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SCHWYZ: «Ich schäme mich nicht für meine Arbeit»

Albert Amgwerd und Josef Bürgler sammeln in Sattel Abfall ein. Sie erzählen von schrägen Momenten aus ihrem Berufsalltag – aber auch, worüber sie sich ärgern.
Fast wie Ferien am Meer: Im Wellenbad freuen sich Kinder und Erwachsene auf eine erfrischende Abkühlung. Doch die Idylle trügt, der Unterhalt des Schwimmbads ist sehr teuer. (Bild Pius Amrein)

Fast wie Ferien am Meer: Im Wellenbad freuen sich Kinder und Erwachsene auf eine erfrischende Abkühlung. Doch die Idylle trügt, der Unterhalt des Schwimmbads ist sehr teuer. (Bild Pius Amrein)

Im Gebiet Stalden in Muotathal passiert es: Als der LKW der Amgwerd Transport AG Sattel auf einen Bauern mit seiner Kuhherde trifft, büxen zwei Rinder aus. Albert Amgwerd unterbricht seine Arbeit sofort und verfolgt die fliehenden Tiere. Es dauert nicht lange, bis diese wieder eingefangen sind. «Ich glaubte zuerst, dass wir schuld daran waren, dass die Rinder entwischt sind. Dies war aber nicht der Fall», erklärt der 64-Jährige später.

Dankesbriefe zu Weihnachten

Hilfsbereitschaft ist unter den Mitarbeitenden der Amgwerd Transport AG Sattel kein Fremdwort. Die Männer leisten einen wichtigen Dienst für die Gesellschaft: Albert Amgwerd aus Sattel und Josef Bürgler (51) aus Lauerz sammeln Abfall und Grüngut ein. «Unser Berufs-Image ist nicht das beste. Es gibt nur noch wenige Schweizer, die bereit sind, diesen Job zu machen. Doch ich schäme mich nicht für meine Arbeit», betont Amgwerd. Die Wertschätzung der Bevölkerung sei gross. «Wir erhalten zu Weihnachten viele Dankesbriefe und Geschenke. Manchmal bekommen wir auch auf der Strasse spontan ein Trinkgeld. Darüber freuen wir uns sehr.»

Suche nach einem Gebiss

Die Sonne brennt heiss. Der Abfall stinkt. Albert Amgwerd und Josef Bürgler packen die roten Abfallsäcke und werfen diese gezielt zum Presswerk. Sie arbeiten schnell und effizient. Bis zu 15 Tonnen Güsel werden an einem Tag abgeholt. «An den Gestank gewöhnt man sich. Natürlich darf man nicht heikel sein, wenn man diesen Job erledigt. Der Vorteil ist, dass wir immer an der frischen Luft sind und an keinem Förderband oder in einer Baracke arbeiten müssen», ist von den Männern zu erfahren. Sie sind überzeugt, dass es Berufe gibt, die viel anstrengender sind. «Früher war ich im Forst tätig. Da ging ich um 6 Uhr früh aus dem Haus und kam um 18 Uhr wieder heim. Ich war bei Wind und Wetter draussen im Wald unterwegs. Das war viel kräftezehrender als meine jetzige Arbeit», sagt Amgwerd. Für das Einsammeln von Abfall und Grüngut benötige man vor allem ­gesunde, kräftige Beine und Gelenke. «Das viele Auf- und Absteigen ist sicher anspruchsvoll. Wer nicht fit ist, macht das nicht lange mit.»

Im Restaurant Höllloch in Muotathal kehren die Männer zusammen mit LKW-Fahrer Benno Röllin (35) zur ­Znünipause ein. Hier erzählen die drei einige amüsante Episoden. So etwa hatte Albert Amgwerd einmal beim Pressen des Kehrichts eine besondere Dusche verabreicht bekommen: «Der Inhalt einer Plastikflasche mit Pommes-frites-Öl spritzte mitten in mein Gesicht. Den Geschmack hatte ich bis am Abend in der Nase», sagt er, während seine zwei Kollegen lachen. In Erinnerung geblieben sei ihnen auch eine Begegnung mit einer alten Dame. Diese war überzeugt, dass sie ihre Zahnprothese versehentlich im Abfall entsorgt hatte. «Sie bat uns, danach zu suchen. Sie sagte, dass sie noch genau wisse, wie ihr Abfallsack aussah.» Die Männer lachen erneut. «Wir mussten einsehen, dass es keine Möglichkeit gab, ihre Prothese zu finden.»

Umgang mit Lebensmitteln

Die Angestellten der Amgwerd Transport AG Sattel erleben aber auch denkwürdige Momente. «Ich stelle fest, dass sehr viele Lebensmittel weggeworfen werden, die man früher mit Genuss gegessen hätte. Manchmal landen­ ­ganze Salamis oder Käse, die nie ausgepackt wurden, im Abfall. Auch frische Bananen oder Brote haben wir schon gefunden», so Albert Amgwerd. Dieser verschwenderische Umgang mit Esswaren ärgert ihn. «Es gibt mir zu denken, wie man heute frische Lebensmittel einfach entsorgt.» Erst kürzlich habe er auch einen gut erhaltenen Plastiktraktor bei der Abfallentsorgung entdeckt. «So einen hätte ich mir als Bub immer gewünscht», meint er nachdenklich.

Sicher ist: Wer dieser Arbeit nachgeht, muss konzentriert und aufmerksam sein. Kinder, Velofahrer und Passanten übersehen den grünen Lastwagen manchmal, sodass Amgwerd und Bürgler den Chauffeur mit einem Knopf über mögliche Gefahren informieren. Auch im Winter, vor allem bei Neuschnee und Glatteis, ist besondere Vorsicht geboten. Die drei Männer bleiben trotzdem optimistisch: «Manchmal haben wir sogar noch das Vergnügen, einer hübschen Frau hinterherzusehen», meinen sie lachend.

Andrea Schelbert

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