SCHWYZ: Missbrauchsvorwurf Immensee: «Es wurde beschönigt»

Nachdem ihre damalige Schulkollegin öffentlich behauptet hat, sie sei von ihrem Lehrer sexuell missbraucht worden, meldet sich nun ein weiterer ehemaliger Schüler des Gymnasiums Immensee zu Wort. Er geht mit der damaligen Schulleitung hart ins Gericht.

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Themenbild Schule Schulzimmer (Symbolbild: Boris Bürgisser/LZ)

Themenbild Schule Schulzimmer (Symbolbild: Boris Bürgisser/LZ)

Der ehemalige Schüler wendet sich in einem offenen Brief an Benno Planzer, den heutigen Rektor der Schule. Die Altlast seiner Vorgänger sei «hochtoxisch», behauptet er in dem Schreiben, das unserer Zeitung vorliegt. Er wirft dem damaligen Lehrergremium vor, weggeschaut zu haben.

Vor zwei Jahren habe er an einem Klassentreffen einen ehemaligen Kollegen des beschuldigten Lehrers auf den Fall angesprochen.  Doch dieser habe nur mit einem Grinsen und geantwortet. «Dieses Verhalten ist symptomatisch», behauptet der ehemalige Schüler, der 1995 die Matura am Gymnasium Immensee abgelegt hat.

Es hätten die Alarmglocken läuten müssen

«Meine Schulkollegen und mich, die damals im Gymi waren, lässt die Geschichte nicht kalt», schreibt er weiter. Manche würden sich schuldig fühlen. Denn es sei «offensichtlich» gewesen, dass der besagte Lehrer und die Schülerin eine «sehr nahe» Beziehung gehabt hätten. «Das war Klatsch und Tratsch auf dem Pausenplatz.» Zwar sei der im «Tages-Anzeiger» geschilderte Missbrauch nicht offensichtlich gewesen. Aber im Nachhinein frage man sich doch, warum im Lehrerkollegium nicht die «Alarmglocken geläutet haben» - als sich der 40-jährige Lehrer und die 14-, 15-, 16-jährige Schülerin so nahekamen.

Wollte man die Sache "schnell vom Tisch" haben?

Den Lehrer beschreibt der ehemalige Schüler als eine charismatische Figur, die aber auch polarisierte. «Wer ihn nicht bewunderte, dem war er suspekt.» Damals habe an der Schule ein Klima «umfassender Toleranz» geherrscht, das frei war von Repressionen – und das auch zwischenmenschliche Nähe zugelassen habe. Das kenne man von anderen Reformschulen auch. «Nulltoleranz» habe aber geherrscht, wenn man das Bild der heilen Missionsschule gegen aussen beschädigt habe. Dann sei man ein «Nestbeschmutzer» gewesen. «Über Schein und Sein am Gymi Immensee konstruktiv zu diskutieren, war unmöglich. Statt sich Tatsachen zu stellen, wurde beschönigt.» Da dränge sich für ihn die Frage auf, ob die Schulleitung nicht auch im Fall der erwähnten Schülerin die Sache «ohne grosses Aufheben möglichst schnell vom Tisch» haben wollte.

Gerne hätte unsere Zeitung eine Stellungnahme von der heutigen Schulleitung eingeholt. Der Adressat des offenen Briefes, Rektor Benno Planzer, äusserte sich auf Anfrage jedoch nicht zu dessen Inhalt.  "Ich habe bis heute in unserer Post keinen Brief von einem ehemaligen Schüler und werde mich allenfalls zu Fakten äussern, die mir direkt unterbreitet werden", schreibt Planzer auf mehrmaliges Nachfragen. Unsere Zeitung hatte ihm das in der Redaktion eingetroffene Schreiben per Mail weitergeleitet.

Lena Berger

lena.berger@luzernerzeitung.ch