SCHWYZ: «Luchs»-Opfer hat Sozialwerke betrogen

Ein 26-jähriger Mann, der 2005 irrtümlich von einer Sondereinheit der Polizei verhaftet und verletzt worden war, ist vom Schwyzer Strafgericht wegen gewerbsmässigen Betrugs verurteilt worden. Er bezog nach dem Vorfall unrechtmässig Suva-Gelder und beantragte eine IV-Rente.

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Die Polizei Spezialeinheit Luchs bei einer Demonstration auf dem Bürgenstock. (Symbolbild / Neue LZ)

Die Polizei Spezialeinheit Luchs bei einer Demonstration auf dem Bürgenstock. (Symbolbild / Neue LZ)

Das Gericht verurteilte den Mann zu einer 18-monatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung. Die Probezeit beträgt zwei Jahre. Zudem muss der Mann rund 43'000 Franken Untersuchungs- und Gerichtskosten zahlen. Die zuständige Schwyzer Strafrichterin Sandra Rieder bestätigte am Mittwoch auf Anfrage entsprechende Medienberichte. Der Prozess fand am Dienstag statt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Staatsanwalt verlangte einen Freiheitsstrafe von 36 Monaten. Der Verteidiger plädierte auf Freispruch.

Der Mann soll nach dem missglückten Polizeieinsatz Suva-Taggelder in der Höhe von 120'000 Franken unrechtmässig bezogen und versucht haben, eine IV-Rente zu beziehen. Er machte eine posttraumatische Belastungsstörung geltend. Gemäss Gericht sagte er aber zu seinen Beschwerden und Schmerzen nicht die Wahrheit.

Für Schwerverbrecher gehalten

Der junge Mann war am 5. Juni 2005 im Kanton Schwyz als Beifahrer im Wagen eines Freundes unterwegs gewesen. Die beiden wurden von der Zentralschweizer Sondereinheit «Luchs» verfolgt. Die Polizisten vermuteten im Auto fälschlicherweise einen international gesuchten ausländischen Schwerverbrecher.

Die beiden Unschuldigen flüchteten zunächst verängstigt. In Arth SZ wurden sie schliesslich von den Elitepolizisten verhaftet und dabei verletzt. In der Folge kassierte der Beifahrer Suva-Taggelder. 2006 meldete er sich zum Bezug einer vollen IV-Rente an. Diese wurde ihm nach Abklärungen und Observationen von der IV-Stelle und 2012 letztlich auch vom Bundesgericht verwehrt.

Beim Sport und Kellnern beobachtet

So hatte der Mann gemäss Bundesgericht bereits vier Tage nach dem Vorfall, noch im Spital, Journalisten Interviews gegeben. Bald nach dem Einsatz absolvierte er trotz angeblicher Angst vor einem Aufenthalt auf der Strasse die Fahrprüfung. Das Opfer des Polizeieinsatzes wurde zudem bei verschiedenen Sportaktivitäten beobachtet und arbeitete bei einem Anlass mehrere Stunden in einem vollen Saal als Kellner.

Die beiden Luzerner Polizisten, welche die irrtümliche Verhaftung vorgenommen hatten, waren im April 2013 in zweiter Instanz vom Schwyzer Kantonsgericht rechtskräftig vom Vorwurf des Amtsmissbrauchs und der Freiheitsberaubung freigesprochen worden. Gemäss Gericht war das Vorgehen der Polizisten verhältnismässig. Sie gingen von Schwerverbrechern und einer grossen Fluchtgefahr aus.

sda