SCHWYZ: Kantonsgericht urteilt im Fall Luchs schriftlich

Das Schwyzer Kantonsgericht hat den spektakulären Fall Luchs in einem knapp viereinhalbstündigen Prozess neu aufgerollt. Nach einer misslungenen Verhaftungsaktion sind zwei Einsatzleiter wegen Amtsmissbrauch und Freiheitsberaubung angeklagt worden.

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«Gerechtigkeit» - Justizia wacht an der Fassade des Rathauses Schwyz über dieses wichtige Gut. In einem Gerichtssaal des Rathauses fand der zweite Luchs-Prozess statt. (Bild: Jérôme Martinu / Neue LZ)

«Gerechtigkeit» - Justizia wacht an der Fassade des Rathauses Schwyz über dieses wichtige Gut. In einem Gerichtssaal des Rathauses fand der zweite Luchs-Prozess statt. (Bild: Jérôme Martinu / Neue LZ)

Der juristische Streit um die wohl umstrittenste Schweizer Polizeiaktion der jüngeren Vergangenheit ist heute Dienstag im Schwyzer Rathaus vor Kantonsgericht verhandelt worden: Der zweite Prozess im Fall Luchs. Nach dem Freispruch durch das Schwyzer Strafgericht im Januar 2012 hatten die beiden Luchs-Opfer, heute 25- und 30-jährig, Berufung eingereicht.

Ein Urteil ist noch nicht gefällt worden. In Absprache mit den Rechtsvertretern der Geschädigten und der beklagten Polizisten wird das Kantonsgericht das Urteil den Parteien schriftlich zustellen. Bis das erste Dispositiv vorliegt kann es ein paar Tage oder auch ein paar Wochen dauern. Das Schwyzer Strafgericht hatte erstinstanzlich die beiden für den Einsatz verantwortlichen Polizisten in allen Punkten freigesprochen und das Handeln der Luchs-Truppe als "rechtmässig" beurteilt. Die Anklage der Oberstaatsanwaltschaft hatte auf Amtsmissbrauch, Freiheitsberaubung und bei einem der beiden Einsatzleiter auch auf Unterlassung der Nothilfe gelautet.

Das Kantonsgericht rollte die Geschehnisse, die sich inzwischen vor fast acht Jahren ereignet haben, neu auf. Die beiden Luzerner Polizei-Einsatzleiter wurden vom Schwyzer Kantonsgerichtspräsidenten Urs Tschümperlin zu verschiedenen Punkten rund um die Festnahme befragt. Beide Polizeieinsatzleiter mussten einräumen, dass sie sich nur noch teilweise an die genauen Abläufe zu erinnern vermögen. Der Kantonsgerichtspräsident scheute sich indes nicht, immer wieder nachzufragen, wenn er präzisere Aussagen wünschte. Beim Prozess teilweise anwesend war auch der Luzerner Polizeikommandant Beat Hensler.

Das Plädoyer der Anwälte der beiden Luchs-Opfer legte vor allem Gewicht auf Widersprüche und Ungenauigkeiten, die es im Urteil des Strafgerichts gebe. Es wurde dezidiert betont, dass das lange Festhalten der beiden Geschädigten mit Handschellen und Augenbinden als nicht zulässig betrachtet werde. Die Freiheitsrechte zumindest eines der beiden Geschädigten seien über Mass eingeschränkt worden, die verantwortlichen Polizisten hätten ihre Befugnisse überschritten.

Die Verteidiger der beiden Luchs-Einsatzleiter plädierten wie schon vor erster Instanz auf Freispruch. Wobei vor allem zu würdigen sei, dass die Polizisten gemessen an den hektischen Umständen am Ort des Zugriffs recht- und verhältnismässig gehandelt hätten. Die für den Amtsmissbrauch nötige Vorsätzlichkeit sei in keiner Weise gegeben. Die Verwechslung und die damit verbundenen Folgen für die beiden Opfer seien ohne Zweifel tragisch. Dennoch hätten sich die Luchs-Einsatzleiter keine strafrechtlich relevanten Vergehen schuldig gemacht.

Die beschuldigten Polizisten, die den Prozess ruhig und aufmerksam verfolgten, verzichteten auf ein Schlusswort. Sie verwiesen auf ihre Schlussworte vor Strafgericht. Dort hatten sie ihr Bedauern gegenüber den beiden Luchs-Opfern zum Ausdruck gebracht.

Die zwei Geschädigten, damals 17- und 22-jährig, klagten wegen einer misslungenen Verhaftung der Luzerner Polizei-Sondereinheit Luchs im schwyzerischen Arth vom 5. Juni 2005. Es war nach einem international gesuchten, gefährlichen Schwerverbrecher gefahndet worden, wobei es dann zu einer fatalen Verwechslung kam. Zwei Unschuldige waren von der Sondereinheit Luchs verfolgt, gestoppt, aus dem Auto gezerrt und gefesselt worden.

Jérôme Martinu / Neue LZ

HINWEIS
Einen ausführlichen Bericht zum Luchs-Prozess lesen Sie in der Ausgabe vom Mittwoch, 17. April, in der Neuen Luzerner Zeitung.