SCHWYZ: Hauptangeklagter soll für 4 Jahre ins Gefängnis

Im Menschenhandel-Prozess vor dem Schwyzer Strafgericht soll der Hauptangeschuldigte für vier Jahre ins Gefängnis. Dies hat die Oberstaatsanwältin am Montag gefordert. Im Bordell, das der Mann führte, seien Prostituierte ausgebeutet und wie Vieh gehandelt worden.

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Der Hauptangeklagte (mitte) verlässt das Gericht in Schwyz. (Bild: Keystone)

Der Hauptangeklagte (mitte) verlässt das Gericht in Schwyz. (Bild: Keystone)

Am Montag wurde vor dem Strafgericht in Schwyz der Menschenhandel-Prozess gegen zehn Beschuldigte fortgesetzt. Die Oberstaatsanwältin gab dabei ihre Strafanträge bekannt.

Der ehemalige Geschäftsführer der Kontaktbar Bolenberg bei Tuggen SZ soll unter anderem wegen Menschenhandels und Förderung der Prostitution für vier Jahre ins Gefängnis. Darüber hinaus fordert die Anklage für den Türken eine auf drei Jahre bedingte Geldstrafe von 3600 Franken.

73'000 Franken Genugtuung

Fünf mutmassliche Helfer sollen ebenfalls unbedingt ins Gefängnis, und zwar zwischen einem Jahr und dreieinhalb Jahren. Für drei weitere Angeklagte, darunter der Vermieter des Barlokals, fordert die Anklage unbedingte Geldstrafen sowie bedingte Freiheitsstrafen bis zu 22 Monaten. Der Anwalt dreier Privatklägerinnen und mutmasslicher Opfer machte zudem 73'000 Franken Genugtuung geltend.

Für die beschuldigte rumänische Frau des Hauptangeklagten verlangte die Oberstaatsanwältin einen Freispruch respektive eine stark reduzierte Strafe. Die Frau hätte eine Sonderstellung eingenommen, sagte die Oberstaatsanwältin. Diese sei zunächst Opfer und dann in der Beziehung mit dem mutmasslichen Haupttäter von ihm abhängig gewesen.

Den Beschuldigten wird im Zusammenhang mit der Kontaktbar in Tuggen Menschenhandel und Prostitution vorgeworfen. Sie sollen von Juli 2006 bis Februar 2007 mindestens 23 junge Frauen aus Rumänien, Bulgarien und Tschechien ohne Arbeitsbewilligung teilweise über Zuhälter rektrutiert und zur Prostitution im Lokal gezwungen haben.Frauen aus bescheidenen VerhältnissenSämtliche Beschuldigten hätten durch die sexuelle Ausbeutung der Frauen finanziell profitiert, sagte die Oberstaatsanwältin. Bei den Vorgängen in der Kontaktbar sprach sie von einem menschenverachtenden System mit strikter Überwachung, Schlägen und Drohungen.

Die Beschuldigten hätten arme Frauen ohne Deutschkenntnisse wie Leibeigene gekauft. Abgehörte Telefongespräche würden sie an Viehhandel erinnern, sagte die Oberstaatsanwältin. Mehrere Frauen seien vertraglich wie Waren mit einem anderen Etablissement in Nidau BE gehandelt worden.

Der mutmassliche Haupttäter sei auf die Hilfe der Mitbeschuldigten angewiesen gewesen, sagte die Oberstaatsanwältin. Die Mittäter seien nach und nach zur Bar hinzugestossen und hätten im Bordell verschiedene Aufgaben übernommen und das System unkritisch unterstützt.

Verzögerungen im Verfahren

Thema am zweiten Prozesstag war auch die lange Zeitspanne zwischen dem Ende des Ermittlungsverfahrens 2009 und der Anklageerhebung 2013. Einzelne Taten sind verjährt. Zudem hatten mehrere Angeklagte mit Verweis auf die lange zurückliegenden Vorkommnisse zum Prozessauftakt keine weiteren Aussagen gemacht.

Die Anklage sei viel zu spät erfolgt, räumte die Oberstaatsanwältin ein. Als Gründe nannte sie den lähmenden und mehrjährigen Streit zwischen dem Kantonsgericht und dem ehemaligen Verhöramt sowie den Umfang der Prozessakten zu den total zehn Beschuldigten.

Schwangere Angeklagte dispensiert

Dem Prozess blieben auch am Montag drei der zehn Beschuldigten fern. Der Verbleib eines Angeklagten ist nach wie vor unklar. Er soll nochmals vorgeladen werden. Der Abwesende soll gemäss Anklage als stellvertretender Geschäftsführer der Kontaktbar geamtet haben.

Ein weiterer Beschuldigter, der in Bulgarien lebt, liess sich vorgängig für den Prozess entschuldigen. Die angeklagte schwangere Frau des Hauptangeklagten wurde vom Gericht am Montag für die gesamte Prozessdauer aus gesundheitlichen Gründen dispensiert.

sda