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SCHWYZ: Mit Leidenschaft hält er ein altes Handwerk am Leben

Roland Suppigers Küferei ist eine der letzten ihrer Art. Ausgerechnet moderne Bedürfnisse bringen nun neuen Schwung in den traditionellen Beruf.
Stephan Santschi
Wer Küfer werden will und etwa Outdoor-Badewannen herstellen möchte (siehe Bild), geht zu Roland Suppiger nach Küssnacht. Hier befindet sich der einzige Ausbildungsplatz in der Schweiz. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Wer Küfer werden will und etwa Outdoor-Badewannen herstellen möchte (siehe Bild), geht zu Roland Suppiger nach Küssnacht. Hier befindet sich der einzige Ausbildungsplatz in der Schweiz. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

«Regierungsbezirk Roland. Mein Wort ist hier Gesetz.» So steht es auf der Tafel an der Bürotür geschrieben. Wirkt dahinter also ein knallharter Chef? «Nein», sagt Roland Suppiger und lacht. «Ich bin keiner, der auf den Tisch haut, sondern eher zu lieb. Mit Kunden und Angestellten strebe ich stets nach einer guten Zusammenarbeit.»

Einziger Ausbildungsplatz in Schweiz

Roland Suppiger, 52-jährig, ist der Inhaber der Küferei Suppiger im Küssnachter Gewerbegebiet Chli-Ebnet. Holz für Tische zum Draufzuhauen gäbe es hier genug. Doch sie zählen nicht zum Sortiment dieses traditionellen Handwerksbetriebs. «Unsere Spezialität sind grosse Eichenfässer mit einem Fassungsvermögen zwischen 1000 und 20 000 Litern.» So voluminös das wirkt, so begrenzt sind die Entfaltungsmöglichkeiten der Branche. Neben seinem Betrieb gebe es in der Schweiz nur noch drei andere, die ausschliesslich von der Küferei leben würden, erzählt Suppiger und liefert weitere bemerkenswerte Zahlen: «In den letzten 20 Jahren sind nur vier Küfer ausgebildet worden. Ich weiss das, weil sich bei mir aktuell der einzige Ausbildungsplatz des Landes befindet.»

Muskeln wie ein Stier reichen nicht

Einen Grund hierfür ortet er bei den Anforderungen des Berufs. «Ein Küfer braucht bei der Bearbeitung des Holzes ebenso Kraft wie Präzision. Ich hatte mal einen Lehrling, der hatte Muskeln wie ein Stier. Doch die einzelnen Holzdauben so schleifen, dass später ein rundes Fass entsteht, konnte er nicht.» Viel mehr Fachkräfte würde der Markt auch gar nicht schlucken, zu gering sei die Nachfrage. «Früher», so Suppiger, «war unser Spektrum viel grösser.» Der Bauer brauchte Güllenfässer und als Selbstversorger auch Behälter für die Konservierung von Lebensmitteln, für den Most oder den selbst gebrannten Spiritus.

Die Bäuerin wusch derweil im Zuber die Wäsche und in der Badewanne die Kinder. Der Käser benötigte eine Käsepresse, der Metzger einen Bottich für die geschlachteten Schweine. Alles aus Holz versteht sich. Und heute? «Ist vieles aus Chromstahl, weil es billiger ist», antwortet Suppiger. Selbst an Weinfachschulen sei das Holzfass in Ungnade gefallen.

Weinliebhaber sichern seine Zukunft

Und so fokussiert sich der moderne Küfer nicht mehr auf die Massenproduktion, sondern er sucht jene Nische, in der Qualität grossgeschrieben wird. Bei Weinproduzenten oder Brennereien der höheren Kategorie im Waadtland, Tessin oder in Graubünden beispielsweise. «Cabernet, Merlot, Gamaret, Garanoir oder auch Chardonnay und Pinot sind Rebsorten, die nach Holz rufen», erklärt Suppiger und bezieht sich damit auf deren Reifung. «In einem Holzfass kann der Wein atmen und nimmt das Aroma des Holzes an.» Für ihn ist deshalb klar: «Solange man sich ein gutes Glas Wein etwas kosten lässt, ist unsere Zukunft gesichert.»

Wellness schreit nach Holz

Im Schatten der grossen Eichenfässer hat sich zudem ein weiteres Handelsgut positiv entwickelt – die Holzbadwanne. Sie erlebt unter dem Oberbegriff «Wellness» eine regelrechte Renaissance. Kunden wie das Thermalbad & Spa in der Finanzstadt Zürich oder Jugendherbergen im Gletscherdorf Saas-Fee verleihen dem Traditionsberuf neuen Glamour, wenn sie ihre Schwimmbecken oder Hotpots aus Holz in Küssnacht bestellen.

In vierter Generation widmen sich die Suppigers mittlerweile der Küferei, bereits der Urgrossvater, der Grossvater und der Vater liebten die Arbeit am Holz. Bruder Heinz führt den Familienbetrieb in Buttisholz – eine Schreinerei/Küferei –, während Roland im Jahr 2004 die Küferei Kennel in Küssnacht übernahm und umbenannte. Ehefrau Carmen erledigt die Administration, drei Angestellte und ein Lehrling halten die Werkstatt auf Touren, der Chef kümmert sich vor allem um den Kundenkontakt.

Die persönliche Beratung habe in heutiger Zeit an Bedeutung dazugewonnen, erzählt Suppiger und erläutert dies anhand eines Beispiels: «Wenn ein Weinbauer eine halbe Hektar Gara­noir-Trauben anbaut, fragt er mich, welches Fass ich ihm empfehlen soll.» Kundenbesuche kombiniert der dreifache Familienvater zuweilen gerne mit dem Privaten, wenn er im Piemont ein verlängertes Wochenende an einen Geschäftstermin anknüpft.

Die Freizeit wiederum gehört der Musik. Nur die Wahl des Instruments überrascht – in der Grümpel Bänd Goldau spielt der Hobbymusiker Trompete und nicht etwa, wie man erwarten könnte, ein Holzblasinstrument. Ins Bild passt hingegen der private Weinkeller in seinem Zuhause in Küssnacht, der mit 350 bis 400 Flaschen wohl ebenfalls zum «Regierungsbezirk Roland» gehören dürfte.

Stephan Santschi

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