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SCHWYZ: Gechattet und gespielt wird nur zu Hause

Für viele Kinder gehört das Tablet schon vor der Einführung des Lehrplans 21 bereits zum Schulalltag. In Unteriberg hat sich die anfängliche Skepsis gelegt. Trotz kleiner Tücken wird das Tablet von Schülern wie Lehrern geschätzt.
Die Klasse von Lehrer Adrian Schnüriger arbeitet im Unterricht an der Schule Unteriberg mit Tablets. (Bild: Pius Amrein (4. Juli 2017))

Die Klasse von Lehrer Adrian Schnüriger arbeitet im Unterricht an der Schule Unteriberg mit Tablets. (Bild: Pius Amrein (4. Juli 2017))

Alles scheint wie in einem ganz gewöhnlichen Schulzimmer, kurz vor Beginn der Mathestunde. Die Schüler der zweiten Oberstufe in Unteriberg sitzen an ihren Pulten und quatschen munter miteinander. Als einzige Besonderheit sticht ein überdimensionaler Fernsehbildschirm vor der Wandtafel ins Auge. Die Glocke ertönt, die Gespräche verebben, die Lektion beginnt. Ganz selbstverständlich nehmen die Schüler ihre Tablets hervor.

Anfang des vergangenen Schuljahres wurden die handlichen Geräte flächendeckend in allen Schwyzer Bezirksschulen eingeführt. In Unteriberg hat die Oberstufe bereits vor drei Jahren damit begonnen, in einem Partnerschaftsprojekt mit Samsung Schweiz. «Die anfängliche Aufregung hat sich gelegt», sagt Lehrer Adrian Schnüriger. Die Schüler benutzten es mittlerweile fast ausschliesslich für Unterrichtszwecke. Grundsätzlich haben sie freien Zugang zum Internet. In der Schule sind jedoch einige Websites wie zum Beispiel Facebook oder gewalttätige oder pornografische Inhalte gesperrt. Zu Hause ist es den Eltern überlassen, wie ihre Kinder das Tablet nutzen. Jedes hat sein persönliches Gerät, über das es auch in der Freizeit verfügen kann. Viele nutzen es gemäss eigenen Aussagen nur wenig ausserhalb der Schule – die meisten haben andere Geräte wie Smartphone oder Computer, um zu gamen oder mit Freunden zu chatten.

Die Lehrperson ist entscheidend

Vorne auf dem Bildschirm erscheint ein Rechteck, beschriftet mit der Formel zur Flächenberechnung. «Arbeitet an diesen Aufgaben weiter», fordert Schnüriger seine Schüler auf. Auf dem Screen erscheint ein Muster mit weissen und schwarzen Pixeln. Die Schüler fotografieren mit ihrem Tablet diesen QR-­Code, und schon können sie die Aufgaben auf ihrem Tablet abrufen. Alleine oder zu zweit berechnen sie in der folgenden halben Stunde Flächen von geometrischen Formen. Ab und an wird eine Hand aufgestreckt, vor allem wegen Bedienungsproblemen. Lehrer Schnüriger kann sie alle innert kürzester Zeit lösen.

Die Einstellung und die Affinität des Lehrers ist gemäss Studien entscheidend für den Erfolg des Tablets im Unterricht (unsere Zeitung vom 14. Mai 2017). Dies zeigt sich auch in Unteriberg. Zu Beginn des Pilotprojekts zeigten sich einige Lehrpersonen skeptisch gegenüber der Neuerung. «Es gab sogar einen, der die Stelle fast nicht angenommen hätte deswegen», erzählt Schnüriger. Mittlerweile seien jedoch auch die Skeptiker überzeugt vom Tablet und setzten es im Schulalltag ein. Besonders der Informationsaustausch wird damit erleichtert: Die Lehrer können Arbeitsblätter, Lösungen und Informationen bereitstellen, welche die Schüler jederzeit ortsunabhängig herunterladen können. Ob das Gerät noch für weitere Unterrichts­zwecke verwendet werde, sei sehr unterschiedlich. Schnüriger gehört zu denjenigen, die auch mit Apps arbeiten. «In der Mathematik zum Beispiel, um das Kopfrechnen oder das Vorstellungsvermögen zu üben, oder in der Geografie, um die Flüsse Europas zu lernen», erklärt er.

Der Schweregrad der Aufgaben passt sich an

In den hinteren Reihen entsteht ein angeregtes Gespräch. Niemandem ist klar, wie er die Zahl Pi ins Tablet eingeben muss. Einige Minuten später folgt die Antwort vom Lehrerpult her: «Ich habe es herausgefunden: Pi, dann Klammer auf und Klammer zu», erklärt Adrian Schnüriger. «Aha», ruft Daniel Betschart, «nicht das Pi in Klammern gesetzt», und arbeitet weiter an den Aufgaben. Er ist bereits bei der Volumenberechnung angelangt. Dank der Tablets können die Schüler in ihrem individuellen Tempo arbeiten. Wer mit den ersten Aufgaben fertig ist, macht einfach weiter, ohne dass es ein neues Arbeitsblatt braucht. Die erledigten Aufgaben können einfach abgespeichert und jederzeit wieder hervorgeholt werden.

Selina Späni hat neben ihrem Tablet ein liniertes Blatt auf dem Pult. Darauf notiert sie sich Zwischenresultate. «Auf dem Tablet kann ich nur zwei Fenster gleichzeitig geöffnet haben», erklärt die 14-Jährige. Die Aufgaben sind eines davon, der Taschenrechner das andere. Mit einem Stift, ähnlich einem dünnen Kugelschreiber, schreibt sie Zahlen von Hand aufs Tablet. Zum Beispiel 2 x 5: 2. Der Rechner verwandelt es sofort in digitale Ziffern und liefert das Resultat. Selina hat sich an das Gerät gewöhnt. «Man kann damit bequem und schnell ins Internet, ohne den Raum wechseln zu müssen oder Laptops aufzustarten», zählt sie als Vorteile auf. Manchmal fotografiert sie damit auch Notizen des Lehrers, statt alles abzuschreiben. Einen Nachteil sieht sie darin, dass es für die Augen anstrengend ist, immer auf einen Bildschirm zu starren. Ihr Mitschüler Daniel Betschart sieht noch einen weiteren Vorzug des Tablets: Man habe immer alles ohne Durcheinander beisammen. Zudem müssten so weniger Blätter und Bücher herumgeschleppt werden.

Die Arbeit hat sich nicht grundsätzlich verändert

Kurz vor Ende der Stunde kommt eine Schülerin aus einer anderen Klasse ins Zimmer. «Haben Sie noch einen Tabletstift?», fragt sie und hält ihren kaputten in die Höhe. Adrian Schnüriger gibt ihr einen neuen. Die Arbeit des Lehrers hat sich mit dem Einzug des Tablets nicht grundlegend geändert. Ab und an entfällt ein Gang zum Drucker, wie Schnüriger sagt. Das Prüfungskorrigieren habe ihnen das nützliche Gerät aber noch nicht abgenommen.

Stephanie Zemp

redaktion@zentralschweizamsonntag.ch

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