeile Bauern oder pornosüchtige, cybermobbende Jugendliche mit Musikstöpseln in den Ohren. Diese Klischees bedient Weibel wunderbar und durchaus auch warmherzig und nachsichtig.

Zaghafter erster Versuch?

Mit der Figur des Richters Bäärluus Koni (hervorragend: Stephan Annen) ist es Weibel gelungen, ein Abbild der heutigen, gewinn- und genussorientierten Gesellschaft zu erschaffen. Entsprechend richtet Bäärluus Koni denn auch nur, wenn er genügend geschmiert wird. Mit der gerichtlichen Beurteilung gesellschaftlicher Spannungsfelder geht Weibel zurück auf die Tradition alter Fasnachtsspiele. Aber – welch Sakrileg! – dass Weibel die traditionellen Figuren Jöretönel und Schulherr Karlifranz in zwei moderne, junge Gesellen Tscharli F. (Raban Weibel) und Schorsch A. (Silvio Vanoli) umschreibt, darf wohl sicher als zaghafter erster Versuch in Richtung Erneuerung und Modernisierung des Japanesenspiels gedeutet werden. Auch wenn Jöretönel und Karlifranz den dichterischen Tod gestorben sind, sie haben in den beiden jungen Figuren würdige Nachfolger gefunden.

Eine gespaltene Närrin

Regisseurin, Närrin und Gerichtsdienerin: eine wahrhaft multiple Persönlichkeit (in Hochform: Marie-Louise Beffa). Die drei Figuren bilden die grosse Klammer, die «Nii aber au!» vorwärtstreibt, thematisch aber auch zusammenhält. Als Zuschauer hätte man sich gewünscht, Marie-Louise Beffa stünde während ihrer Auftritte auf einem Podest. Zu oft geht sie im Gewühl der Mitspielerinnen und Spieler verloren.

Dass sich am Schluss des rund einstündigen Spiels alles in Wohlgefallen auflöst, ist genauso Tradition, wie der hell entsetzte Japanesenkaiser (Patrick Bamert), der bei seinem alle fünf Jahre stattfindenden Besuch über die Streitsucht seines Volks – nii aber au – in ungläubiges Erstaunen verfällt.

Weniger ungläubig aber immer wieder erstaunt ist man als Zuschauer, wie es der Japanesengesellschaft jeweils gelingt, ein derart aufwendiges Spiel auf die Beine zu stellen. Und zu finanzieren. Rund 400 000 Franken kostet die aktuelle Inszenierung, an der über 200 Personen mitarbeiten. Fazit: Die eine Stunde, die das Spiel dauert, ist gute Unterhaltung. Und für Staunen ist gesorgt, wenn der Generalagent der Mobiliar, Stephan Annen, sicher gut ge- und versichert, am Pneukran hängend über den Hauptplatz segelt – und dabei nüsselt.

Vivelun Taikun!

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