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SCHWYZ: Integration von Flüchtlingen – «historischer» Grundsatz bröckelt

In der Schweiz herrscht gemäss Bundesverfassung Schulpflicht für alle Kinder. Im Zentrum Degenbalm in Morschach wird diese Bestimmung aus verschiedenen Gründen nicht eingehalten.
Das Durchgangszentrum für Asylbewerber im ehemaligen Hotel Degenbalm über Morschach. (Bild: Sigi Tischler / Keystone)

Das Durchgangszentrum für Asylbewerber im ehemaligen Hotel Degenbalm über Morschach. (Bild: Sigi Tischler / Keystone)

Stephanie Zemp

redaktion@zentralschweizamsonntag.ch

Hoch über dem Dorf Morschach thront das ehemalige Hotel Degenbalm. Das stattliche Gebäude wird seit rund 30 Jahren als Asylzentrum betrieben. Es bietet Platz für 98 Personen, unter ihnen sind auch Familien mit schulpflichtigen Kindern. In die öffentliche Schule werden diese aber trotz geltender Schulpflicht grundsätzlich nicht eingeschult. «Es wäre eine grosse Belastung für die Gemeinde, wenn ständig fremdsprachige Kinder kommen und gehen», sagt Fiona Elze, Asylkoordinatorin im Kanton Schwyz.

Doch nun hat sich die Ausgangslage etwas verändert. Eine kantonale Regelung besagt, dass die Asylsuchenden mindestens sechs Monate im Durchgangszentrum bleiben sollen, so Elze. Sie werden – wenn möglich – erst in die Gemeinden transferiert, wenn klar ist, ob ihr Asylgesuch positiv beurteilt wird, oder wenn aufgrund ihrer Herkunft davon ausgegangen werden kann. «Wir schauen jeweils das Dossier an und überlegen, ob ein Transfer Sinn macht», erklärt Elze. Droht einer Einzelperson oder Familien ein negativer Asylentscheid, lässt man sie länger im Durchgangszentrum. «Der Transfer in die Gemeinden ist ein grosser emotionaler Schritt für die Asyl­suchenden und viel Aufwand für die Gemeinde», erläutert Elze.

Nur Deutsch reicht nicht

Als das Durchgangszentrum damals errichtet wurde, wurde festgelegt, dass keine Einschulung in die Regelklassen der Gemeinde vorgenommen wird. Auf welche Bestimmung diese Festlegung sich bezieht, weiss niemand so genau. «Das ist historisch», erklärt Elze. Monika Kälin bestätigt: «Ich bin seit acht Jahren Schulleiterin in Morschach, und es hiess immer, wir müssten diese Kinder nicht aufnehmen.» Durch die verlängerte Aufenthaltsdauer im Zentrum gerät dieser Grundsatz ins Bröckeln. «Wenn die Kinder wirklich über ein halbes Jahr im Zentrum sind, reicht Deutschunterricht alleine nicht aus», sagt Pädagogin Kälin. Es brauche jedoch einen Entscheid der Gemeinde, wie damit umgegangen werden soll.

In der Tat sind die Kinder im Asylzentrum nicht bei der Gemeinde angemeldet. Vielmehr ist der Kanton für sie zuständig, welcher die Durchgangszentren betreibt. Er hat den Leistungsauftrag an die Caritas Schweiz übertragen. Anstelle des Schulbesuchs in Morschach werden die Kinder im Zentrum unterrichtet. «Seit letztem Jahr haben wir eine Lehrperson angestellt», berichtet Zentrumsleiter Urs Häusermann. In einem 60-Prozent-Pensum bringt sie den Kindern im Degenbalm hauptsächlich Deutsch bei. «An den anderen beiden Tagen arbeiten wir mit Asylsuchenden als Lehrpersonen», erklärt Häusermann. «Wenn jemand ein Flair dafür hat und einen entsprechenden Bildungshintergrund, spannen wir diese Person in der internen Schule ein», so der Zentrumsleiter. Er gibt zu, dass dies nicht dasselbe sei wie der Besuch einer öffentlichen Schule: «Ein Kind profitiert anders, wenn es mit Kindern in grösserem Verbund Kontakt hat und auch turnen oder schwimmen gehen kann.» Auch Fiona Elze vom Amt für Migration ist sich dessen bewusst, dass die zentrumsinterne Beschulung nicht dem Recht auf ausreichenden Grundschulunterricht, wie es die Bundesverfassung garantiert, entspricht. «Aber die Kinder müssen einer Lehrperson zuerst folgen können, sonst ist es ein frustrierendes Erlebnis», sagt die Asylkoordinatorin.

Notwendig dafür seien genügend Deutschkenntnisse. Deshalb würden die Kinder mindestens drei Monate im Zentrum unterrichtet. «Wenn wir merken, dass ein Kind bereit ist für den Unterricht an der öffentlichen Schule, sitzen wir zusammen und besprechen es», erklärt Elze. So wurde vor kurzem erstmals ein Knabe aus dem Degenbalm in Morschach eingeschult, der bereits gut Deutsch spricht und bei dem klar ist, dass er noch mehrere Monate im Zentrum bleiben wird. Ob dies eine Ausnahme bleiben wird, ist noch offen. «Das Wohl des Kindes steht im Vordergrund», sagt Zentrumsleiter Häusermann. Jeder Fall werde individuell angeschaut. Morschach sei eine kleine Gemeinde, und darauf gälte es Rücksicht zu nehmen, ergänzt Elze.

Anders läuft es im Bezirk Küssnacht, wo die Caritas ein Haus der Jugend führt: Dort sind un­begleitete minderjährige Asyl­suchende untergebracht.

Küssnacht hat klare Regelung

Nach ein paar Wochen in der internen Zentrumsschule in Immensee werden die 13- bis 17-Jährigen in die Integrationsklasse für Fremdsprachige im Schulhaus Ebnet eingegliedert. Nach dieser separaten Klasse, in welcher alle Jugendlichen mit ungenügenden Deutschkenntnissen unterrichtet werden, werden sie schrittweise in die Regelklassen integriert. «Wir wollen, dass sie von Anfang an einen breiten Fächerkatalog haben statt nur Deutsch», erklärt Schulleiterin Rita Gamma. Bei Ausflügen und Sporttagen seien diese Jugendlichen stets dabei, was auch für die anderen Schüler eine Bereicherung sei.

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