SCHWYZ: Im Hungerstreik für «Wohnkeller»

Ein Bewohner einer Wohnüberbauung in Altendorf liegt im Streit mit der Gemeinde. Nun hat er zu drastischen Massnahmen gegriffen, um zu seinem Recht zu gelangen.

Silvia Gisler
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Ayhan Güler sitzt streikend vor dem Gemeindehaus Altendorf. (Bild: Silvia Gisler (Altendorf, 4. August 2017))

Ayhan Güler sitzt streikend vor dem Gemeindehaus Altendorf. (Bild: Silvia Gisler (Altendorf, 4. August 2017))

Silvia Gisler

zentralschweiz@luzernerzeitung.ch

Vor einigen Jahren kaufte Ayhan Güler einen Raum in der Überbauung Seepark in Altendorf, liess dies auch auf dem Grundbuchamt eintragen. Entsprechend ist er der rechtmässige Eigentümer. Doch der Raum, den Güler zu Wohnzwecken gekauft hat, war ursprünglich keine Wohnung, befindet sich im Kellergeschoss, und das einzige «Fenster» des Raums ist ein Oblicht in die überliegende Wohnung. Aber nicht diese Fakten sind Ursache für den vorgestern angetretenen und gestern vor dem Gemeindehaus weitergeführten Hungerstreik.

Auslöser ist die Tatsache, dass die Gemeinde im März rund um das ganze Seepark-Hickhack den Rückbau seiner «Wohnung» angeordnet hat. Damit würde ihn die Gemeinde enteignen und die Einträge im Grundbuchamt für ungültig erklären, so zwei der unzähligen Vorwürfe an die Gemeinde Altendorf. Albert Knobel, der Güler zur Seite steht, spricht unter anderem von willkürlichen Entscheiden oder Bauernopfern, welche die Gemeinde gesucht und nun gefunden hat.

Unweit von Güler und Knobel entfernt steckten derweil Gemeindeschreiber Roger Spieser und Gemeindepräsident Beat Keller die Köpfe zusammen. Nicht etwa wegen der Geschehnisse vor dem Haus. Diese schienen sie nicht weiter zu beeindrucken. Doch was sagen sie zu den happigen Vorwürfen? «Im Fall Seepark handelt es sich um ein laufendes Verfahren», so der ­Gemeindepräsident. «Entsprechend werden wir dazu keine Auskunft geben.» Als faule Ausrede taxiert dies die «Gegnerschaft». Überhaupt werde der ganze Entscheid hinausgezögert, was Keller im Namen der Gemeinde zurückweist. «Der Entscheid liegt beim Regierungsrat. Die Einzigen, die etwas hinauszögern, sind die Seepark-Eigentümer.» Am Entschluss, den der Gemeinderat im März gefällt hat, werde nach wie vor festgehalten. «Wir sind überzeugt, nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt zu haben», betont der Gemeindepräsident.

Kein Grund für polizeiliches Einschreiten

Der hungernde Güler sprach am Donnerstag davon, so lange zu hungern, bis er ins Spital eingeliefert oder gleich auf den Friedhof gebracht werde.

Nicht nur Passanten wurden auf den Streikenden aufmerksam. Auch eine Polizeipatrouille stoppte auf dem Dorfplatz in Altendorf und suchte das Gespräch mit Güler und dem ebenfalls anwesenden Knobel. Wie Polizeisprecher David Mynall auf Anfrage erklärt, seien sie weder gerufen worden, noch hätten sie eingreifen müssen. Denn hungern dürfe jeder, so lange er möchte, und wenn die Grundeigentümer den Streikenden duldeten, bestehe kein Handlungsbedarf. Und die Gemeinde ihrerseits störte sich bekanntlich nicht am Streikenden.