SCHWYZ: Japanesenspiele vor dem Aus?

Die Schwyzer Japanesengesellschaft hat akute Nachwuchssorgen. Die jährlichen Freilichtspiele im Winter werden kaum mehr in der heutigen Form stattfinden.

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Szene vom Japanesenspiel, das 2013 auf dem Hauptplatz in Schwyz aufgeführt wurde. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)

Szene vom Japanesenspiel, das 2013 auf dem Hauptplatz in Schwyz aufgeführt wurde. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)

Franz Steinegger

Die 158. Reichsversammlung der Japanesengesellschaft Schwyz im «Rössli» gestern Nachmittag lief äusserlich ab wie ihre Vorgängerveranstaltungen. Grosser, farbenprächtiger Einzug, die Hofmusik spielt, es werden Sprüche geklopft, spontane Wortmeldungen werden mit politisch nicht korrekten Antworten gekontert, je länger der Anlass dauert, umso mehr schwillt der Rednerstrom an.

Augenfällig war jedoch, dass die grauen Häupter unter den 50 Versammelten in der Überzahl sind. Die altehrwürdige Japanesengesellschaft, 1857 gegründet, hat offensichtlich Nachwuchsprobleme.

Das zeigte sich beim Traktandum Wahlen: Die beiden wichtigsten Plätze im Kronrat (Vorstand) blieben unbesetzt. Hesonusode (Präsident) Stephan Schlegel fand trotz intensiver Suche niemanden, der sein Amt übernehmen wollte, und auch der Posten des Meintschau – des Vizepräsidenten, der automatisch als Hesonusode nachrückt – bleibt verwaist.

Schon siebenmal ohne Präsident

Das gab es in der langen Geschichte der Japanesen zwar schon siebenmal, und der Vorstand wird die Geschäfte weiterführen. Doch die drückenden Probleme – der fehlende Nachwuchs und kaum Mitglieder, die Verantwortung übernehmen wollen – bleiben. So wird auch das nächste Japanesenspiel wohl nicht mehr im bisherigen Umfang ausgerichtet werden können.

150 Personen wirken jeweils bei den Japanesenspielen mit, die etwa alle fünf Jahre auf dem Hauptplatz in Schwyz stattfinden. Seit 1857 werden die Freilichtspiele aufgeführt und gehören zum Schwyzer Kulturgut. Im Jahr 1863 kam es zum ersten Fasnachtsspiel mit dem Titel «Die Schweiz in Japan». Aus dem Namen dieses Stücks entstand schliesslich auch der Name Japanesen.

Letztmals fand ein Freilichttheater im Jahr 2013 statt. Für die nächste Aufführung, die gemäss Rhythmus 2018 stattfinden sollte, ist jedoch keine Lösung in Sicht. Es wird die Aufgabe des Vorstandes sein, neue Formen für diese Art der Aufführung zu finden, um diesen Anlass in die Zukunft zu führen. Das Problem wurde an der gestrigen Versammlung zwar nicht erwähnt, doch unterschwellig gärt es.

Verschiedene Personen angefragt

Die Japanesen scheinen die Nachwuchsprobleme mit Humor zu nehmen – zumindest an der gestrigen Versammlung, als Vereinspräsident Stephan Schlegel bekannt gab, dass er wie üblich nach einem Jahr zurücktritt. Man habe zwar verschiedene Personen kontaktiert, doch ein Nachfolger konnte nicht gefunden werden. «Sepp Blatter stellte die Forderung, dass die Reichsversammlung im Schulhaus Visp abgehalten wird; Neu-Nationalrat Marcel Dettling forderte als Vorbedingung den Ausbau der Ibergereggstrasse auf sechs Spuren; Pfarrer Reto Müller scheiterte an den herzlosen Bedingungen von Bischof Vitus Huonder; Micheline Calmy-Rey wollte den Geishas ein Kopftuch verpassen, und Martha vom Morgartä ist wie vom Erdboden verschluckt.»

«Ich scheu halt jedes Amt»

Ihm stirbt zusehends das Volk weg. Vik Tor (Weibel), Urjapanese und Autor der letzten drei Freilichtspiele, untermalte diesen Befund mit einem Klagelied. Es sei «ein Graus, ein Elend, welch ein Schmerz, es würgt und würgt im Fasnachtsherz (...) und jetzt, und jetzt, was soll da werden, nach all den müden Neingebärden (...) doch Führen, nein, diese Suppe ess ich nicht, ich scheu halt jedes Amts Gewicht.» Er brachte es in Reimen auf den Punkt: kein Präsident, weil niemand die Verantwortung übernehmen will.